Gamers Corner: Futter für die Xbox - DER SPIEGEL
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Gamers Corner Futter für die Xbox

Auf die Spielekonsole aus dem Hause Microsoft werden Deutschlands Spielefreaks noch ein Jahr warten müssen. Was Microsoft nicht hindert, schon mal mit den Pfunden zu wuchern, die da kommen werden.
Von Martin Schnelle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In Deutschland lässt die Xbox auf sich warten. Trotzdem wollte es sich Microsoft nicht nehmen lassen, parallel zu den als große Shows angelegten Vorstellungen der Spielekiste auch in Deutschland schon einmal verheißungsvoll mit den Neuerungen des nächsten Jahres zu winken.

Inmitten historischer Flugzeuge präsentierte Microsoft die Xbox in der Flugwerft Schleißheim - ein passender Gegensatz zur "Next Generation"-Konsole. Und bescheiden sind die Ziele nicht: "Wir wollen die Nummer Eins werden", sagt Jay Allard, General Manager für die Xbox.

Technisch soll das Gerät der Sony-Konkurrenz PlayStation 2 und dem im Sommer erscheinenden GameCube von Nintendo überlegen sein: Ein Intel-Pentium-III-Prozessor mit 733 MHz ist das Kernstück, unterstützt von 64 Megabyte Hauptspeicher und einer Acht-Gigabyte-Festplatte. Polygone und Texturen berechnet ein Grafikchip, der von nVidia und Microsoft entwickelt wird und auf der vom PC her bekannten GeForce-Architektur basiert. Das eingebaute DVD-Laufwerk spielt zudem nicht nur Programm-DVDs ab, sondern auch Spielfilme.

Das zugehörige Eingabegerät verfügt über analoge und digitale Eingabemöglichkeiten, ist also in Wahrheit eine Kombination aus Steuerknüppel und Gamepad. Acht Knöpfe ermöglichen vielfältige Steuerungsmöglichkeiten, das Pad liegt zudem gut in der Hand - hier zeigt sich die Erfahrung mit den zahlreich verkauften "Sidewinder"-Joysticks, Lenkrädern und Gamepads.

Doch nicht nur die Technik einer Konsole entscheidet über ihren Erfolg; weitaus wichtiger ist die verfügbare Software. Ohne die richtigen Spiele würden die Geräte wie Blei in den Regalen liegen. Dieses Schicksal scheint Microsoft erspart zu bleiben.

Welche Spiele kommen für die Xbox?

Außer dem in der Fachpresse schon ausführlich vorgestellten Grafikwunder "Halo" sollen zum Erscheinen der Microsoft-Konsole im Herbst dieses Jahres (Anfang 2002 in Europa) eine Reihe weiterer Programme erhältlich sein. So etwa "Oddworld: Munch's Oddysee", ein Action-Adventure, dessen ersten beiden Teile schon für die PlayStation und den PC erhältlich sind. Vier weitere Spiele sollen exklusiv für die Xbox herauskommen. Dann wäre da das Action-Adventure "Malice" von Argonaut - "das Potenzial und die Power der Xbox werden von Argonaut mit diesem beeindruckenden Spieledemo sehr schön in Szene gesetzt", sagt Jay Allard zu diesem Programm.

Software-Gigant Electronic Arts will nicht weniger als zehn Titel fertig stellen, darunter die erfolgreiche "Fifa"-Serie und das Rennspiel "F1 2000". Und auch Publisher Activision bringt mit "Tony Hawks Pro Skater 2" eine Umsetzung eines der bestverkauften PlayStation-Spiele, ebenso Konami und ihr "Metal Gear Solid X". Hersteller THQ steuert zur Erstveröffentlichung der Konsole das Wrestling-Spiel "WWF Raw is War" bei, die Phalanx der verschiedenen Firmen setzt sich noch weiter fort. Darunter befinden sich Eidos, Acclaim, Fox Interactive, Codemasters, Hasbro Interactive und Sierra - alles Unternehmen mit viel Erfahrung und zumindest mehreren erfolgreichen Produkten.

Offensichtlich ist, dass Microsoft keine kleinen Geschütze im Kampf um den Konsolenmarkt auffährt. Im Gegensatz zu PlayStation 2 und Dreamcast werden schon zur Veröffentlichung der Xbox eine Reihe hochqualitativer Produkte vorliegen, die PC-nahe Architektur ermöglicht das relativ schnelle Umsetzen von PC-Software auf dieses Gerät.

Wird der PC-Markt davon negativ beeinflusst? Möglicherweise. Aber genauso steht zu hoffen, dass die Hardware-Spirale sich am PC in Zukunft weniger schnell drehen wird. Denn viele Hersteller werden ihre Xbox-Titel auch für Windows-Heimcomputer veröffentlichen - und für die Xbox sind keine beschleunigenden Hardware-Ergänzungen vorgesehen, Programmierer müssen mit den Komponenten auskommen, die in der Konsole stecken.