Herausforderung "Wer uns um 10.000 Mark erleichtert, darf sie behalten"
Dass in den Medien immer wieder vor den Sicherheitsrisiken des Onlinebanking gewarnt wird, war Rene Holzer, Geschäftsführer der auf Internet-Technologien spezialisierten Firma Nutzwerk aus Halle, schon immer ein Dorn im Auge. Was ihm aber am Sonntagabend im "ARD-Ratgeber" geboten wurde, das ließ ihm keine Ruhe mehr.
"Am Sonntag, den 29.01.", schreibt er in einer Pressemitteilung, "hat der "ARD-Ratgeber" trotz Widerspruch von Leuten, die wirklich Ahnung von der Materie haben, die spannendsten Horrorszenarien als Normalität weitergegeben."
Hanebüchener Unsinn, meint Holzer, wurde da erzählt: Nicht genug damit, dass man nun angeblich auch einmalig eingesetzte TANs abfangen könne, um damit Shoppen oder Geld abheben zu gehen, nein, auch biometrische Sicherheitsmaßnahmen seien knackbar. So könne quasi jeder Heimanwender per digitaler Fotografie eine virtuelle Iris erstellen, um beispielsweise einen Augen-Scan auszutricksen.
Holzer: "Sicherlich ist vieles möglich, und alles ist relativ. Wir können vom Blitz getroffen werden und beim Schlafen sterben, doch vor dem Schlafen zu warnen ist auch ziemlicher Unsinn."
Denn, Risiken hin oder her - wie groß können diese tatsächlich sein, wenn sie von 10 Millionen Onlinebanking-Kunden bundesweit bisher nicht bemerkt wurden? Klar gäbe es Kreditkartenmissbrauch, aber wie viele werden über das Internet geknackt - und wie viele von unlauteren Kellnern missbraucht, denen man sie in gutem Treu und Glauben einfach überlässt?
Holzer: "Über so was kann ich mich derart aufregen, dass ich gesagt habe, dass mir der Gegenbeweis auch eine Stange Geld wert ist."
Die Entscheidung fiel spontan: Am frühen Nachmittag wandte er sich mit einem "Wettbewerb" an die Presse, der einer Herausforderung an Deutschlands Hackergemeinde gleichkommt.
"Wir zahlen 10.000 DM für den Diebstahl einer TAN"
"Der Erste", schreiben Holzer und seine PR-Referentin Ramona Wonneberger, "der in unser Firmen-Onlinebanking einbricht, die Daten und eine TAN klaut und damit 10.000 DM von einem unserer Geschäftskonten abhebt, kann die 10.000 DM behalten."
Denn das, sagt Holzer, ist so einfach nicht. Er muss das wissen, denn sein Unternehmen beschäftigt sich unter anderem mit der Entwicklung von Sicherheitstechnologien. Ob er allerdings Deutschlands Hacker unterschätzt, das wird er in einigen Tagen wissen: "Ich halte Sie auf dem Laufenden".
Bis dahin will er dafür sorgen, dass das Ganze auch auf gehörig hohem Niveau geschieht: "Wir werden morgen noch eine Betreuungsseite für die Hacker entwerfen, wo die sich - wenn sie wollen - auch registrieren können." Nur damit auch alles ordentlich abläuft, auf beiden Seiten: "Wenn wir einfach die Rechner ausschalten würden, wären wir schließlich auch sicher."
Aber das will er nicht, und Tipps will er den teilnehmenden Hackern auch geben - oder sich vielleicht doch versichern, dass nur der Erste die 10.000 Mark behält?
Holzer ist optimistisch und vertraut der Sicherheit seiner Onlinebanking-Lösung. Er lässt es drauf ankommen: "Auch der "ARD-Ratgeber" wird den Fortschritt nicht aufhalten können."
Und wenn es zum schlimmsten aller Fälle kommt? Auch dann hat er geschafft, wieder einmal: Nutzwerk ist bekannt für seine pfiffige PR-Arbeit. Holzer dürfte sein Unternehmen mit dem Fehdehandschuh an Deutschlands Hacker wieder etwas bekannter gemacht haben - selbst, wenn er die 10.000 Mark verliert, zu einem wahren Schnäppchenpreis.
Aber das will er gar nicht, sagt er, und ihm ist die Erregung über all die "immer wieder wiederholten überholten Warnungen" anzumerken: "Ich will zeigen, dass die Angst vor E-Commerce und Onlinebanking völlig überzogen ist". Man wird sehen.
Frank Patalong