Garmin Streetpilot c550: Die Navigations-MP3-Freisprechanlage - DER SPIEGEL
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Garmin Streetpilot c550 Die Navigations-MP3-Freisprechanlage

Portable Navigationsgeräte haben gegenüber fest installierten Lösungen zwei entscheidende Vorteile: Sie sind billiger und tragbar. Die neueste Generation wie der Streetpilot c550 von Garmin glänzt mit viel versprechenden Zusatzfunktionen. Wir wollten wissen, ob die ihr Geld auch wert sind.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der c550 ist das Top-Modell der aktuellen Streetpilot-Serie und mit allem Schnick und Schnack ausgestattet, den man sich heute in einem Navi wünscht. Das fängt beim GPS-Chipsatz an. Der ist dafür zuständig, die Signale der GPS-Satelliten zu orten und auszuwerten. Garmin verwendet hier den SirfStar III-Chipsatz, der nach Expertenmeinung derzeit die Krone der GPS-Schöpfung darstellt. Und tatsächlich braucht das Gerät nach dem Systemstart nur wenige Sekunden, um seinen Standort zu bestimmen.

Damit die GPS-Chips auch ordentlich zu tun bekommen, ist bereits ab Werk Kartenmaterial für den überwiegenden Teil Westeuropas installiert. Dazu gesellen sich hunderttausende Points of Interest, kurz POI. Das sind beispielsweise Tankstellen, Parkplätze, Restaurants, Supermärkte und Flughäfen. Weitere POIs können per PC-Software nachgeladen werden. In der Standard-Konfiguration bleiben von den 2 Gigabyte Speicher noch rund 500 Megabyte frei. Optional kann man zudem SD-Speicherkarten als Zusatzspeicher nutzen.

Mit Musik und TMC

Die lassen sich beispielsweise mit MP3-Musik auffüllen – schließlich ist auch ein MP3-Player mit an Bord. Der funktioniert auch tadellos, solange man ihn mit schlichten MP3-Dateien befüllt. Bei Kaufmusik, egal ob von Musicload oder iTunes, patzt er, da er deren Dateiformate und Kopierschutzsysteme nicht beherrscht. Zudem erfüllt die Klangqualität der eingebauten Mini-Lautsprecher kaum hifidele Ansprüche. Zwar ist ein Audio-Ausgang vorhanden, über den man den Player theoretisch an ein Autoradio anschließen kann. Praktisch verfügen aber nur wenige Autos über eine passende Eingangsbuchse. Zudem würde dies ein weiteres Kabel erforderlich machen.

Dabei dürfte vielen Fahrern schon das Stromkabel ein Dorn im Auge sein, welches das Gerät während der Fahrt mit Strom von Zigarettenanzünder versorgt. Eigentlich könnte man darauf auch verzichten. Schließlich soll der Akku für bis zu acht Stunden Betrieb ausreichen. Dann aber bekäme man keine Stauwarnungen mehr, da der TMC-Empfänger (Traffic Message Channel), über den der Navi die Verkehrsmeldungen der Radiosender empfängt, in das Kabel integriert ist.

Flinker Rechner

Die Verarbeitungsgeschwindigkeit des c550 kann man getrost als sehr hoch bezeichnen. Um eine Route zu berechnen braucht das Gerät selten länger als zwei bis drei Sekunden. Ganz gleich, ob es dabei um die Fahrt zum Supermarkt im Nachbarort oder den 1800-Kilometer-Trip von den Balearen an die Elbe geht.

Doch die Qualität der Kartenwerke für das europäische Ausland hat offenbar ihre Grenzen. Von manchen der Länder sind nur "die meisten Stadtgebiete und Hauptverbindungen" erfasst, mitunter gar nur "Hauptstädte und Fernstraßen".

Dass schon ersteres nicht reicht, den Navi wirklich nutzen zu können, konnte der Tester (im Rahmen seines Urlaubs) auf Mallorca feststellen. Die Detailschärfe der Infos erwies sich oft als nicht hinreichend, zudem scheinen die digital abgelegten Routeninformationen nicht überall mit dem Tempo des Straßenbaus Schritt halten zu können. So führte die Fahrt von der Autovermietung am Flughafen zum Ferienquartier schon nach wenigen hundert Metern in eine Sackgasse. Wo einst ein Autobahnzubringer gewesen sein muss, blüht nun Insel-Flora im Scheinwerferlicht. Gut, dass die nette Dame von der Vermietung zusammen mit dem Autoschlüssel auch eine Straßenkarte überreicht hatte.

Ähnliche Erlebnisse prägten fortan die Fahrten der kommenden Tage. So meckerte die weibliche Stimme des Navi auch bei der Fahrt über vierspurige Autobahnen, man solle doch bitte auf die befestigte Straße zurückkehren, oder mahnte im Kreisverkehr zum Abzweigen in die Innenstadt, statt die schnellere Umgehungsstraße zu empfehlen. Immerhin: Auf diese Weise lernt man im Urlaub Ecken kennen, auf die man als normaler Tourist niemals stoßen würde.

Zurück in deutschen Landen war von diesen Schwächen freilich nichts mehr zu spüren. Überall dort, wo hoch aufgelöstes Kartenmaterial vorliegt, kennt das Gerät auch noch den kleinsten Stichweg sowie die holprigste Sackgasse beim Namen und gibt sogar zu erkennen, auf welcher Straßenseite das Fahrtziel zu finden ist.

Führung mit Vorwarnung

Ohnehin ist die Routenführung ausgesprochen angenehm. Bereits mit reichlich Vorwarnzeit, die offenbar von der aktuellen Geschwindigkeit abhängt, wird man auf kommende Verzweigungen und Richtungsänderungen hingewiesen. Abbiegehinweise kommen stets rechtzeitig, eine Eigenschaft, die nicht jedes Navigationsgerät mitbringt.

Dem entsprechend kann man sich während der Fahrt, meist auch ohne einen Blick auf das sehr scharfe und helle Display zu riskieren, von den klar verständlichen Sprachanweisungen leiten lassen. Die sind übrigens nicht nur in männlicher und weiblicher Ausführung, sondern zudem in dutzenden Sprachvarianten auf dem Gerät gespeichert.

Freisprecher inklusive

Wer darüber hinaus außer mit seinem Navigationsgerät auch mit anderen Menschen verbal in Kontakt treten möchte, kann dies während der Fahrt gefahrlos und gesetzeskonform über die im c550 integrierte Freisprecheinrichtung tun. Die funktioniert drahtlos per Bluetooth-Datenfunk. Der Hersteller listet auf seiner Website rund 200 dazu kompatible Mobiltelefone auf. Die gebotene Sprachqualität ist ordentlich, wenn auch nicht sensationell. Gut für Schön-Rechner: zieht man die sonst fälligen Kosten für eine vergleichbare Freisprecheinrichtung vom Gerätepreis ab, wird das Garmin zum Schnäppchen.

Ansonsten ist der StreetPilot mit einem Listenpreis von 449 Euro nicht gerade ein Billigangebot, auch wenn der Preis soeben erst um 50 Euro gesenkt wurde. Ob der gebotenen Qualität und der Vielzahl nützlicher Zusatzfunktionen scheint der Preis allerdings angemessen. Das gilt insbesondere, wenn man sich bei einschlägigen Online-Händlern umschaut, deren Tarife nicht selten 100 Euro niedriger liegen.

Fazit: Guter, wenn auch nicht billiger Navigator mit ansprechenden Leistungen und Zusatzfunktionen, die über den Preis hinwegtrösten. Schwächen zeigt vor allem die vorinstallierte Kartensoftware für das europäische Ausland: Wer da sicher fahren will, muss nachrüsten. MP3 im Navi ist allerdings ein kleiner Luxus, auf den man getrost verzichten kann.