Hightech-Heim: Disneys Traumhaus für Technophile - DER SPIEGEL
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Hightech-Heim Disneys Traumhaus für Technophile

Elektronische Schminkspiegel, mitdenkende Kochbücher, digital markierte Lebensmittel: Im kalifornischen Vergnügungspark Disneyland hat der Disney-Konzern seine Vision vom Haus der Zukunft aufgebaut - und ist dabei in der Gegenwart stecken geblieben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Mitglieder der Familie Elias leben den Traum jedes Nerds: Ihr Haus ist vollgestopft mit der neuesten Elektronik, teilweise sogar mit Geräten, die man noch gar nicht kaufen kann. Das ganze Gebäude wurde konsequent auf die Hightech-Ausstattung zugeschnitten. Vom Bilderrahmen bis zum Kühlschrank ist alles miteinander vernetzt, tauscht Daten aus, soll der Familie das Leben so komfortabel wie möglich machen.

Zu allem Überfluss hat jetzt auch noch Sohn Robbie mit seiner Mannschaft die US-Fußballmeisterschaft gewonnen, bereitet sich auf seine Reise zur WM in China vor. Das einzige, was jetzt noch nervt sind die vielen Fremden die ständig durch das Haus stapfen, alles anfassen und die Bewohner mit Fragen bedrängen.

Doch damit müssen die Elias' leben. Denn eine richtige Familie sind sie nicht, teilen sich keinen gemeinsamen Genpool. Eigentlich sind sie Mitarbeiter des Vergnügungsparks Disneyland im kalifornischen Anaheim. Dass sie in dem Hightech-Haus wohnen, ist ihr Job. Sie sollen den Besuchern des sogenannten Tomorrowland zeigen, wie komfortabel man sich das Leben mit moderner Digitaltechnik einrichten könnte.

Weil Disney aber nun mal ein Unterhaltungskonzern und kein Hightech-Unternehmen ist, hat man sich von Partnern helfen lassen. Microsoft gehört dazu und auch Hewlett Packard. Firmen also, die ganze Forschungsabteilungen damit beschäftigen, sich Gedanken darüber zu machen, wie man ihre Produkte in Zukunft einsetzen kann.

Allzu weit in die Zukunft haben die Gestalter dabei nicht geschaut, sind mit Ideen vergleichsweise nah an der Realität geblieben. Möglicherweise ist das eine Lehre, die man aus dem Zukunftshaus gezogen hat, dass Disney bereits vor fünfzig Jahren auf seinem Gelände eingerichtet hat. Kaum eine jener Innovationen, die dort als Zukunft deklariert wurden, ist wahr geworden. Oder haben Sie elektrisch betriebene Schubladen in ihrem Kleiderschrank?

Stattdessen haben sich die Architekten des Projekts an Technologien orientiert, die es heute schon gibt, die aber möglicherweise noch in ihren Kinderschuhen stecken. Die Küche des sogenannten "Innoventions Dream Home" beispielsweise, ist voll davon. Das fängt logischerweise beim Zentrum jeder amerikanischen Küche, dem gewaltigen Doppeltür-Kühlschrank an. Der erkennt über elektronische Markierungen (RFID-Funkchips), welche Lebensmittel er gerade frisch hält.

Knoblauchbestellung per SMS

Diese Informationen nutzt das elektronische Kochbuch Lilian. Um sich von Lilian einen Rezeptvorschlag einzuholen, genügt es, einige Lebensmittel auf die Arbeitsplatte zu legen. Lilian wählt anhand der von Sendern in den Packungen übermittelten Informationen passende Rezepte aus - und schickt auch gleich eine SMS mit der Bitte um einen Leih-Knoblauch an die Nachbarin, falls die leckeren Zwiebelchen mal wieder ausgegangen sind. Die Rezepte selbst projiziert Lilian direkt auf die Arbeitsplatte. So muss man beim Zwiebelschneiden nicht mit vertränten Augen auf einen der Bildschirme in der Küche starren.

Die werden ohnehin für andere Aufgaben genutzt. Ein großes TV-Gerät ist in die Wand eingelassen und informiert über anstehende Termine oder Aufgaben der Familienmitglieder. Sieht ein bisschen aus wie die Infotafeln auf Flughäfen. Zusätzlich steht ein nagelneuer Touchscreen-PC von HP bereit, auf dem Musik ausgewählt oder Notizen eingegeben werden können. Anders als viele andere Geräte in Disneys Traumhaus ist dieses Designstück ganz real, kann schon heute gekauft werden.

Spieglein, Spieglein an der Wand...

Mit einigen anderen Einrichtungsgegenständen sieht das ganz anders aus - glücklicherweise. So zum Beispiel mit dem digitalen Schminkspiegel, der im Zimmer der Tochter aufgehängt wurde und mit einem echten Spiegel wenig gemeinsam hat. Wo normalerweise das Spiegelglas hängt, haben Disneys Techniker einen großen Flachbildschirm angebracht. Das Bild wird von einer Kamera erzeugt. Und weil man damit so schön spielen kann, läuft auf einem an den Digi-Spiegel angeschlossenen PC eine Software namens Magic Mirror 2.01. Die wiederum vermischt auf Wunsch das eigene Bild mit virtuellen Kleidern, Haaren und anderen Attributen. Soll lustig sein, verspricht Disney.

Nicht lustig sondern nützlich soll hingegen sein, dass das Haus alle Familienmitglieder, inklusive des Hundes anhand elektronischer Markierungen erkennen kann. Das erspart nicht nur den Türschlüssel, sondern sorgt auch dafür, dass sich die verschiedenen Räume dem jeweiligen Familienmitglied anpassen, sich die Inhalte der digitalen Bilderrahmen austauschen, für die Tochter Musik von Hannah Montana und für die Mutter Fleetwood Mac gespielt wird.

Ein Hauch von Kürbiskuchen

Und wo bei anderen Familien Playstation oder Xbox für Unterhaltung sorgen, steht in diesem Haus Microsofts Touch Table, ein berührungsempfindlicher Tisch, dessen Oberfläche ein Flachbildschirm ist und auf dem die Kinder sich mit Xbox-Spielen vergnügen sollen - ganz ohne Controller oder Joysticks. Doch während solche Technologien bereits in erreichbarer Nähe scheinen, gibt es andere Dinge im Innovention Dream Home, die wenn schon nicht die Technik, so doch ein wenig den Duft der Zukunft erahnen lassen.

Denn nicht einmal die olfaktorischen Aspekte sind beim Bau des computerisierten Hauses vergessen worden. Je nachdem wo im Haus man sich aufhält, strömen unterschiedliche Düfte in die Nase, mal eine frische Gartenbrise, mal der Dunst einer frisch gebackenen Pizza und mal verführerisches Kürbiskuchen-Aroma. Vielleicht ist ja das das nächste große Ding: Duft-Design fürs Eigenheim.

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