Grafiktechnologie: Vista-Spiele für Linux, Mac und XP - DER SPIEGEL
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Grafiktechnologie Vista-Spiele für Linux, Mac und XP

Eine kleine Firma aus Kalifornien behauptet, die von Microsoft für Vista reservierte Grafiktechnologie DirectX 10 auf andere Systeme übersetzen zu können. Damit wären Vista-Spiele auch auf XP und am Mac spielbar. Im Web allerdings überwiegt Misstrauen gegenüber den Machern.
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Die Idee klingt verlockend: Mit einem Programm, dem sogenannten Alky Converter, sollen künftig Spiele, die für Windows Vista entwickelt wurden, auch auf Windows XP, Mac OS X oder Linux laufen. Nach Microsofts Ansicht dürfte so etwas gar nicht gehen. Zu eng seien die neue Grafiktechnologie und Windows Vista miteinander verzahnt. Aus diesem Grund, so Microsoft, werde es auch keine DirectX 10-Version für Windows XP geben.

Kritiker mutmaßen nun, Microsoft würde Windows-XP-Nutzer mit Absicht benachteiligen. Schließlich müsste man früher oder später, wenn man neue, für DirectX 10 entwickelte Spiele spielen wolle, auf Vista umrüsten.

Brian Thomason, CEO von Falling Leaf Systems, jener Firma, die behauptet, sie könne Vista-Grafik auf jeden PC zaubern, sieht das nicht so. Bei seinen Versuchen, die DirectX-10-Technologie per Reverse Engineering zu entschlüsseln, habe er festgestellt, dass es tatsächlich nur mit erheblichen Geschwindigkeitseinbußen möglich wäre, Vistas Grafiktechnologie auch unter Windows XP zu nutzen - zumindest wenn man es auf normalem Wege versucht.

Maschinencode statt Grafikbefehle

Wie es dennoch geht, erklärt Thomasons Chefprogrammierer Cody Brocious im Forum der Firma. Nachdem er die sogenannten "Geometrie-Shader" aus DirectX 10 dekodiert hatte, habe er eine Software geschrieben, welche die Grafikbefehle in Maschinencode übersetzt. Der könne nun teilweise von der Grafikkarte und teilweise vom Prozessor des Rechners abgearbeitet werden. Durch diesen Trick soll es möglich sein, Spiele, die eigentlich für Windows Vista geschrieben wurden, auch auf Intel-basierten Macs, auf Linux-PCs, vor allem aber auf Windows XP abzuspielen.

Was irgendwie nicht zusammenpassen will: Während auf der Website des Projekts ein Filmchen zu sehen ist, in dem auf einem Apple-Rechner die Demoversion des PC-Spiels "Prey" abläuft, spricht Brian Thomason nun davon, man verwende derzeit alle Energie darauf, eine Version für Windows XP fertig zu stellen. "Wir haben vor, unsere Technologie auch in Linux zu implementieren und zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht auch auf Macs zu übertragen. Vorerst handelt es sich aber um ein reines XP-Projekt", sagte Thomason zu SPIEGEL ONLINE.

Überzeugungsarbeit per Mini-Preview

Auch zur Funktionsweise des von ihm gepriesenen Konverters macht Thomason Angaben: "Es gibt zwei Schlüsseltechnologien in unserem Projekt: Alky und unsere DirectX 10-Kompatibilitäts-Bibliotheken. Alky wandelt die Binärprogramme so um, dass sie auch auf anderen Plattformen laufen, während die DirectX 10-Kompatibilitäts-Bibliotheken einfache DLLs [Anm. der Red.: Dynamic Link Libraries] sind, die man im Systemordner von Windows XP ablegt."

So einfach soll das also gehen. Bei derart simplen Erklärungen werden Skeptiker natürlich hellhörig. Um zu beweisen, dass der DirectX-Trick wirklich funktioniert, veröffentlichte Thomason vor kurzem eine Vorabversion des Konverters, mit der man ein paar kurze DirectX10- Demos unter Windows XP anschauen kann. Besonders benutzerfreundlich ist diese Preview allerdings nicht und nur Anwendern mit Programmierkenntnissen zu empfehlen.

Kein Zeitplan, keine Mitarbeiter

Doch auch wenn man sich durch diese Preview von der grundsätzlichen Durchführbarkeit des Konzepts überzeugen kann, ist eine ordentliche Portion Skepsis angebracht. So scheint das gesamte Team des seit Mitte 2006 laufenden Projekts bisher aus zwei Personen zu bestehen: Brian Thomason und Cody Brocious. Auf die Frage, ob es noch mehr Mitarbeiter gibt, antwortet Thomason ausweichend: "Ich bin nicht sicher, ob ich diese Information zu diesem Zeitpunkt herausgeben möchte."

Ebenso verschwiegen wird Thomason, wenn man ihn auf einen Zeitplan für das Projekt anspricht. Zwar ist es nicht ungewöhnlich, dass man sich bei einer solch komplexen Softwareentwicklung nicht auf ein konkretes Veröffentlichungsdatum festlegen möchte. Zumindest ein grober Plan, wann welche Aufgaben erledigt werden müssen, sollte aber vorzeigbar sein.

50 Dollar für eine Demo

Ebenso wenig geeignet, für Vertrauen zu werben, ist das Alter der Mitarbeiter. Chefprogrammierer Brocious beispielsweise ist gerade 19 Lenze jung. Ein Unbekannter ist Brocious in der Programmierer-Szene dennoch nicht. Gemeinsam mit Jon Lech Johansen, der mit seinem DVD-Kopierschutz-Knackprogramm DeCSS bekannt wurde, entwickelte er PyMusique, eine Software, die es ermöglicht, Musik aus Apples iTunes Store von ihrem Kopierschutz zu befreien.

Für besonderen Unmut unter den Anhängern des Projekts sorgt aber, dass sich Thomason für die Finanzierung eine außergewöhnliche Lösung hat einfallen lassen. Interessierte können sich bei Falling Leaf für ein sogenanntes "Sapling Program" registrieren lassen.

Gegen eine einmalige Zahlung in Höhe von 50 US-Dollar sollen sie Zugriff auf sämtliche aktuellen und zukünftigen Entwicklerversionen der Alky-Konverter bekommen. Aktuell beschränkt sich dies allerdings auf jenen Konverter, der die "Prey"-Demo für Mac OS X und Linux übersetzt. Nach Abschluss der Entwicklungsarbeiten, so Thomason, wolle man pro Konverter 10 bis 20 US-Dollar kassieren.

Mit dem bisherigen Fortgang der Arbeiten sind allerdings nicht alle zahlenden Unterstützer zufrieden. So beschwerte sich ein Mitglied des Sapling Program im Forum des Projekts darüber, dass er zwar bereits im Dezember gezahlt, aber seitdem nichts Verwertbares zu sehen bekommen habe. Brian Thomason gemahnte den Unruhestifter, doch bitte etwas mehr Geduld zu haben und keinen Druck auf die Entwickler auszuüben: "Glaub mir, wir brauchen keine Motivation, nur Zeit."