Gekappte Kabel, gekappte Jobs China offline
Peking/Shanghai - Millionen Computernutzer in China hatten am Freitag nur eingeschränkten Zugang zum weltweiten Internet, nachdem ein Unterwasserkabel vor der Küste Schanghais beschädigt worden war. Es war die bislang größte Störung des chinesischen Internet, wie ein Funktionär des China Telecom Datenbüros in Peking sagte: "Früher hatten wir schon kleinere Probleme - aber nichts war so groß wie dies."
Die Reparatur des Glasfaserkabels nach Nordamerika nahe der Insel Chongmingdao werde je nach Wetter und Seegang zwei Wochen dauern. Die Internetsurfer in China bekamen am Freitag zwar eine Verbindung ins Netz, konnten meist auch chinesische Seiten aufrufen, doch kam die Verbindung zu Seiten im weltweiten Netz meist nicht zu Stande.
Das Web war in China auch vor dem Unfall nicht unbedingt für seine Schnelligkeit bekannt. Wie das Kabel beschädigt wurde, blieb zunächst unklar.
Erwischt: Die Dot.com-Rezession kommt
Probleme mit dem Internet hat China auch an einer anderen Front: Das Dot.com-Sterben kündigt sich auch im Reich der Mitte an. Chinesische Internetfirmen ziehen angesichts ausbleibender Gewinne die Notbremse und entlassen einen großen Teil ihrer Mitarbeiter. Das berichtete die Zeitung "Shanghai Daily" am Freitag.
Die Ende 1999 gegründete Website Elong.com, eine der führenden Internetfirmen Chinas mit Sitz in Peking, hat nach Informationen der Zeitung der Hälfte ihrer 600 Mitarbeiter gekündigt. In den vergangenen Monaten hatten mehrere junge Internetunternehmen in China wegen enttäuschender Geschäftszahlen ihr Personal bereits deutlich reduziert.
Zwar ist die Zahl der Internetnutzer in China nach offiziellen Statistiken bis Ende 2000 auf 22,5 Millionen gestiegen und wächst weiter sprunghaft an. Doch hat sich die Hoffnung der chinesischen Internetbranche auf schnelle Gewinne nicht erfüllt. Elong sei nur ein weiteres Beispiel für eine Website, die sich der Realität des Marktes stellen müsse, zitiert die "Shanghai Daily" einen Branchenkenner. Ein Sprecher von Elong habe den Stellenabbau dagegen als eine "natürliche Anpassung" bezeichnet, da die Firma bis Ende des Jahres die Gewinnschwelle erreichen wolle und die Strategie ändere.
Elong konzentriert sich auf Lifestyle-Themen und hat bisher mehr als 200.000 Mitglieder. Die Mitgliedschaft bei der Website, die sich vor allem aus Werbeeinnahmen finanzieren wollte, kostete der Zeitung zufolge ursprünglich 380 Yuan (umgerechnet etwa 98 Mark). Doch sei der Preis auf zuletzt zehn Yuan gesenkt worden.