Handy-Tarife Mit Discountern Hunderte Euros sparen
Für vier Cent pro Minute ganztags mit dem Handy telefonieren das war vor wenigen Monaten noch Utopie. Zwar profitieren von dem Preis nur die Kunden bestimmter Discounter, die Gespräche unter ihresgleichen führen. Aber selbst die 14 bis 16 Cent, mit denen Simyo, Aldi & Co. mobile Telefonate rund um die Uhr in alle Netze offerieren, sind sensationell. Andererseits winken die Shopmitarbeiter der Netzbetreiber mit attraktiven Handys, die man bei Buchung eines Minutenpakets für einen Appel und ein Ei mit nach Hause nehmen darf.
Stellt sich die Frage: Spart man beim Discounter wirklich so viel, dass man die Handy-Subvention wieder reinholt? Und wie siehts bei den Billigheimern mit dem Service aus? Und was ist mit den ganzen Extras, die das Handy vom Telefon zur Multimedia-Zentrale adeln gibts WAP und Handy-TV bei Aldi & Co. ebenfalls zum Sparpreis? Die Antwort auf all diese Fragen und noch mehr lesen Sie im folgenden Text.
Discount-Tarife
Dank den Discountern ist endlich möglich, was Handy-Kunden seit Jahren von den etablierten Anbietern fordern: billig mobil zu telefonieren. So plaudert man bei Simyo, Blau.de oder Debitel-light ganztags für 16, bei Aldi für 15, bei Easy Mobile, Simply und Klarmobil gar für 14 Cent die Minute und zwar deutschlandweit in alle Netze. Die vier Letztgenannten setzen sogar noch einen drauf: Untereinander zahlen Aldi-Kunden fünf Cent, Easy-Mobile-, Simply- und Klarmobil-Nutzer nur vier Cent pro Minute.
Auch beim SMS-Versand locken die Discounter mit Tiefstpreisen: Bei Simyo, Simply oder Debitel-light kostet eine Message nur 11 statt der sonst üblichen 19 Cent. Zudem sind Sie bei den meisten Billig-Anbietern nicht per Vertrag gebunden, sondern telefonieren mit aufladbaren Prepaid-Karten ohne monatliche Grundgebühr und ohne Mindestumsatz. Bei den Handys hört der Spaß dann aber auf: Ein subventioniertes Telefon gibts in aller Regel nicht dazu. Lohnt sich der Wechsel zum Discounter trotzdem?
Wenn man die reinen Telefonie-Kosten vergleicht, allemal: So sparen Kunden, die 100 Minuten pro Monat mit dem billigsten Discounter plappern, auf zwei Jahre gerechnet im Vergleich zum günstigsten 100-Minuten-Paket der Netzbetreiber (O2 Active 100) satte 300 Euro. Zu besagtem O2-Pack gibts zwar ein verbilligtes Handy dazu, doch für die 300 Euro Preisersparnis kann der Discount-Kunde auch auf eigene Faust einkaufen. Und muss sich beileibe nicht mit ollen Kamellen zufrieden geben: So gibts derzeit etwa das Walkman-Handy Sony Ericsson W800i beim Online-Shop MobileBomber für rund 320 Euro.
Preisersparnis: Bis zu 4619 Euro
Bei Vieltelefonierern fällt der Preisvorteil noch gravierender aus: Über zwei Jahre sparen Easy-Mobile-Kunden bei einem monatlichen Plaudervolumen von 200 Minuten satte 540 Euro, bei 500 Minuten pro Monat 689 Euro und bei 1000 Minuten sage und schreibe 4619 Euro jeweils im Vergleich zum günstigsten Standard-Minutenpaket der Netzbetreiber. Da ist zum Handy noch locker ein Trip auf die Seychellen drin.
Die Billig-Tarife lohnen sich also auch für Vieltelefonierer. Und damit diese begehrte Zielgruppe die Offerten auch nutzt, bieten fast alle Discounter die automatische Aufladung der Karte an denn die Vorstellung, mangels Guthaben plötzlich nicht mehr telefonieren zu können, ist für viele eine Horrorvision.
Pfiffig ist die Lösung von Klarmobil: Der Kunde schließt zwar einen Vertrag ab, kann also bequem per Bankeinzug zahlen, er bindet sich aber an keinerlei Laufzeiten.
Teure Handys vom Discounter
Ganz aus der Agenda gestrichen haben auch die Discounter das Thema Handy nicht: Die Drillisch-Marke Simply bietet neben ihrem Tarif Mobiltelefone zum Kauf an, wobei der Kunde wählen kann, ob er dieses in sechs, zwölf, 18 oder 24 Monaten abstottern will. Unter dem Aspekt der Ratenzahlung mag sich dieses Modell lohnen: Das Multimedia-Phone Siemens SL75 etwa kostet mit einem Zwei-Jahres-Abo 11,21 Euro pro Monat, macht summa summarum rund 270 Euro. Ein Schnäppchen ist das aber beileibe nicht: Im Online-Shop Handy-Mania gibts den Slider derzeit für 253 Euro inklusive Versandkosten und exklusive Vertrag.
Noch weniger lohnt die Offerte des Mobilcom-Ablegers Klarmobil: Der bietet neben den Handys im eigenen Shop in Kooperation mit Eteleon.de Handys für 1,95 bis 14,95 Euro pro Monat bei zweijähriger Laufzeit zur Miete. Die Kult-Flunder Motorola RAZR V3 etwa kommt so auf rund 360 Euro, ohne dass man sie nach zwei Jahren sein Eigen nennen darf. Im Web bekommt man den Flachmann für unter 190 Euro! Dass sich der Kunde nach einem Jahr ein neues Miet-Handy aussuchen darf, ist da ein schwacher Trost.
Weiter in Teil 2: Kostenfallen bei Discountern
Bei allem Jubel über die günstigen Gesprächstarife darf man nicht die Nachteile der Billigheimer vergessen: Wer denkt, dass er mit den Sparkarten überall profitiert, irrt. Im Ausland sind die Discounter richtige Groschengräber: So zahlen Sie je nach Anbieter und Land für einen Anruf nach Hause schon innerhalb Europas bis zu 2,30 Euro pro Minute. Und wer im europäischen Ausland angerufen wird, muss bis zu 2,09 Euro pro Minute blechen da sind die Netzbetreiber günstiger.
Kostenfallen bei Discountern
Auch beim Thema WAP siehts düster aus: Wer pro Tag nur eine Seite mit 20 KB lädt, ist am Ende des Monats 17,70 Euro los; bei O2 und Vodafone gibts für fünf Euro Aufpreis im Monat eine WAP-Flatrate. Und von UMTS-Diensten wie Videotelefonie und Mobile-TV können Discount-Kunden nur träumen die Billig-Karten sind für den Datenturbo nicht freigeschaltet.
Auch in puncto Service sind die Discounter klar im Hintertreffen: Während Netzbetreiber-Kunden ihre Hotline via Handy gratis erreichen, zahlt der ratsuchende Simply-Kunde bis zu 1,79 Euro pro Minute.
Mundfaule haben ebenfalls schlechte Karten: Das Guthaben gilt bei den meisten Prepaid-Karten nur sechs Monate. Ausnahme Easy Mobile: Hier verfällt nichts. Weiterer Vorteil: Will der Kunde die Easy-Mobile-Karte nicht mehr nutzen, kann er Restguthaben erstatten lassen zwar gegen sechs Euro Gebühr, aber immerhin.
Rufnummer mitnehmen? Das ist bei den meisten Discountern nicht möglich vor allem, wenn diese mit E-Plus kooperieren (Aldi, Simyo, Blau.de oder Debitel-light). Zu Klarmobil, Easy Mobile und Simply, die im T-Mobile-Netz funken, können die Kunden dagegen mit ihrer alten Handy-Nummer wechseln.
Minutenpakete
Wer heute bei Vertragsabschluss ein günstiges Handy will, muss meist ein Minutenpaket buchen. Vorteil: Der Kunde zahlt zwar einen monatlichen Fixpreis, bekommt im Gegenzug aber Inklusiv-Minuten, die er nach Lust und Laune abtelefonieren kann die Unterscheidung in teure Haupt- und günstige Nebenzeit ist passé. Wichtig zu wissen: Bei E-Plus und O2 gelten die Inklusivminuten auch für Anrufe in andere Mobilnetze. Bei T-Mobile muss man dafür in den 50er- und 100er-, bei Vodafone in allen Paketen fünf Euro im Monat extra zahlen.
An der Lizenz zum Fremdgehen sollten D-Netz-Kunden aber nicht sparen: Wer beim 100er-Paket die Hälfte seiner Anrufe in Konkurrenznetze führt, zahlt ohne Fremdnetz-Option statt fünf Euro 25 Euro mehr pro Monat. Erfreulich dagegen: Die Abfrage der Mobilbox ist bei den D-Netz-Mogulen in allen Minutenpaketen gratis. Das bietet nicht mal jeder Discounter: Bei Easy Mobile und Simply zahlt man dafür den normalen Minutenpreis.
Kein Fall für SMS-Fanatiker
Beim Versand von SMS langen die Netzbetreiber aber richtig zu Vodafone kassiert sogar 20 Cent pro Message. Für Vieltipper lohnen sich SMS-Pakete, die man zusätzlich buchen kann: So kostet das kleinste SMS-Pack mit 40 Inklusiv-SMS bei den D-Netzbetreibern und O2 rund fünf Euro extra im Monat, macht rechnerisch gut 12 Cent pro Message. Da sind die meisten Discounter auch nicht viel günstiger.
Anders siehts bei den Teilzeit-Flats aus, die die Netzbetreiber Weekend- und Feierabend-Plauderern für mindestens fünf Euro extra im Monat offerieren: Die Angebote gelten ausschließlich für Gespräche ins Festnetz und netzintern und lohnen sich hauptsächlich für Handy-Nutzer mit kleinen Minutenpaketen.
Wer auf ein Handy verzichtet, bekommt die Minutenpakete bei den Netzbetreibern und einigen Providern günstiger. Dennoch: Unterm Strich sind die SIM-only-Angebote der etablierten Anbieter deutlich teuerer als die Discounter. Dafür profitieren die Paket-Nutzer von günstigeren Auslandstarifen und preiswerteren Datentarifen; E-Plus und T-Mobile bieten für Vielnutzer sogar Daten-Flatrates an.
Was innovative UMTS-Dienste wie Handy-TV, Musik- oder Video-Services angeht, sind die Netzbetreiber sowieso die erste Adresse. Nicht zu vergessen: Service bieten Netzbetreiber und Provider wie Debitel, Mobilcom oder Phonehouse nicht nur via Web, sondern auch in zahlreichen Shops vor Ort. Alles in allem gilt: Wer auf Datendienste und Extras Wert legt, ist bei den Netzbetreibern richtig. Für Wenig-Telefonierer lohnen sich Minutenpakete aber nicht sie sind mit den Discountern weit günstiger dran.
Wer einen Vertrag mit zu üppig dimensioniertem Minutenpaket unterschreibt, ist ebenfalls der Dumme: Denn mit Ausnahme von E-Plus verfallen bei allen Anbietern die nicht genutzten Inklusiv-Minuten. Zu klein sollte das Paket andererseits auch nicht sein, denn Zusatzminuten sind mit bis zu 60 Cent pro Minute horrend teuer. Vorsicht: Die Provider Talkline und Mobilcom locken mit günstigen 200-Minuten-Paketen (9,9-Cent-Tarife), doch die lohnen sich nur, wenn man auch wirklich 200 Minuten pro Monat telefoniert.
Vertragstarife
Dieses Modell hat sich überholt: Wer einen Vertragstarif mit hoher Grundgebühr wählt, zahlt in der Regel drauf. Der Grund: Die Minutenpreise sind mit bis zu 79 Cent gesalzen. So zahlen Telly-Smile- und Vodafone-Sun-Kunden über 70 Prozent mehr als beim Discounter. Da tröstet einen auch die Handy-Dreingabe nicht mehr. Hier lohnen sich eher Angebote, bei denen man den monatlichen Fixpreis komplett abtelefonieren kann. Achten Sie aber darauf, dass der Mindestumsatz für Gespräche in alle Netze gilt.
Flatrate (Base)
E-Plus ist einmal mehr Innovationstreiber und hat mit Base die erste Flatrate-Marke etabliert. Der Kunde kann für 25 Euro pro Monat unbegrenzt ins Festnetz und ins E-Plus-Netz anrufen. Inklusive ist auch der Versand von netzinternen SMS. Für Anrufe und Nachrichten in Fremdnetze muss der User aber extra zahlen: Gespräche kosten ganztags 25 Cent pro Minute, SMS 19 Cent. Trotzdem: Für Vieltelefonierer ist Base die beste Wahl. Damit nicht genug: Auch für Datennutzer hat Base eine Flatrate in petto so kann der Kunde für 50 Euro pro Monat ins Festnetz und netzintern anrufen und bundesweit unbegrenzt surfen da spart sich mancher den Festnetz-Anschluss.