Geldfälscher im Visier Nie wieder Eigenbau-Blüten
Es ging alles ganz schnell. Als die Fahnder an einem Mittwoch Ende Januar zugriffen, hatten die Geldfälscher keine Chance mehr, belastendes Material zu verstecken. 100- und 200-Euro-Blüten im Nennwert von insgesamt 300.000 Euro fanden sich in der Werkstatt im bulgarischen Schwarzmeer-Badeort Varna.
Mehrere Männer sollen hier über sechs Monate hinweg Blüten in "hervorragender Qualität" hergestellt haben, so das bulgarische Innenministerium - sechs Beschuldigte haben inzwischen gestanden.
Eine halbe Million gefälschte Scheine
Die europäische Gemeinschaftswährung wird überaus gern gefälscht. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) tauchten in den Kassen und Geldbörsen der zwölf Euro-Länder im vergangenen Jahr gut 551.000 unechte Scheine auf - knapp jeder zehnte davon in Deutschland. Der Gesamtschaden hierzulande liegt nach Berechnungen der Bundesbank bei 3,4 Millionen Euro.
Die Fälscher kommen dabei längst nicht immer aus fernen Ländern wie Bulgarien, das sich zu einem Zentrum der Euro-Blüten-Industrie entwickelt hat. Denn Falschgeld kann heutzutage eigentlich jeder mit etwas krimineller Energie im Eigenbau herstellen: Ein halbwegs brauchbarer Scanner, ein Farbdrucker und ein durchschnittliches Grafikprogramm - und fertig ist die heimische Blütenschmiede.
"Mit moderner digitaler Technik lassen sich relativ schnell Banknotenfälschungen herstellen", sagt auch Winfried Lampe von der Bundesbank im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Doch zusammen mit Kollegen aus gut zwei dutzend anderen Ländern wollen die Bundesbanker den Fälschern ins Handwerk pfuschen. Für den Kreuzzug gegen die Blüten der Marke Eigenbau haben sich insgesamt 27 Zentralbanken aus Europa, Kanada, den USA und Japan zur "Central Bank Counterfeit Deterrence Group" zusammengeschlossen.
Hersteller sollen Technologie freiwillig einbauen
- "Informationen zur Verwendung von Banknotenbildern"
- Industrie-Initiative:HP-Infos zum Thema Falschgeld
Dieser Interessenverband versucht, Hersteller von Druckern, Kopierern und Scannern sowie Grafikprogrammen dazu zu bewegen, auf freiwilliger Basis Anti-Fälschungs-Systeme in ihre Produkte einzubauen. Die Idee dabei: Hard- und Software sollen in Zukunft den Dienst verweigern, wenn ein Geldfälscher zur Tat schreiten will - dem "Counterfeit Deterrence System" (CDS) sei Dank.
Die Technologie, die in vielen Farbkopierern schon länger Verwendung findet, wird laut einem Bericht der kanadischen Zeitung "Globe and Mail" kostenlos an interessierte Hersteller abgegeben.
Wie das System genau funktioniert, das von der Firma "Digimarc" entwickelt wurde, will die Bundesbank nicht verraten. Nur soviel lässt sich Winfried Lampe entlocken: "In den echten Banknoten sind bestimmte Merkmale enthalten, die von den betreffenden Reproduktionsgeräten mit CDS erkannt werden, und letztlich die Reproduktion einer Banknote unmöglich machen."
Und auch bei der Frage nach den Herstellern, die den Fälschungsschutz in ihre Produkte integrieren, gibt es keine präzisen Informationen. Es handle sich um "eine wachsende Zahl" von Unternehmen, deren Namen man "im Einzelnen" nicht nennen wolle, so die einzige Auskunft des Bundesbank-Mitarbeiters.
Manche Unternehmen, wie etwa der Druckerhersteller Hewlett-Packard, werben indes offensiv damit, dass sie Anti-Fälscher-Technik entwickeln und einsetzen .
Auch der Software-Hersteller Adobe hat die Technologie in der neuesten Version seines High-End-Grafikprogramms Photoshop CS eingebaut - und dies öffentlich gemacht. Für den Marktführer sei dies eine Art unternehmerische Bürgerpflicht, so betrieb Adobe-Manager Kevin Connor vor wenigen Wochen in einem "Wired"-Interview publikumswirksame Imagepflege.
"Security through Obscurity"
Das System, so Connor, basiere auf einer Mustererkennung, die mittlerweile - im Gegensatz zu früheren Versionen - so effizient geworden sei, dass sie das Grafikprogramm im Einsatz nicht mehr unnötig verlangsame. Aber auch Adobe hat keine präzisen Informationen zur Funktionsweise der Technologie veröffentlicht.
Ob die Informationspolitik nach dem Prinzip Sicherheit durch Unklarheit ("Security through Obscurity") aufgeht, wird die Zukunft zeigen. Schon kursieren im Netz Anleitungen, wie etwa der Fälschungsschutz von Photoshop CS zu umgehen ist. Doch Bundesbank-Mitarbeiter Winfried Lampe hat nach eigenem Bekunden keine große Angst vor Angriffen: "Man muss immer damit rechnen, dass ein solches System von bestimmten Kreisen attackiert wird". Da sich die Anti-Fälschungs-Technologie aus "verschiedenen komplexen Komponenten" zusammensetze, sei sie "nicht so einfach zu unterlaufen".
Die nächsten Falschgeld-Statistiken der EZB und der Bundesbank werden zeigen, ob er mit dieser Einschätzung richtig lag.