Gadgets und Geräte: Neues von der Hardware-Front - DER SPIEGEL
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Gadgets und Geräte Neues von der Hardware-Front

Das Weihnachtsgeschäft ist gelaufen, Soft- und Hardware-Entwickler stocken ihr Angebot auf. Der Trend geht zum digitalen Luxus - und hin zu Geräten, die intelligenter sind als wir User. Vielleicht ist es deshalb so schwer, den Sinn in manchen Anwendungen zu entdecken. Ein Streifzug über die Consumer Electronics Show in Las Vegas.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die James-Bondisierung des Alltags schreitet fort. Zu verdanken haben wir dies dem fotofreudigsten Volk der Welt. Japanische Ingenieure beglücken uns im Laufe des Jahres mit neuen Gadgets, die alle eins gemeinsam haben: Was und wofür wir sie auch immer benutzen - die Apparate setzen uns so ganz nebenbei auch ins Bild. So bringt das Unternehmen Casio bereits im Mai eine Armbanduhr auf den Markt, in die eine kleine digitale Kamera eingebaut ist. Bis zu 100 schwarz-weiß-Bilder soll diese speichern können, die sich anschließend auch auf den PC übertragen lassen. Das verspricht Futter für Karikaturisten: Wird man bald Horden japanischer Besucher durch Heidelberg ziehen sehen, die alle vierzig Sekunden auf die Uhr blicken?

Vielleicht eher nicht, denn erstens wird die Kamera-Uhr nicht billig (400 bis 500 Mark), zweitens dürfte bei nur einem Megabyte Speicher die Qualität der Bilder nicht allzu groß sein. Zudem müsste der knipsfreudige Fotograf den Speicher ja auch dann und wann entladen. Dazu würde sich ein Laptop anbieten - womit der Gewichts- und Größenvorteil der Mikrokamera auch wieder den Bach hinunter ginge. Eine Alternative wäre ein Personal Digital Assistant, wenn er nur über genügend Speicherplatz verfügte.

"SDA" wird es möglich machen. Hinter dem kryptischen Kürzel verbirgt sich eine funkelnagelneue Allianz führender Soft- und Hardware-Hersteller (Matsushita, Toshiba, Scandisk und andere), die in einer gemeinsamen Anstrengung einen Industriestandard für kleine Wechselspeichermedien entwickeln wollen. Matsushita stellte jetzt den Prototyp eines PDA mit einer 64 Megabyte "Secure Digital Memory Card" (SD) vor. So etwas würde sich für die Zwischenspeicherung durchaus anbieten - wäre aber überflüssig, weil der PDA "natürlich" gleich auch über eine Digitalkamera verfügt.

In Las Vegas gab sich in der ersten Januarwoche die Hardwarebranche zur alljährlichen Consumer Electronics Show ein Stelldichein. DVD-Player, ultraflache digitale Fernseher und Netzwerk-Lösungen für den Heimbereich zogen die Massen an und dürften inzwischen als noch immer teuer, aber auf dem Weg zur "Alltagsanwendung" gelten. Die Branche boomt und brummt weiter, stolz vermelden die Hersteller ein Wachstum von rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Blick nach vorn wurde von anderen digitalen Luxus-Gadgets beherrscht, die selbst hartnäckige Hardware-Freaks in eine Sinnkrise stürzen sollten. Es ist schön zu wissen, dass man mit der Mikrowelle nun auch surfen kann, aber einen echten Nutzen konnte man darin bisher nicht entdecken. Bisher, denn nun wird die Sache langsam klar: Was der technikaffine Digitalfreak braucht, ist die Vernetzung eines intelligenten Kühlschranks mit der noch viel intelligenteren Panasonic-Mikrowelle.

Der Kühlschrank analysiert seinen Inhalt, meldet zum Beispiel, wenn die Milch sauer wird. Die Mikrowelle holt sich vom Kühlschrank die tägliche Inventurliste, macht Menüvorschläge und programmiert sich schon einmal, sorgt für die rechte Einstellung der Garzeiten. Was fehlt zum gewählten Gericht, könnte man per Surf-Mikrowelle und Internet bestellen. Trotzdem hat das Konzept noch Lücken: Eigentlich braucht man nun noch einen Hausalts-Roboter, der die Waren vom Kühlschrank zur Mikrowelle trägt, dem Lebensmittel-Händler die Tür öffnet, die Rechnung bezahlt, das Essen zubereitet und anschließend verspeist. Zu sehen auf der Consumer Electronics 2001?

Für den ambitionierten Kleinspekulanten stellte Philips einen Badezimmerspiegel vor. Der übertüncht nicht etwa digital die beim Online-Broking erworbenen Ringe unter den Augen, nein - wie könnte es anders sein - der Spiegel surft. Auf einem kleinen Display stellt er die aktuellen Börsenkurse dar. Kulturkritiker wird das freuen: Die Diskussion um den Information-Overload dürfte in den nächsten Jahren noch einmal auffrischen.

Mehr Zukunftschancen dürfte der 3D-Fernseher haben, den Sanyo auf der Consumer Electonics vorstellte - und damit Warteschlangen verursachte wie an einer britischen Bushaltestelle. Der 3D-Effekt ist ohne Spezialbrille zu sehen und funktioniert über einen Beam-Splitter, der das rechte und linke Auge getrennt voneinander mit einem leicht "verschobenen" Bild versorgt. Vorerst sehen die Entwickler Nutzanwendungen vor allem im Bereich der Medizin und im Grafikdesign - und vielleicht im Privathaushalt des Herrn Gates, der sich solchen Luxus wohl wird leisten können.

Leisten kann man sich zunehmend mobile Player für digitale Musik. Die Preise zeigen einen klaren Abwärtstrend: Der "Walkman" der Zukunft wird ein MP3-Player sein. Casio baut solche Player nun erstmals in - Kenner des Konzerns ahnen es - Armbanduhren ein. Fehlt nur noch die Synthese der verschiedenen Casio-Uhrenkonzepte: Wie wäre es mit einer Uhr mit Digitalkamera, mit der man Musik hören, TV sehen und im Internet surfen kann? Zu gefährlich, weil an nicht mehr auf den Weg achtet? Kein Problem: Die Armbanduhr mit GPS-System stellte Casio schließlich schon im Dezember vor ...

Frank Patalong