Günstigere MMS "Transparent" und "einheitlich" für 39 Cent
Bis zu zwei Euro mussten Handy-Besitzer noch bis Ende Juli zahlen, wenn sie eine Multimedia Message (MMS) versenden wollten. Zum 1. August haben die beiden Platzhirsche unter den deutschen Mobilfunkanbietern ihre Tarife deutlich nach unten geschraubt: 39 Cent kostet die MMS bei T-Mobile, egal in welches Netz, egal in welcher Datengröße. Das gleich gilt bei Vodafone. Bis zu 1,99 Euro kostete eine MMS hier im teuersten Fall. Bei der Telekom-Tochter waren vor kurzem noch bis zu 1,49 Cent zu zahlen.
Dass die hohen Preise die Nutzer bisher abgeschreckt haben, wie es in der Markteinschätzung der Mummert Consulting heißt, sagt bei den Anbietern natürlich niemand. Die Berater hingegen schreiben, dass statt erwarteter großer Umsätze der Dienst unter "ferner liefen" bei den Kunden rangiere.
Mehr als elf Milliarden SMS seien von den rund 26 Millionen T-Mobile-Kunden 2003 verschickt worden, aber nur 10,8 Millionen MMS. "Eine deutliche Senkung der Tarife ist notwenig, wenn sich ein ähnlicher Erfolg wie bei der SMS wiederholen soll", heißt es bei Mummert.
Die Netzbetreiber nennen einen anderen Grund für den Preisnachlass: "Wir wollen den Versand für die Kunden transparenter und einfacher machen", erklärt Marion Kessing, Sprecherin von T-Mobile, auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Anderes ist auch bei Vodafone nicht zu hören: "Einheitlicher" soll es laut Sprecherin Ute Schack zugehen. Die Entwicklung des neuen Datendienstes sei seit seiner Einführung im April 2002 "sukzessiv" verlaufen", so die Pressesprecherin. "MMS kommt", sagt sie. Bei T-Mobile steige die Entwicklung "enorm" an, erklärt Kessing. Es seien bisher nur "positive Erfahrungen" mit MMS gemacht worden.
"Transparenter" klingt besser als "billiger"
Bis zu 1,29 Euro muss künftig auch bei o2 kein Kunde mehr zahlen. Vom 1. August bis Jahresende kostet der Service ebenfalls einheitliche 39 Cent.
Die Preise noch nicht umgestellt hat E-Plus. 39 Cent bis 1,29 Euro kostet der Versand bei dem Anbieter mit dem grünen Kreuz zurzeit. Aber: "MMS-Preise sind ein Thema für uns", ist von Sprecher Jörg Carsten Müller zu erfahren. Transparenz und einfache Handhabung nennt er - wie auch die Konkurrenz - als Gründe. "Egal wie groß, egal wohin", lautet die Überlegung. Auch Müller beschreibt die Zunahme von MMS als "kontinuierlich". Es dauere eben, bis der Markt MMS-fähige Handys habe und ein neuer Service sich durchsetzt.
Für Mummert-Sprecher Jörg Forthmann sind die Preisumstellungen, "die richtige Erkenntnis der Anbieter". Die Preissenkungen seien als Reaktion auf die bislang eher geringfügige Nutzung interpretierbar. Für ihn ein Zeichen, dass die Anbieter die Lage sehen, wie sie in der Markt-Untersuchung beschrieben wird.
Die Berater errechneten in dieser einen Durchschnittspreis von 81 Cent pro MMS: Spitze in Europa. Dabei könne MMS laut Markteinschätzung "ein Bindeglied zwischen der aktuellen Mobilfunkgeneration und UMTS werden". Der Verbraucher könne langsam an die multimedialen Fähigkeiten des neuen Mobilfunkstandards herangeführt werden. Mit Blick auf dessen Einführung sollten die Mobilfunknetz-Betreiber daher die Marktsituation der MMS durch Preisnachlässe stärken, heißt es weiter.
Obwohl die Preisumstellung nun schon vollzogen wurde, hält Forthmann dennoch an den Ergebnissen fest: Um wirklich massentauglich zu sein, seien auch 39 Cent je MMS noch zu viel.
Oliver Bilger