Goldman Sachs: FBI verhaftet Softwarefachmann - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Goldman Sachs FBI verhaftet Softwarefachmann

Die US-Bundespolizei hat einem Zeitungsbericht zufolge einen ehemaligen Angestellten der Investmentbank Goldman Sachs verhaftet. Der Mann soll, als er das Unternehmen verließ, Spezialsoftware mitgenommen haben, die beim Wertpapierhandel zum Einsatz kommt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Der "Financial Times" (FT) zufolge wurde der Mann verhaftet, als er am Flughafen Newark in New Jersey landete. Er wird des Diebstahls von Geschäftsgeheimissen und der Verschiebung gestohlenen Eigentums beschuldigt. Dem FBI zufolge hatte Sergeij A. 32 Megabyte Daten von seinem Arbeitsplatzrechner und seinem Laptop heruntergeladen, bevor er Goldman Sachs Anfang Juni 2009 verließ. Er hatte dort zuletzt den Rang eines Vice President innegehabt.

Die Bundespolizei interessiert sich für den Datentransfer vor allem deshalb, weil A. selbst einem Team angehörte, das an der Handelssoftware des Bankhauses arbeitete. Als A. Goldman Sachs auf eigenen Wunsch verließ, um zu einem anderen Unternehmen zu wechseln, habe er Betriebsgeheimnisse mitgehen lassen, so der Vorwurf. Bei vier verschiedenen Gelegenheiten zwischen dem 1. und dem 5. Juni, seinem letzten Tag beim alten Arbeitgeber, habe A. die Daten kopiert und sie anschließend, so die "FT" auf einen "Server in Deutschland übertragen".

Im Detail geht es dem FBI zufolge um Teile eines Software-Systems, das für den automatisierten Handel von Wertpapieren und Waren benutzt wird. Dieses System sichere der Investment-Bank "viele Millionen Dollar Gewinn im Jahr", so der Bericht des FBI-Agenten, der A. verhaftete. Das System sei besonders schnell und effektiv und verschaffe Goldman Sachs so einen Wettbewerbsvorteil. Dem Bericht zufolge war A. im Begriff, zu einem Unternehmen zu wechseln, das sich auf derartige automatisierte Transaktionen spezialisiert hat - für das dreifache seines Gehaltes bei Goldman Sachs.

Dem FBI zufolge hatte A. versucht, die Spuren seiner letzten Datenübertragungen zu löschen. Goldman Sachs bewahre aber getrennte Kopien der Nutzungsprotokolle aller Rechner im Unternehmen auf. Diese zeigten, dass A. ein spezielles Skript eingesetzt hatte, um Software-Code zusammenzufassen, zu komprimieren und auf den erwähnten Server in Deutschland hochzuladen.

A. wurde der "FT" zufolge am Montag gegen eine Kaution von 750.000 Dollar auf freien Fuß gesetzt.

cis

Mehr lesen über