Hifind.com: Musiksuche der virtuellen Art - DER SPIEGEL
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Hifind.com Musiksuche der virtuellen Art

Was tun, wenn man nur den Fetzen einer Musikstrophe im Ohr hat und verzweifelt den Namen des Songs sucht? Ein neues Netzangebot hilft Musikliebhabern auf die Sprünge.
Von Alexander Richter
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Hörer so genannter Formatradios haben ein Problem: Die Stationen spielen zwar jede Menge Musik, die Moderation wird meist aber auf ein Minimum reduziert: Mit der Konsequenz, dass Songs unangekündigt runtergedudelt werden. Keine Titelansage, keine Nennung des Interpreten, Pech für den Hörer. Denn gefällt ihm das gespielte Stück, so wird er von den Stationen in der weiten Musikwelt sich selber überlassen: "Wie bekomme ich das Album mit diesem Lied?"

Häufig bleiben nur noch Melodie oder Refrain im Gedächtnis. Nun hat nicht jeder potenzielle Käufer Lust, im CD-Laden einen Karaokeauftritt hinzulegen, damit er den begehrten Titel auch mal in den heimischen Player schieben kann.

Das World Wide Web verspricht allen Leidgeprüften in dieser Frage Abhilfe. Die grafisch ansprechende Musiksuchmaschine Hifind.com  ist eine deutschsprachige Site, die ihre Datenbank bei Angabe eines Stichwortes durchsucht und schnell zum begehrten Album führt. Das komerzielle Angebot ist noch im Beta-Stadium, soll aber nach Auskunft von Hifind.com-Sprecher Peter Paulsen in den nächsten drei Wochen richtig durchstarten. Rund 180.000 Titel seien bislang erfasst. Bis Anfang 2001 werde die Datenbank auf mindestens 350.000 Songs ausgeweitet, so Paulsen.

Direkte Suche nach Titeln

Dem User stehen insgesamt sechs Möglichkeiten offen, die Anfrage zu stellen. Der "Direct Mode" durchsucht die Datenbank auf Wörter, die wahlweise im Titel, Album- oder Künstlernamen vorkommen. Um beim Anfangsbeispiel zu bleiben: Im Radio lief ein Lied, in dem das Wort "Deutschland" im Refrain vorkam. In der Titelanfrage bei Hifind.com führt das Stichwort unter anderem zu Rio Reisers "König von Deutschland". Einen Klick weiter gelangt man auf die Seite des zugehörigen Albums "Rio 1." auf der alle Songs der CD auszugsweise zu hören sind. So kann man direkt überprüfen, ob das gefundene Lied das Gesuchte ist. Noch einen Klick später kann man das Album online entweder bei Alphamusic, Boxman oder Amazon bestellen. Leider fehlt eine vergleichende Preisangabe zwischen den Musikhändlern, obwohl sich Hifind.com nach Paulsens Worten als "neutraler Berater" versteht.

Suche nach Stilrichtungen

Eine andere Suchvariante ist der "Sound Alike Mode". Gibt man dort ein Stichwort aus dem Titel seines Lieblingssongs ein, wird man zu Musik geführt, die in der gleichen Stilrichtung angesiedelt ist. Zwar funktioniert das Tool nicht hundertprozentig, aber immerhin wird eine Marschrichtung vorgegeben, die den User zu bislang unbekannten Bands führen kann. Nach 1000 Merkmalen werde jeder Song kategorisiert, so Paulsen. Summa summarum seien 350 Stilrichtungen des Mainstreams erfasst. Das Angebot beschränkt sich größtenteils auf Rock- und Popmusik, Jazz ist nur teilweise berücksichtigt, während Volksmusik und Klassik gänzlich ausgeklammert wurden.

Außer der Abteilung "Direct und Sound Alike" können noch die Charts durchstöbert, die Anfrage präzisiert, Musik nach Stimmungslage oder persönlichen Vorlieben gesucht werden. Wenn in den letzten Oktobertagen das Angebot endgültig die Testphase verlässt und mit groß angelegten Werbetamtam bekannt gemacht werden soll, kommt neben den sechs Modi ein weiteres Tool hinzu. Mit einer personalisierten Abfrage "I-Mode" stellt sich das System auf den jeweiligen Nutzer ein und bereitet ihm beispielsweise seinen Musikgeschmack grafisch auf. Als weiteres Gimmick ist ein Kompositionstool geplant. Aus verschiedenen Bausteinen kann man sich eigene Musikstücke à la "Music Maker" basteln und diese per E-Postcard im Netz verschicken.

Problem Ladezeiten

So positiv der Eindruck von Hifind.com ist, ein kleiner Wehmutstropfen bleibt. Als flashbasierte Site frisst das Angebot viel Speicher, erhöht die Gefahr von Browserabstürzen und hat gerade zu Beginn relativ lange Ladezeiten. Trotzdem ein Netzangebot, das in diesem Umfang im deutschsprachigen Raum seinesgleichen sucht.