Future Parc Cebit-Stand auf den letzten Drücker
Ihre Vordiplomprüfung an diesem Montag wird Katharina Schulze-Geißler so schnell nicht vergessen. Sie saß gerade im Zimmer ihres Professors "auf heißen Kohlen", wie sie sagt, und erwartete die Fragen, als das Telefon klingelte. Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine Cebit-Projektleiterin. Ob man denn nicht Lust habe, den an der Uni Münster entwickelten Lernserver auf der Cebit vorzustellen, wurde Friedrich Schönweiss, Professor für Erziehungswissenschaft, gefragt.
Der sagte spontan zu und widmete sich dann sofort wieder der Prüfung. Seine Studentin Schulze-Geißler meisterte diese mit Bravour - Note 1.0. Die erste Frage danach war: "Haben sie in dieser und der nächsten Woche Zeit? Wir haben einen Stand auf der Cebit."
In den Future Parc in Halle 9 hat die Computermesse unter anderem Fraunhofer-Forscher eingeladen, die eine Handytastatur in eine Jacke integriert haben - so genannte Wearables, tragbare IT-Technik. Und nun in letzter Minute auch die Macher des Lernservers aus Münster.
Professor Schönweiss ist schon ein alter Hase in Sachen Lernsoftware. Sein Programm Alfons kaufte ihm der Schrödel-Schulbuchverlag schon vor Jahren für eine hübsche Summe Geld ab. Der neue Lernserver richtet sich an Lehrer und Eltern, die die Rechtschreibung ihrer Schüler oder Kinder verbessern wollen.
Die Kinder müssen bei einem Diktat rund 50 Wörter in einen Testbogen eintragen, die in dem Text fehlen - ein so genanntes Lückendiktat, wie Schönweiss erklärt. Anschließend tippen Lehrer oder Eltern die handschriftlichen Eintragungen der Kinder einschließlich aller Fehler in ein Webformular auf der Seite lernserver.de ein. Ein spezielles Programm analysiert die Fehler für jeden Schüler einzeln und deckt Stärken und Schwächen auf, etwa Probleme mit Dehnungsvokalen, Doppelkonsonanten oder der akustischen Wahrnehmung.
Für jeden Schüler erstellt die Software ein Leistungsprofil, aus dem die verschiedenen Fehlerarten hervorgehen - wertvolle Hinweise für den Unterricht. Natürlich können die Fehlertypen auch klassen- oder schulweise ausgewertet werden.
"Der Lernserver zeigt auf eine überzeugende Weise, wie durch eine intelligente Nutzung der digitalen Techniken Schulen zu einer neuen Lehr- und Lernqualität verholfen werden kann", sagte Cebit-Projektleiterin Michaela Kirchner.
Die Aussteller im Future Parc zahlen keine Standgebühr, sorgen aber dafür, dass die Halle 9 halbwegs gut gefüllt ist, in der sich vor allem Anbieter von Behördensoftware und Gemeinschaftsstände der Bundesländer versammelt haben. Das Problem ungenutzter Ausstellungsflächen kennt die Cebit seit einigen Jahren. Mit Projekten wie dem Future Parc versucht man, den Eindruck zu vermeiden, dass die Messe schrumpft.
Für Schönweiss bedeutete der Cebit-Auftritt auf den letzten Drücker einigen Stress. Er wollte ursprünglich nur einen Vortrag über seinen Lernserver halten. Die Zimmersuche für die Übernachtung seines vierköpfigen Teams in Hannover war noch das geringste Problem. Man wurde schnell fündig. Als einen Tag vor der Messe noch zwei Monitore fehlten, rief der Erziehungswissenschaftler einfach Computerfirmen in Hannover an. Mit Erfolg: Das kleine Unternehmen Fischhase stellte zwei Monitore, die per Taxi aufs Messegelände chauffiert wurden.