Hackerangriffe: Exil-Tibeter wollen sich besser gegen Datenspionage schützen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hackerangriffe Exil-Tibeter wollen sich besser gegen Datenspionage schützen

Je sensibler die Informationen sind, die man untereinander austauscht, desto wichtiger ist ein guter Schutz für den Rechner. So wollen die Exil-Tibeter nach dem Angriff eines Hacker-Netzwerks ihre Technik aufrüsten. Deutsche Behörden hüllen sich derweil über mögliche Schäden in Schweigen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nach den Hacker-Angriffen auf Computer des Dalai Lama wollen sich die Exil-Tibeter künftig besser vor Datenspionage schützen. Man versuche jetzt, das System sicherer zu machen, sagte der Sprecher der tibetischen Exil-Regierung, Thubten Samphel, der Nachrichtenagentur AFP, "allerdings stehen uns nur begrenzte Mittel zur Verfügung".

Am Wochenende war bekannt geworden, dass ein Spionage-Netzwerk zwei Jahre lang die Rechner von Behörden und Privatleuten weltweit ausgespäht hat, darunter auch Computer des Dalai Lama in Indien, Brüssel, London und New York. Insgesamt sollen rund 1300 Rechner in 113 Ländern betroffen sein, bis zu einem Drittel davon seien ranghohe Ziele wie Außenministerien, Botschaften oder Nicht-Regierungs-Organisationen, so die Experten.

Die Untersuchung des Munk-Zentrums für Internationale Studien an der Universität von Toronto hatten besorgte Mitglieder der Tibetischen Exil-Regierung in Auftrag gegeben. Die Experten suchten daraufhin gezielt nach Schadsoftware auf den potenziell gefährdeten Rechnern, stellten dabei fest, dass die Computer vielfach infiziert waren, so dass Hacker sich Zugang zu vertraulichen Informationen verschaffen konnten. Ein Sprecher der chinesischen Botschaft in London tat den Bericht aus Kanada indes als Teil einer Propaganda-Kampagne ab.

Zwar haben die Fachleute das als GhostNet (Geisternetz) bezeichnete Netzwerk der Angreifer in China lokalisiert. Dass die Regierung in Peking hinter den Hacker-Angriffen steckt, sei jedoch aus den vorhandenen Informationen nicht abzuleiten. Roger Faligot hingegen, ein französischer Schriftsteller und Experte für den chinesischen Geheimdienst, sagte gegenüber AFP, die technischen Details belegten eine Beteiligung des chinesischen Staates.

Auf der Liste der infizierten Rechner steht unter anderem die deutsche Botschaft in Australien. Die hiesigen Behörden haben bislang keine Abschätzung abgeben, in welchem Umfang Deutschland oder deutsche Vertretungen im Ausland von den GhostNet-Aktivitäten betroffen sein könnten. Eine Sprecherin vom Budesamt für Verfassungsschutz (BfV) erklärte auf Anfrage der dpa lediglich, der Fall bestätige bisherige Vermutungen. Konkrete Angaben wollte sie jedoch nicht machen, solange die Untersuchung aus Toronto nicht im Detail bekannt ist. Das für die Frage zuständige Auswärtige Amt hat sich bislang nicht zu der Studie geäußert.

Nach einer Publikation des Verfassungsschutzes von Ende 2008 zum Thema Spionage ist Deutschland unter anderem wegen seiner Rolle in der EU und der NATO ein bedeutendes Aufklärungsziel für die Nachrichtendienste einiger Staaten. "Hauptträger der Spionageaktivitäten" seien die Russische Förderation, so der Bericht - und eben auch die Volksrepublik China.

Altmodische Hacker

Für ihre Spionage-Angriffe scheinen die noch unbekannten Hacker keine besonders ausgeklügelte Methoden genutzt zu haben. "Das ist Technik auf dem Stand von vor zehn Jahren", sagte der IT-Sicherheits-Experte Christoph Fischer der dpa. Die Spione seien vermutlich durch eine Schwachstelle des Dokumentenformats PDF in die fremden Rechner eingedrungen.

Sie hätten Trojaner über infizierte E-Mails eingeschleust und sich damit Zugang zu den Rechnern verschafft. Das effektivste Werkzeug sei "die Kunst des Social Engineering", so Fischer. Damit werden Manipulationen von Personen bezeichnet, um sie gezielt zu bestimmten Handlungen oder zum Beispiel zur Herausgabe von Informationen zu bewegen. Dadurch, dass die Angreifer bestimmte Reiz-Begriffe in der Betreffzeile verwendet hätten, seien die E-Mail-Anhänge unwillkürlich angeklickt worden. "Der Trick ist, mit den Betreffzeilen kein Misstrauen zu erzeugen."

can/AFP/dpa

Mehr lesen über

Verwandte Artikel