Heiße Akkus: Wenn das Handy abraucht - DER SPIEGEL
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Heiße Akkus Wenn das Handy abraucht

Verbraucherschützer in den USA haben 83 Fälle von explodierenden oder brennenden Mobiltelefonen dokumentiert. Die Hersteller, die die Schuld gern Batteriefälschern in die Schuhe schieben, wollen nun Sicherheitsstandards für Akkus definieren.
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Der Amerikaner Curtis Sathre hatte das Gefühl, es sei eine Bombe hochgegangen. Sein 13-jähriger Sohn Micheal stand fassungslos neben ihm, die Hände blutüberströmt. Das Mobiltelefon in der Hand des Jungen war explodiert. US-Verbraucherschützer wissen von 83 derartigen Fällen allein in den letzten zwei Jahren, bei denen die Batterien von Handys explodiert oder in Flammen aufgegangen waren.

Auch in Europa haben Handys Feuer gefangen, betroffen waren unter anderem Modelle von Nokia und Siemens. Ein Nokia-Manager sagte im November 2003 gegenüber SPIEGEL ONLINE, er wisse von 30 bis 40 Fällen, bei denen Nokia-Telefone sich überhitzt hatten oder explodiert waren.

Die Verletzungen können sehr schmerzhaft sein. Verbrennungen in Gesicht und Nacken, an Bein und Hüfte hat die staatliche US-Verbraucherschutzstelle Consumer Product Safety Commission (OPSC) dokumentiert. In den USA haben Handyhersteller bereits mehrfach Akkus wegen möglicher Sicherheitsrisiken zurückgerufen.

"Wir bekommen immer mehr Berichte über Unfälle mit Mobiltelefonen und sind sehr besorgt über das Risiko noch schwererer Verletzungen", sagte OPSC-Sprecher Scott Wolfson.

In den USA wie auch in Europa machen die Hersteller vor allem Produktfälscher für die explodierenden Handys verantwortlich. Billige, nicht den Sicherheitsanforderungen genügende Akkus seien das Problem. Außerdem wird gern darauf verwiesen, dass die Zahl der Zwischenfälle im Vergleich zu den weltweit millionenfach verkauften Telefonen äußerst klein ist.

Preisdruck führt zu Billigprodukten

Verbraucherschützer fürchten jedoch, dass die Zahl der Zwischenfälle weiter zunehmen könnte, weil die Hersteller immer stärkeren Preisdruck auf ihre Lieferanten ausüben und die Telefone selbst immer kleiner und gleichzeitig leistungsfähiger werden.

"Wenn man immer mehr Energie in einem immer kleineren Raum unterbringt, dann hat man eine Mini-Bombe gebaut", sagte Carl Hilliard, Präsidentin der kalifornischen Wireless Consumers Alliance.

Selbst Batterien von Markenherstellern sind vor Überhitzung nicht sicher. So musste PC-Hersteller Apple im August knapp 30.000 Notebook-Akkus zurückrufen, vor drei Jahren ließ Dell sogar 250.000 Notebook-Batterien auswechseln.

Den weit verbreiteten Lithium-Ionen-Akkus droht Überhitzung, wenn die Entlüftung nicht gewährleistet ist. Die US-Verbraucherschützer der CPSC haben bei Tests Temperaturen von bis zu 600 Grad Celsius gemessen. Das könne "wie ein Fackel wirken, wenn die Batterien nicht richtig funktionieren", sagte OPSC-Sprecher Wolfson.

Hersteller planen Akku-Standard

Nach seinen Angaben gab es seit Jahresbeginn in den USA drei Rückrufaktionen von Handy-Akkus, darunter von Kyocera. Die Firma hat allein im Oktober eine Millionen Akkus zurückgeordert und nach eigenen Angaben die Händler gewechselt. Kyocera hatte sowohl Qualitätsmängel bei Zulieferern festgestellt als auch gefälschte Akkus entdeckt, die in die eigene Lieferkette gelangt waren.

Die US-Mobilfunkbranche will das Risiko überhitzter Handys nun auch mit einem neuen Sicherheitsstandard in den Griff kriegen. In der vergangenen Woche begannen nach Angaben der Nachrichtenagentur AP Gespräche mit dem Standardisierungs-Institut IEEE. Ziel sei ein freiwilliger Standard für Aufbau und Performance der Akkus.

Die CPSC ist an dem Verfahren beteiligt. "Da ist eine Menge Energie in einem sehr kleinen Produkt", sagte Sprecher Wolfson. Deshalb sei es wichtig, hier aktiv zu werden.

Angela Karasek, eine 21-jährige Anwaltsgehilfin aus Philadelphia, kann dies nur bestätigen. Sie wachte vor einigen Wochen nachts auf, als ihr neues Motorola-Handy eine ein Meter entfernte Puppe abfackelte. Ihr Vater löschte schließlich das Feuer.

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