Handliches fürs Handy: Die Echtzeit-Vorzimmerdame - DER SPIEGEL
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Handliches fürs Handy Die Echtzeit-Vorzimmerdame

Die totale Erreichbarkeit hat ihre Schattenseiten. Wichtige von völlig überflüssigen Anrufen zu scheiden soll künftig die virtuelle "Vorzimmerdame" erledigen - eine Art Call-Center für die Westentasche.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Annehmen oder auf die Mailbox leiten - eine andere Wahl hatten Mobil-Telefonierer bisher nicht, wenn die kleine Kiste bimmelte. Abheben kann nervig sein, wenn die Schwiegermutter nur mal hören wollte, wie es denn geht. Wegdrücken kann unangenehm werden, wenn der Chef in dringenden Geschäften angerufen hat.

Die Softwarefirma Solomio hat auf der Cebit ihren Service vorgestellt, mit dem das Handy eine elektronische Vorzimmerdame bekommt. Noch bevor der Angerufene abhebt, kann er mit der so genannten "Smart Call Option" fragen, ob es dringend ist. Der Anrufer hört diese Nachricht, ohne dass die beiden miteinander gesprochen haben. Nun kann er über seine Tastatur antworten und der Angerufene wiederum wählt in seinem Menü aus. "Bitte Warten" zum Beispiel und er kann den Raum verlassen.

Der Anrufer weiß, warum am anderen Ende nicht abgehoben wird, weil der Angerufene direkt mit ihm in Kontakt steht. Ohne viel Getippe soll der Service einfach zu bedienen sein. Dabei soll er auch noch schlau sein: Wenn die Schwiegermutter ohnehin immer zur Mailbox umgeleitet wird, wandert der entsprechende Menüpunkt auf dem Display nach oben.

Das System soll in allen Mobilfunknetzen funktionieren und bereits ausgereift sein. Solomio verhandelt zurzeit mit den Mobilfunkbetreibern, die die Vorzimmerdame bald ihren Kunden anbieten könnten. Ob und wieviel der Service den Telefonkunden extra kostet, entscheiden die Betreiber, die den Solomio-Dienst unter ihrem Namen anbieten.

Urs Zietan