Gateway: Riskanter Tabubruch - DER SPIEGEL
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Gateway Riskanter Tabubruch

Diese Werbekampagne bricht ein ungeschriebenes Tabu der Computerbranche. Der US-Computerhersteller Gateway wagt es, seinen neuen "All-in-one"-PC mit einem Kultobjekt zu vergleichen: Apples i-Mac. Doch Insider bezweifeln, dass Apple-Guru Steve Jobs die Majestätsbeleidigung einfach schlucken wird.
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Poway - Die für die Computerbranche ungewöhnlich aggressive Werbekampagne, die der Computerhersteller Gateway diesen Montag startet, vergleicht den neuen Gateway-Profile PC mit Apples iMac - und schlägt angeblich das Kultobjekt aus dem kalifornischen Cupertino auf ganzer Linie.

In dem Werbefilm hüpft ein Profile-Computer über einen bewegungslos darniederliegenden iMac, dazu ertönt eine Stimme aus dem Off: "Höhere Geschwindigkeit, mehr Speicher, mehr Software." Trendy sei der neue Rechner der sogenannten "All-in-one"-Sparte mit seinem silber-schwarzen Look ohnehin. Am Ende der Lobgesangs auf den eigenen Rechner fragt Gateway die Zuschauer: "Erwähnten wir schon, dass der Profile 4 weniger kostet als der iMac?" In den Zeitungsanzeigen fordert das Unternehmen seine potentielle Kunden gar auf, klüger zu denken: "Think Smarter", heißt der Leitspruch der Kampagne, der auf das Apple-Motto "Think Different" anspielt.

Mit dem neuen All-in-one-Rechner Profile 4, der ab Montag in den USA verfügbar sein soll, will sich Gateway ein Stück vom iMac-Kuchen abschneiden. Das Einstiegsmodell, das wie der iMac ein integriertes TFT-Display bietet, kostet einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge 999 Dollar, der leistungsstärkste "Profile 4" liegt bei 1999 Dollar. Für den billigsten iMac mit integriertem Flachbildschirm verlangt Apple in den USA immerhin 1299 Dollar. Trotz des Preisvorteils werden in der Fachwelt bereits kritische Stimmen laut: In einem Interview mit dem "news.com" prognostiziert der Analyst Toni Duboise, dass Gateway mit Apple auf einen starken Gegner trifft. Im Gegensatz zum iMac sei beispielsweise keines der Profile-Modelle mit einem SuperDrive-Laufwerk zum Beschreiben von DVD-Medien ausgestattet.

Gateways Attacke könnte auch ein gerichtliches Nachspiel haben. In den frühen neunziger Jahren verglich der Computerhersteller Dell seine Rechner mit denen des Konkurrenten Compaq - und schoß damit ein Eigentor. Denn Compaq klagte vor Gericht, dass Dell einen in der Leistung aufgemotzen Rechner ins Vergleichsduell geschickt habe, den es so gar nicht zu kaufen gegeben habe. Seitdem gelten direkte Rechnervergleiche in der Branche als Tabu. Auch Apple vermied stets, in seinen Werbekampagnen seine Erzrivalen Microsoft oder IBM beim Namen zu nennen. Branchenkenner gehen davon aus, dass Apple sich deshalb den Angriff des Rivalen Gateway kaum gefallen lassen wird. Apple-Boss Steve Jobs gilt zudem als besonders streitsüchtig. Am Montag wollte Apple die Kampagne von Gateway noch nicht kommentieren.

Für das strauchelnde Unternehmen Gateway ist die Kampagne ein neuerlicher Versuch, auf dem Computermarkt wieder Fuß zu fassen. Dem Bericht des "Journals" zufolge prognostiziert das Unternehmen für das laufende Jahr einen vorsteuerlichen Verlust von 200 bis 250 Millionen Dollar bei einem Umsatz von etwa fünf Milliarden Dollar. Warum Gateway mit seiner Kampagne nun ausgerechnet ein Produkt attackiert, das wie der iMac zum einen zahllose Fans besitzt, wird erst auf den zweiten Blick klar. Besonders auf dem Bildungssektor, dem Heimcomputermarkt und der "small-business"-Sparte überschneiden sich die Zielgruppen der beiden Computerhersteller.

John Lister, Chairman der Beratungsagentur Lister Butler Constulting, sieht in Gateways Tabubruch durch den Vergleich mit Apple eine sinnvolle Marketingstrategie: "Wenn sie die Leute überzeugen können, auf eine Ebene mit Apple zu gehören, machen sie auf dem Weg zum Aufbau der Marke Gateway einen großen Schritt vorwärts."