Hack-Attacken Supercomputer im Visier
Zeitweilig blieb nichts anderes mehr übrig, als ganze Teile des Rechnerverbundes aus dem Internet zu nehmen. Eine "Unannehmlichkeit für unsere Nutzer" nannte das Frank Dwyer vom Supercomputing Center von San Diego, obwohl gerade sein Institut nicht offline gehen musste. Das Understatement beschreibt einen Teil der feststellbaren Schadensbilanz: Verlorene Erreichbarkeit, verlorene Rechenzeit, eventuell verlorene Erkenntnis. "Echte Schäden" in Form zerstörter oder manipulierter Daten hätte es aber nirgendwo gegeben.
Was also gab es, was war geschehen? Irgendwann im März hatten es unbekannte Hacker geschafft, mit Hilfe ganz normaler, frei im Internet verfügbarer Passwort-Knackprogramme Zugang zum Supercomputer-Rechnerverbund TeraGrid in den USA zu erhalten. Aufgefallen war das erst Anfang letzter Woche, und je tiefer die IT-Experten nach Datenspuren der Eindringlinge gruben, desto mehr fanden sie: Zunächst hatte es geheißen, der Angriff habe in der ersten Aprilwoche begonnen. Inzwischen will man sich nicht mehr festlegen, wann im März sie begonnen haben könnte.
Völlig unbemerkt hatten sich also Unbekannte in einem Rechnerverbund herumgetrieben, der normalerweise astronomische, meteorologische, medizinische und andere wissenschaftliche Daten wälzt. Was sie dort wollten, können die Betreiber des Rechnerverbundes nur vermuten: Entweder, sie brachen um der lieben "Ehre" willen in den Rechnerverbund ein - oder sie hatten es auf die enorme Rechenleistung der angeschlossenen Computer abgesehen.
Eine rein "sportliche" Attacke?
Denn die ließe sich auch nutzen, um über das Internet machtvolle Datenangriffe zu führen, Spams zu verschicken oder mittels DDoS-Attacken eine Webseite aus dem Internet zu fegen. Falls so etwas das Ziel gewesen sein sollte, hat es zumindest noch nicht stattgefunden: Catherine Foster vom TeraGrid-Koordinator Argonne National Laboratory ist jedenfalls überzeugt, dass es den Hackern dieses Mal vor allem ums Prestige gegangen sei.
Bei TeraGrid geht es nun um mehr als ums Prestige, denn Wiederholen darf sich ein offenbar so leicht auszuführender Einbruch nicht. Die angeschlossenen Institute von der Stanford University über das San Diego Supercomputer Center bis hin zum National Center for Supercomputing Applications stricken emsig an einer Verbesserung ihrer Sicherheitsmaßnahmen. Nötig ist das, gibt auch Frank Dwyer zu, denn insbesondere Forschungsnetzwerke gehören aus einer Vielzahl von Gründen zu den Lieblingszielen von Hackern: Sie bieten enorme Rechenleistung, verfügen über extrem schnelle und breitbandige Internet-Verbindungen und sind "weit offener als kommerzielle Netzwerke".