Heimvernetzung Ein Netzwerk per Steckdose
PCs und andere Geräte zu Hause zu vernetzen, ist bisweilen mit harter Arbeit verbunden. Die nicht funktionierende automatische Vergabe von IP-Adressen ist dabei noch das geringste Übel. Mangelhafte Treiber für eine nachträglich installierte W-Lan-Karte bringen nicht nur Laien schnell auf die Palme. Abhilfe versprechen die Hersteller von sogenannten Powerline-Adaptern.
Schon wieder ein neues Produkt und eine Bedienungsanleitung, die man durchackern muss, werden sich vor allem technikmüde Verbraucher sagen. Weit gefehlt: Powerline-Adapter sollen die Vernetzung im Haushalt einfacher machen - und tun es auch. Die Idee dahinter, Daten über die Stromleitung zu verschicken, gibt es schon seit Jahrzehnten.
Powerline-Adapter für den Heimgebrauch sind ebenfalls nicht neu. Doch mittlerweile kommen die Adapter mit Bandbreiten zurecht, die auch die Übertragung von Filmen in HD-Qualität gestatten. Zudem sind die ersten Geräte mit einer einfach zu bedienenden Verschlüsselung auf dem Markt.
Alternative für Ethernet und W-Lan
Benötigt werden mindestens zwei Adapter. Diese besitzen auf der einen Seite einen herkömmlichen Stecker für die Steckdose. Auf der anderen Seite befindet sich je nach Ausführung eine Ethernet-Schnittstelle oder ein USB-Anschluss für die Anbindung an einen Rechner oder ein anderes Gerät, das ins Netzwerk eingefügt werden soll. Powerline ist eine Alternative sowohl zum W-Lan als auch zum kabelgebundenen Ethernet-Netz.
Besonders komfortabel ist Powerline, weil der Nutzer relativ wenig oder abhängig vom Modell gar keine Konfigurationsarbeit leisten muss. Es reicht in der Regel, die Adapter in die Steckdose zu stöpseln und die angeschlossenen Geräte einzuschalten - und das Netzwerk steht. Bisher waren jedoch die unterstützten Bandbreiten nicht sonderlich groß, so dass sich zum Beispiel das Streamen von Videos oft nicht ganz ruckelfrei gestaltete.
Digitalfernsehen durch die Stromleitung
Mit den Adaptern der aktuellen Generation werden nun Datenübertragungsraten von bis zu 200 Megabit pro Sekunde (MBit/s) brutto erreicht. Netto liegt der Wert laut Christoph Rösseler vom Hersteller Devolo bei rund 90 MBit/s. Die tatsächliche Übertragungsgeschwindigkeit kann sich von Haushalt zu Haushalt unterscheiden, was wesentlich in der unterschiedlichen Beschaffenheit des jeweiligen Stromnetzes begründet ist. Zudem können andere ans Netz angeschlossene Geräte wie Kühlschränke oder Waschmaschinen die Qualität der Übertragung mindern.
Der Internetanbieter Alice hält die Übertragungsgeschwindigkeit dennoch für hoch genug, um seinen Kunden ein entsprechendes Produkt vergünstigt anzubieten. Alice bringt seinen Kunden via DSL auch Fernsehen ins Haus. Nun liegt die Telefonbuchse für den DSL-Anschluss in den seltensten Fälle direkt neben dem Fernseher. Um das TV-Programm dennoch elegant zur Set-Top-Box beziehungsweise zum Fernseher zu bringen, werden die Adapter verwendet.
Vorsicht vor Mehrfachsteckdosen
Zu den Herstellern entsprechender Produkte zählen Allnet, Devolo, D-Link, Linksys, Netgear und Siemens. Devolo hat das dLAN 200 AVeasy im Programm - bestehend aus zwei Adaptern. Es erlaubt, das Stromnetz für Anwendungen wie Internet-Fernsehen in HD-Qualität zu nutzen. Die Reichweite beträgt nach Angaben des Herstellers 200 Meter innerhalb eines Stromkreises.
Ganz ohne Haken ist auch Powerline nicht: "Es ist nicht alles so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht", sagt Peter Knaak von der Stiftung Warentest in Berlin. Abgesehen davon, dass die Stromverkabelung im Haus einen wesentlichen Einfluss auf die Bandbreite des Powerline-Netzwerkes habe, sei es ratsam, die Adapter direkt in die Wandsteckdose zu stecken. Selbst Hersteller wie Devolo raten davon ab, den Adapter in die Mehrfachsteckdose einer Verlängerung zu stecken, weil darunter die Übertragung leiden könnte.
Die Lösung sind Powerline-Adapter, die selbst wiederum eine Steckdose besitzen, so dass sie die Wandsteckdose nicht blockieren.
Und die Sicherheit?
Wenn es um die Sicherheit der via Powerline übertragenen Daten geht, hat sich mancher Hersteller bislang damit herausgeredet, dass der eigene Stromzähler eine sichere Barriere darstellt, die einen unbefugten Zugriff etwa vom Nachbarn im Mehrfamilienhaus unmöglich macht. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass unter bestimmten Voraussetzungen ein unerwünschtes Eindringen ins Netzwerk mit einem baugleichen Adapter oder mit einem Adapter, der den gleichen Standard unterstützt, möglich und somit eine Verschlüsselung sinnvoll ist.
Die IT-Sicherheit von Powerline-Produkten basiert laut Sebastian Frank vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn in der Regel auf proprietären Lösungen der Hersteller. "Bei den meisten Produkten besitzt jeder Adapter eine eigene Security-ID, durch die ein Adapter eindeutig identifiziert werden kann." Über eine mitgelieferte Konfigurationssoftware kann dann ein Netzwerkkennwort für die Verschlüsselung erstellt werden. Ein Teil der Hersteller bietet zumindest bei seinen aktuellen Geräten eine integrierte Verschlüsselung an: Um diese zu aktivieren, genügt es, einen bestimmten Knopf am Adapter selbst zu drücken.
Ganz billig ist Powerline nicht: Ein Paar Powerline-Adapter mit einer Brutto-Transferrate von 200 MBit/s ist ab rund 100 Euro zu haben. Modelle mit geringerer Bandbreite sind deutlich günstiger. Ein Paar Powerline-Adapter mit einer Brutto-Transferrate von 200 MBit/s und integrierter Steckdose kosten ab rund 130 Euro.