Heiße Rechner: Wenn der PC schwitzt - DER SPIEGEL
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Heiße Rechner Wenn der PC schwitzt

Die Hitzewelle hat Deutschland fest im Griff. Innentemperaturen über 30 Grad sind keine Seltenheit mehr - und das macht nicht nur dem Menschen vor dem PC, sondern manchmal auch dem Rechner zu schaffen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn es dem Computer zu heiß wird, wird er langsamer und stürzt schließlich immer häufiger ab. Im allerschlimmsten Fall kann der Prozessor kaputt gehen oder die Grafikkarte - und das wird teuer.

Computern von Markenherstellern kann die Hitze normalerweise nichts antun, wie der technische Sprecher der Dell GmbH, Markus Schuetz, sagt. Das System fährt sich herunter, bevor Schaden entsteht. Etwas anders sieht es bei Rechnern der Marke Eigenbau aus.

Wurde beispielsweise ein leistungsfähiger Prozessor mit einem zu kleinen Kühlkörper kombiniert, kann er tatsächlich "abrauchen". Das gilt auch für Grafikkarten mit zu kleinen Lüftern. Bevor diese Komponenten beschädigt werden, häufen sich aber zunächst die Zeichen, dass etwas nicht stimmt.

Wenn der Rechner bei Hitze langsamer wird, ist das an sich nicht schlimm. Es liegt daran, dass der Hauptprozessor automatisch seine Taktfrequenz senkt, um sich zu schützen. Steigen die Temperaturen dennoch an, reagieren manche Programme ungeplant, und die Software stellt sich quer. Dann sieht der User plötzlich einen Bluescreen vor sich. Ein Neustart behebt das Problem schnell. Sollte es sich jedoch häufen, ist das ein sicherer Indikator dafür, dass der PC kurz vor dem Hitzekollaps steht. Dann ist Ursachenforschung angesagt. Meist reicht es schon, die Lüfter einmal genau durchzuchecken.

Dort nisten sich mit der Zeit Wollmäuse ein, die den Betrieb verlangsamen. Irgendwann wird der Rechner nicht mehr ausreichend gekühlt und nimmt sich hitzefrei - egal ob im Sommer oder Winter. Die Ursache ist schnell beseitig: Einfach den Rechner ausschalten, die Kabel entfernen und das Seitenteil abschrauben - schon liegt das Innenleben offen. Nun kann es vorsichtig gereinigt werden. Das geht am besten mit einem Staubsauger mit kleiner Fugendüse.

Passieren kann dabei nichts, denn im Rechner gibt es keine losen Teile, die weggesaugt werden können. Dennoch ist ein wenig Fingerspitzengefühl angebracht, damit keine Teile durch Berührung Schaden nehmen. Manche User schwören auch auf Druckluftspray aus der Dose, doch davon hält Schuetz nicht viel, denn es bläst den Staub nur durch die Gegend. Auch Wattestäbchen und Tücher bringen nicht wirklich viel und bergen die Gefahr, dass Teile beschädigt werden. Eine Generalreinigung pro Jahr reicht laut Schuetz normalerweise aus.

Die Luftzufuhr des Rechners kann allerdings auch durch äußere Umstände verschlechtert werden. Gerade im Sommer ist es wichtig, auf genügend Abstand zu Wänden oder Möbeln zu achten. Die Lüftungsschlitze dürfen auf keinen Fall verdeckt sein. Dass direkte Sonneneinstrahlung keinem Computer gut tut, versteht sich von selbst.

Den Computer als "Cabrio" zu fahren, indem man einfach das Seitenteil geöffnet hält, hält Schütz für eine "ganz schlechte Idee". Das Innendesign eines PCs ist so aufgebaut, dass ein regelmäßiger Luftstrom entsteht, der die Komponenten kühlt. Ist der Computer geöffnet, wird die kühlende Luft in den Raum statt durch das Gehäuse geblasen - und der Rechner heizt sich auf.

Nur etwas für Fortgeschrittene ist das so genannte Undervolting. Dabei wird die Betriebsspannung reduziert, so dass weniger Hitze im Rechner entsteht. Kleine Programme aus dem Internet helfen dabei.

Kaputt gehen kann der Rechner bei solchen Experimenten zwar nicht, aber das System läuft dadurch weniger stabil - und Bluescreens können die Folge sein. Undervolting sei daher zumindest ein "sehr fragwürdiger Weg", den Rechner kühl zu halten, sagt Schuetz.

Wirklich nur etwas für Computerfreaks ist die Wasserkühlung. Sie funktioniert ähnlich wie bei einem Kühlschrank. Ein Metallblock ersetzt den normalen Kühlkörper. Ein Kompressor pumpt Wasser durch diesen Block und kühlt es anschließend wieder ab. Dadurch ist das System vergleichsweise laut. Die Nachrüstung des PCs mit einer solchen Kühlung ist teuer, der Einbau sollte Experten vorbehalten bleiben. Schließlich verträgt sich Wasser mit keinem Computer. Der normale Nutzer braucht solche Systeme nicht. Sie werden eigentlich nur von hartgesottenen Computerspielern genutzt, die auch noch das Letzte aus ihren Rechnern herauskitzeln wollen.

Ab einem bestimmten Punkt kann ein Laie selbst nicht mehr viel ausrichten - dann bleibt nur noch der Gang zum Händler oder der Griff zum Telefon. Experten finden schnell heraus, ob der Kühlkörper in Ordnung ist und ob die Kabel richtig verlegt sind. Und manchmal stellt sich auch heraus, dass gar nicht die Hitze für die ständigen Abstürze verantwortlich ist sondern eine defekte Komponente.

Von Sandra Schipp, ddp