Handys "Und wie stark strahlt das Ding?"
Stuttgart - Es ist ein Streit unter Fachleuten, und seine Zwischenergebnisse sind wenig erhellend: Kaum weist jemand in Studien nach, wie schädlich das Telefonieren mit Handys ist, tritt ein Konkurrent prompt den Gegenbeweis an. Die Öffentlichkeit interessiert das brennend: Seit Jahren schon kursieren Thesen, häufige Handy-Nutzung könne das Gehirn schädigen, Zellen abtöten, gar Tumoren verursachen. Der Beweis steht aus.
Trotzdem empfehlen immer mehr Regierungen, zumindest den Handy-Gebrauch durch Heranwachsende einzuschränken. Vorsicht ist schließlich die Mutter der Porzellankiste, und genau das mögen sich auch die führenden Handy-Hersteller gesagt haben. Die gehen natürlich nicht davon aus, dass man ihnen irgendwann beweisen könne, dass ihre Produkte tatsächlich schädlich sind. Doch die stete öffentliche Kritik, Spekulationen und Diskussionen um mögliche Nebeneffekte schaden dem Image - und möglicherweise auch den Verkaufszahlen.
Jetzt setzt die Industrie mit Transparenz dagegen: Wie in den USA seit langem üblich, wird es auch in Deutschland künftig eine Kennzeichnung von Handys geben, aus der die tatsächliche Strahlenbelastung zu ersehen ist. Damit reagieren die Firmen nicht zuletzt auf den Druck der Kunden, die genau diese Information "Wie stark strahlt das Ding?" immer häufiger nachfragen.
Ab dem Sommer will die Branche die zum Teil stark unterschiedlichen Strahlungswerte der einzelnen Mobiltelefone in der Bedienungsanleitung angeben und einordnen, sagte ein Siemens-Sprecher den "Stuttgarter Nachrichten". Darauf hätten sich fast alle Handy-Hersteller verständigt, unter anderen Nokia, Motorola, Siemens und Ericsson.
Für die Kunden ergibt sich daraus eine neue Vergleichsmöglichkeit vor dem Kauf, die die Hersteller unter Druck setzen wird, Geräte zu entwickeln, die ein Optimum an Leistung bei einer zugleich möglichst niedrigen Belastung bieten können.
Bewiesen oder nicht: Selbst wenn Handystrahlung nicht Krebs erregend ist, schlecht kann ein solcher Trend kaum sein. Abzuwarten ist, ob hinter der freiwilligen Entscheidung der Hersteller wirklich nur das Bedürfnis nach notwendiger Image-Politur steckt. Im Sommer wird die Veröffentlichung einiger neuer Studien zum Thema Krebs durch Handys erwartet.