Hausgeräte Waschbildschirme und Flachmaschinen
Was macht eigentlich - Kai Böcking? Einigen mag der Moderator noch aus "Formel Eins"-Tagen bekannt sein. In den achtziger Jahren durfte er einmal pro Woche bei der ARD ein paar Musikclips präsentieren. Heute moderiert Böcking beim Spartenkanal tv.gusto eine Kochshow. Gar nicht so unpassend also, dass er sich auf der Ifa herumtreibt. Die Funkausstellung zeigt erstmals auch Haushaltsgeräte, auf neudeutsch: Home Appliances. Im Bosch-Küchenstudio erläutert Böcking souverän die Abläufe beim Hydro-Backen und die Vorteile eines Induktionsherds ("Die Finger bleiben dran!") - legt aber selbst nie Hand an.
Alle namhaften Hausgerätehersteller haben ihre Vorzeigeküchen zur Ifa mitgebracht, lassen sie publikumswirksam von prominenten Fernsehköchen auf Herz und Nieren testen. Im Tiefgeschoss der Messehallen 1 bis 4 brutzeln Ralf Zacherl und Carsten Dohrs im Bosch-Kochstudio, Stefan Marquard und Christian Mittermeier schwenken die Kellen bei Electrolux, Siemens hat Tim Raue und Christian Henze an den Herd gebeten.
Ihre Kochkünste stellen die geübten Küchenmeister vor Publikum unter Beweis. Kameras übertragen das Gourmetspektakel auf große Videowände, vor denen sich Menschenmengen versammeln, denen das Wasser im Mund zusammenläuft. Leider wird hier - anders als im Fernsehen - in Echtzeit gekocht. Und so sehr Kai Böcking auch verspricht, dass die hydrogebackene Apfeltarte später probiert werden kann, ist jedem klar, dass dies noch lange dauern wird.
Von wegen Vernetzung
Wäre Bosch Siemens, könnte sich Böcking beim Moderieren selber zusehen. Siemens nämlich hat eine Geräteserie namens "coolMedia" im Programm, deren edelschwarzes Herzstück - eine Kühl-Gefrierkombination - einen 17-Zoll-Bildschirm in der Tür aufweist. Der kann alles, was ein normaler Fernseher so draufhat. Als "Brückenschlag von der weißen zur braunen Ware", wie es in einer Ankündigung etwas großspurig heißt, bleibt er auf der Ifa jedoch eine einsame Ausnahme. Die Vernetzung von Hausgeräten und Unterhaltungselektronik ist kaum einem Hersteller eine Erwähnung wert.
Nirgends auch nur die Spur von Waschbildschirmen und Flachmaschinen oder dem "intelligenten Kühlschrank", wie er vor Jahren noch als Revolution der Küchenwelt gefeiert wurde. Eigenständig sollte er Butter und Milch, Pizza und Tiefkühlpommes via Internet nachbestellen. "Der vernetzte Haushalt ist in der Schublade", weiß ein Siemens-Mitarbeiter zu berichten. "Technisch ist vieles möglich, aber vom Markt nicht gefragt." Die Hausfrau oder der Hausmann lassen sich offenbar nicht gerne den Löffel aus der Hand nehmen.
Das Konze pt kommt an
Immerhin: Bosch hat noch eine "Dunstabzugshaube mit Verstand" im Programm, die dreht ihren Propeller umso stärker auf, je mehr Kochfelder glühen. Am Stand von iRobot dreht ein automatischer Kleinstaubsauger seine Runden, dem aber selbst die Hostess nachsagt, dass er "nicht in die Ecken gelangt" und man ihm besser alle Hindernisse aus dem Weg räumen sollte.
Klar, da steckt eine Menge Elektronik drin. Und doch wird dem Betrachter nicht so recht klar, wo denn jetzt der Zusammenhang von weißer und brauner Ware liegt, den die Berliner Messegesellschaft für diese Ifa konstruiert hat. Die Hersteller und der Handel allerdings begrüßen es nachdrücklich, mit der Ifa "endlich eine gute Plattform für weiße Ware" gefunden zu haben, wie Miele-Sprecherin Karin Padinger verrät. In den Elektronik-Supermärkten seien Haushaltsgeräte und Elektronik längst unter einem Dach vereint. "Die Einkäufer der großen Einkaufsverbände besuchen seit Jahren die Ifa und finden jetzt beide Sortimente vor."
Gemessen am Besucheraufkommen geht das neue Ifa-Konzept auf. Die Hallen mit den sogenannten Home Appliances sind gut besucht. Interessiert lassen sich Frauen von erfahrenen Hostessen in die Technik des Heizkörperabsaugens einweisen. Männer lassen sich interessiert die Energiesparkünste der neuesten Wäschetrocknergeneration erläutern. An den Ständen der Espressomaschinenhersteller herrscht besonders großer Publikumszuspruch. Hier gibt es kostenlose Kaffeeproben.
Schwarzer Trend
Ohnehin wird das Thema Kaffee auf der Ifa zu einer Hightech-Leistungsschau stilisiert. WMF beispielsweise präsentiert die kleinste Pad-Kaffeemaschine der Welt in den Farben Mango, Kiwi und Stone. Der Schweizer Espressomaschinenhersteller Jura zeigt seine neuesten Vollautomaten, die auf Knopfdruck Espresso, Ristretto oder Doppio ausspucken. Beim italienischen Konkurrenten DeLonghi kann man sich das Hemd aufbügeln lassen, während man auf den Latte Macchiato wartet. Selbst Siemens ist mit dem Vollautomaten EQ.7 in der Welt des schwarzen Goldes vertreten.
Doch damit nicht genug, setzt der Münchner Konzern beim Kaffee ganz auf ein nobles Drumherum. Das passende Geschirr hat man sich vom Porzellanhersteller Kahla kreieren lassen, die Löffel stammen von Mono. Ein spezieller Aromasafe soll für anhaltend frische Siemens-Kaffeebohnen sorgen, die vom Kaffeeröster Klaus Rechenauer zu drei verschiedenen Cuvées zusammengestellt worden sind. Eineinhalb Jahre soll Rechenauer damit verbracht haben, die jeweils richtige Mischung zu finden. Angeblich harmonieren die so aufwendig vermischten braunen Bohnen aus Nepal, Äthiopien und Brasilien jetzt optimal mit dem Siemens-Gerät.
"Früher wurde von den Kaffeegroßhändlern nur die Ausschussware nach Deutschland geliefert", sagt Rechenauer, "aber das ändert sich langsam". Der begeisterte Kaffeeröster ist das beste Beispiel für den Boom. Vor zehn Jahren war Rechenauer noch hauptberuflich Computerhändler und Berater bei SAP. Dann hat er die Seiten gewechselt und berät heute Kunden wie Siemens in Sachen Kaffee. So hat zumindest bei ihm die Verzahnung von Computertechnik und Haushaltsgeräten schon funktioniert.