Hardwareübersicht: Datenwege in den Mobilfunk - DER SPIEGEL
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Hardwareübersicht Datenwege in den Mobilfunk

Um in den Genuss mobiler Funknetze zu kommen, muss man sich zunächst die notwendige Hardware besorgen. Smartphone, PDA, Webpad oder doch gleich den Laptop? Rüsten Sie Ihr Lieblingswerkzeug für den Datenfunk auf.
Von Mario Gongolsky
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Der Laptop ist zwar vergleichsweise schwer und unhandlich, bietet aber volle PC-Funktionalität. Nicht nur, dass sich Dateien mit der bekannten PC-Software bestens bearbeiten lassen, der Laptop hat natürlich alleine durch seine Bildschirmauflösung erhebliche Handlingvorteile bei der Informationsbeschaffung aus dem Internet. Viele jedenfalls wollen ihr Laptop nicht gegen einen PDA eintauschen. Wer sein Büro mobil machen will, der kann mit einer PCMCIA-Card in die drahtlose Datenvielfalt einsteigen. Aber welche Übertragungsstandards soll das neue Funkmodem eigentlich unterstützen?

Reine GPRS-Karten setzen eine hohe Netzabdeckung voraus. Mit einer GSM-/GPRS-Kombikarte steht man aber in jedem Fall auf der sicheren Seite. Für alle, die noch keinen GPRS-Kartenvertrag für den mobilen Datenverkehr haben, bietet O2 die Merlin-Card G201 in Verbindung mit dem Data-Tarif für 269 Euro an. Es handelt sich ein Dualband-Modem für GSM und GPRS in Form einer PCMCIA-II-Karte. Die Karte unterstützt GPRS Class 10 mit Datenraten im Download von bis zu 53,6 kbps. Die Software ermöglicht eine Einrichtung der Verbindung über das Microsoft-DFÜ-Netzwerk unter Windows 98, 2000, ME, XP und Pocket-PC 2000 und eignet sich daher auch für Webpads oder PDAs unter Windows mit Typ-II-Card-Slot. Als Option wird eine GSM-Telefonerweiterung angeboten. Telefoniert wird dann über ein Headset.

Nokia bietet mit seiner D-211-Karte einen echten Tausendsassa an. Die Slot-II-Karte nimmt eine SIM-Karte eines Mobilfunkanbieters auf und fungiert mit ihr im Bauch als GPRS- oder HSCSD-Sendeempfänger. Ohne SIM-Karte schaltet die Karte automatisch in den Wireless-LAN-Betrieb nach 802.11b-Standard um. Die Funktionsumschaltung kann auch manuell erfolgen. Zum Einrichten der Karte steht eine kleine Windows-Software (Win98 SE bis XP sowie CE 3.0 bis Handheld PC 2000) zur Verfügung. Soviel Vielseitigkeit hat natürlich einen Preis. Der liegt, ohne Mobilfunkvertrag, bei rund 400 Euro und das ist eine vergleichsweise günstige Offerte. Allerdings unterstützt die Nokia D-211 nicht mehr den herkömmlichen GSM-Standard. Wie schwer ein solcher Nachteil wiegt, muss sich Reinhard Heerberg alleine ausrechnen. Wer meist in Ballungsgebieten unterwegs ist, wird kaum Netzprobleme bekommen. Und überhaupt: Wer will schon mit 9,6 Kilobit Übertragungsrate im Web surfen oder größere Dateien übertragen? Der problemlose Wechsel in den W-LAN-Modus ist hingegen ein klarer Vorteil und bietet künftig, durch immer mehr öffentlich zugängliche Funkzonen, einen spürbaren Mehrwert.

Stationär oder mobil? GPRS-Anschluss über die serielle Schnittstelle

Mit GPRS ist auch eine ständige Bedarfsvernetzung von zwei Desktoprechnern in weit voneinander entfernten Büros denkbar. Dafür gibt es von SonyEricsson das Modem GM29 für die serielle RS-232-Schnittstelle. Das Gerät vereint Fax-, Voice- und Datenmodem und unterstützt den GSM- sowie GPRS-Standard. Die Lösung hat unzweifelhaft den Reiz, an jedem PC und jedem Laptop eingesetzt werden zu können. Wenn es um die Anbindung eines rein stationären Rechners geht, kommt die PC-Karte GC75 für den Festeinbau ins Computergehäuse in Betracht. Die GPRS-Modemkarten sollen im Verlauf des dritten Quartals 2002 in den Handel kommen, der Preis steht noch nicht fest.

Nein, man muss seinen alten PDA nicht entsorgen, weil er nur umständlich über die Infrarotschnittstelle des Handys mit der Außenwelt in Kontakt treten kann. Für Besitzer elektronischer Filofaxe dürften die neuartigen "PDA-Untersetzer" besonders interessant sein. Nicht außer Acht lassen sollte man in diesem Zusammenhang, dass ein PDA durch solche Zusätze an Gewicht und Volumen zunimmt. Für einen PDA in der Damen-Handtasche ist das zu verschmerzen, bei den Herren sind Störungen der Bekleidungssymmetrie, durch links von der Schulter rutschende Sakkos nicht länger auszuschließen.

Für die beliebten und verbreiteten Compaq IPAQ-Modelle (H35xx/37xx/38xx) gibt es nun ein "Gizmo-Jacket". Damit kann der IPAQ über Wireless-LAN, GPRS und GSM-Netze kommunizieren. Mehr noch, mit dem "PDA-Untersatz" kann man das Mobiltelefon zu Hause lassen, weil man dank des Jackets auch gleich telefonieren kann. Billig ist das allerdings nicht. Der Preis liegt bei 800 Euro.

Aus Deutschland kommt die Rettung für alle Visor-PDAs von Handspring. Die Firma Egeo bietet mit Fusion G3 einen Aufsatz, der die Visor-Familie zum Smartphone macht. Dazu nutzt Egeo die GSM-Telefonie, stellt SMS-Funktionalität bereit und arbeitet im Datenbetrieb als GPRS-Modem. Das GPRS-Modem kann bei entsprechend guter Netzversorgung bis zu acht Zeitschlitze nutzen und dadurch die volle GPRS-Geschwindigkeit von 53,6 Kilobit/Sekunde erreichen. Ein weiteres Highlight ist der eingebaute 12-Kanal-GPS-Empfänger, der im Verbund mit der serienmäßigen Basis-Routenplanungssoftware als Navigationssystem fungiert. Der Visor-Aufsatz bietet zudem auch noch zwei Steckplätze für SD- und/oder MMC-Karten. Das eröffnet Möglichkeiten für zusätzliche Erweiterungen, wie Barcode-Scanner, Bluetooth-Modul, serielle beziehungsweise parallel Schnittstellen oder sorgt für mehr Speicherkapazität. Zum komfortablen Telefonieren wird ein Plantronics-Headset verwendet und auch das wird mitgeliefert. Der Preis liegt ebenfalls bei 800 Euro.

WLAN oder GPRS - wer macht das Rennen?

Die Mobilfunkbetreiber tun gut daran, nicht gegen die Wireless-LAN-Technik zu feuern, sondern vielmehr mit ihr im harmonischen Duett aufzutreten. Wie das in der Praxis funktionieren soll, zeigte die kalifornische Firma Mobility Networks Solution dieser Tage im kanadischen Toronto. Dort hat man ein W-LAN-System erfolgreich in das GPRS-Netz von Roger AT&T integriert. Die "WiFiRAN-Technology" erlaubt einem GPRS-Karten-Nutzer mit seinem Laptop völlig nahtlos in einen bereitstehenden "W-LAN-Hotspot", so nennen sich Wireless-LAN-Funkversorgungszonen, zu wechseln. Ein Roaming zwischen den Systemen also. Die Laptop-Nutzer können in den Hotspots die hohe Datentransferrate von einigen Megabit nutzen und authentifizieren sich über die Mobilfunk-Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt direkt über den Betreiber des GPRS-Netzes. Ob Laptop oder PDA, den Kombikarten für GPRS und W-LAN gehört die Zukunft.