Große Töne: Bill Gates, Spam-Vernichter - DER SPIEGEL
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Große Töne Bill Gates, Spam-Vernichter

Deutlich mehr als die Hälfte aller versandten E-Mails sind heute Werbemüll, Junk-Mail, kurz "Spam". Das kostet Zeit, Geld und Nerven, doch Web-Welt, was regst Du Dich auf? Wozu gibt es Microsoft? Schon in zwei Jahren, sagt Bill Gates, wird niemand mehr über Spam reden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn man ihm glauben will, ist das rapide wachsende Problem der Werbemüll-Lawine schon in zwei Jahren Vergangenheit. Gewohnt selbstbewusst äußerte sich am Wochenende Microsoft-Gründer Bill Gates beim World Economic Forum in Davos zu den größten Herausforderungen, denen sich sein Konzern in den nächsten Jahren zu stellen habe.

Wichtigstes Thema seiner Rede: Spam, Junk-Mail, Werbemüll.

Der gilt mittlerweile als größte Geißel des Internet: Zwar kommen Marktbeobachter zu unterschiedlichen Zahlen, doch darüber, dass Spam längst deutlich mehr als 50 Prozent des gesamten E-Mail-Aufkommens ausmacht, herrscht Einigkeit.

Das weiß auch Gates und verspricht durchgreifende Lösungen. Die sieht er in einem dreifachen Ansatz.

Die Frage, woher denn das Gros der E-Mails käme, beantwortete er folgendermaßen: "Aus Ihrem E-Mail-Adressbuch. Das Problem sind also Fremde!"

Ein Ansatz für Mail-Filter, die darüber hinaus auch auf bestimmte Reizwörter achten ("Verlängerung") und zudem auf per Internet aktuell gehaltene Adress-Verzeichnisse von Spam-Versendern zugreifen können. Das alles wird heute praktiziert und bringe Erfolge, sagte Gates, stelle aber mittelfristig keine Lösung des Problems dar.

Da hat er recht, denn Spam-Versender werden immer cleverer: Mit falsch gesetzten Satzzeichen oder subtilen "Tippfehlern" innerhalb von Worten "zerschießen" sie die Kriterienlisten der Filtersoftwar. Mit zufällig generierten Betreffzeilen blähen sie die Kriterienlisten so weit auf, bis auch immer mehr gewünschte Post im elektronischen Orkus verschwindet. Der Filter wird nutzlos.

Der Ansatz: Spam-Versand verteuern

Microsoft setzt darum auf neue Lösungen: Denkbar sei beispielsweise, dass man die Annahme einer E-Mail an Bedingungen knüpfe. So könnte vor dem Empfang einer E-Mail der versendende Rechner gezwungen werden, eine kleine Rechenaufgabe zu erledigen. Das sei für keinen Rechner ein Problem - außer, er versende gerade ein paar Millionen E-Mails.

Den Königsweg sieht Gates aber in einer klassischen Lösung: in "Briefmarken".

Die sieht er durchaus nicht als generelle Bedingung, sondern als eine Art "Strafzoll" für Spam-Mail: Immer dann, wenn eine Mail als Spam erkannt werde, würde der Versender zur kasse gebeten, wenn er die Auslieferung wirklich wünsche. "Legitime E-Mail" hingegen solle kostenfrei bleiben. Gates Rezept für die Zukunft sei eine Kombination dieser drei Ansätze. Gates: "Spam wird bald schon Vergangenheit sein".

Aufholjagden

Auch in anderer Hinsicht wagte Gates den Blick in die Zukunft. Google lobte er als innovatives, intelligentes Unternehmen, dessen Suchtechnologie spezialisierte Anfragen deutlich besser löse als Microsoft-Suchtechnik. Auch das aber sei bald vorbei, gab er sich siegessicher: "Wir werden sie einholen!"

Zum Thema Xbox fand er ungewohnt bescheidene Worte. Microsoft sei "ein starker Zweiter gegenüber dem Dritten im Markt", aber "ein schwacher Zweiter gegenüber dem Marktführer".

Der heißt nach wie vor Sony, respektive PS2. Deren Nachfolgemodell wird 2006 erwartet, und ähnlich plant auch Gates: In zwei bis drei Jahren sei mit einem Xbox-Nachfolger zu rechnen, oder das werde ein phantastisches Stück Technik. Dass es eine Xbox II geben werde, stehe außer Frage: Mit der ersten habe Microsoft einen Achtungserfolg hingelegt, der groß genug ausgefallen sei, eine zweite Runde zu rechtfertigen. Gates: "Die Spielesoftware-Entwickler nehmen uns nun ernst. Wir haben Glaubwürdigkeit errungen und gezeigt, dass wir es ernst meinen mit diesem Geschäft."

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