Greencard hin oder her: Der Fachkräftemängel wächst weiter - DER SPIEGEL
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Greencard hin oder her Der Fachkräftemängel wächst weiter

Anfang des Jahres brachte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (BITKOM) die später von Gerhard Schröder adoptierte "Green-Card-Initiative" ins Rollen. Eine Verbesserung der Situation ist trotzdem nicht in Sicht.
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Der Fachkräftemangel in der Informations- und Kommunikationstechnologie wird sich in den kommenden Jahren dramatisch verschärfen. Nach einer am Donnerstag in München vorgestellten Studie des BITKOM wird sich in Westeuropa die Zahl der unbesetzten Stellen bis 2003 auf rund 3,8 Millionen verdoppeln. Der Vorsitzende der BITKOM-Geschäftsführung, Bernhard Rohleder, forderte daher, die Green Card zeitlich nicht mehr zu begrenzen. Nötig sei zudem eine "aktive Einwanderungspolitik".

Andernfalls könnten die deutschen Unternehmen nicht mehr mit dem weiterhin überdurchschnittlichen Wachstum innerhalb der Informationstechnologie mithalten, sagte Rohleder. Nach einer Studie der European Information Technology Observatory (EITO) wird in diesem Jahr der Markt für Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) in der Europäischen Union, der Schweiz und Norwegen erstmals den Umsatz von mehr als einer Billion Mark überschreiten. Durch den Fachkräftemangel könnte laut Rohleder aber der gesamten europäischen Wirtschaft ein zusätzlicher Wachstumseffekt von bis zu drei Prozent entgehen.

Weltweit werden nach der Studie im Jahr 2000 3,4 Billionen Mark mit Informationstechnik, Telekommunikation, Hardware, Software und Services umgesetzt. Im nächsten Jahr solle der Umsatz um weitere 9,1 Prozent auf 3,7 Billionen Mark gesteigert werden. Mit einem Anteil von 35 Prozent nehmen die USA weiterhin die führende Rolle ein. Der Anteil Europas einschließlich Osteuropa sei in diesem Jahr um einen Prozentpunkt auf 31 Prozent gestiegen.

In Deutschland erreicht der ITK-Markt den Angaben zufolge ein Volumen von 238 Milliarden Mark. 2001 sollen sich die Umsätze laut EITO auf 262 Milliarden Mark erhöhen, im Jahr 2003 sogar die 300-Milliarden-Mark-Grenze überschreiten. Im europäischen Handy-Markt nehme Deutschland mittlerweile die führende Position ein. Am Jahresende solle sich die Zahl der Mobilfunkteilnehmer gegenüber dem Vorjahr auf 48 Millionen verdoppelt haben. Im kommenden Jahr werden laut Studie Handys für insgesamt 14 Milliarden Mark in Deutschland verkauft werden.

Die Zahl der Jobs für IT- und E-Business-Spezialisten in Westeuropa wird sich laut EITO-Studie von derzeit 14,5 Millionen auf rund 22 Millionen im Jahr 2003 erhöhen. Augenblicklich könnten 13 Prozent dieser Stellen nicht besetzt werden. Bis 2003 könnte sich dieser Anteil auf 18 Prozent erhöhen, erklärte Rohleder. Der BITKOM-Geschäftsführer sprach von "alarmierenden" Zahlen, die das gesamte Wirtschaftswachstum bedrohten. "Tief greifende Änderungen in unserem Ausbildungssystem" seien ebenso notwendig wie wesentlich kürzere Studienzeiten, sagte Rohleder. Außerdem müssten mehr Frauen für die Informationstechnologie gewonnen werden.