Hintergrund Ein boomendes Geschäft
Auktionen im Internet sind ein umstrittenes, aber lukratives Geschäft. Die Hoffnung auf billige Schnäppchen treibt täglich hunderttausende Internet-Nutzer zu den scheinbar verlockenden Angeboten. Ein Drittel der über zehn Millionen Internet-Nutzer in Deutschland besucht inzwischen regelmäßig oder gelegentlich Online-Auktionen.
Das Konzept der Auktionshäuser ist einfach - wenn auch nicht immer kundenfreundlich. Nachdem der Interessent ein elektronisches Anmeldeformular ausgefüllt hat, bekommt er ein Passwort und kann vom heimischen Computer per Knopfdruck Angebote abgeben und Waren kaufen. Wie bezahlt wird, machen Käufer und Verkäufer in der Regel unter sich aus. Die Zustellung erfolgt mit privaten Lieferdiensten oder der Deutschen Post.
Immer neue, spektakuläre Angebote sorgen für ständig wachsenden Zulauf in der Branche. Autos, Traumreisen und wertvolle Möbel werden teilweise mit einem Startgebot von einer Mark versteigert. Ist die Nachfrage eher gering oder der Anfangspreis zu hoch gewählt, kommt oft kein einziges Gebot zu Stande.
Für Wirbel um Online-Auktionen sorgen häufig unseriöse Angebote oder strittige Rechtsfragen. So sollen Privatleute bei manchen Online-Versteigerungen auch schon atomare Sprengköpfe, menschliche Eizellen oder Nazi-Andenken zum Kauf angeboten haben.
Oftmals kommt es auch vor, dass nicht ernst gemeinte Gebote unter falschem Namen und mit einer gefälschten Anmeldung abgegeben werden. Erst Anfang Januar wurden für die Domain Year2000.com in den USA zehn Millionen Dollar geboten. Wenig später stellte sich heraus, dass das Höchtgebot lediglich ein schlechter Scherz war.
Der Deutsche Anwaltsverein (DAV) in Bonn warnt vor rechtlichen Problemen und möglichen Verlusten bei Auktionen im Internet. Käufer und Verkäufer würden die Identität ihres Gegenübers nicht kennen und hätten deshalb keinerlei Rechtssicherheit, ihre Ware oder ihr Geld auch wirklich zu bekommen. Der Prozess vor dem Münsteraner Landgericht macht dies wieder einmal deutlich.
Trotz der ungeklärten Rechtslage boomen die Versteigerungen im Internet. Branchenprimus ricardo.de alleine hat nach eigenen Angaben über 400.000 registrierte Mitglieder und täglich 200.000 Besucher auf seiner Site. Jeden Monat werden bei dem Hamburger Auktionshaus Waren im Wert von 15 Millionen Mark verkauf. Neben ricardo.de, ebay.de und primus-auktion.de bieten schätzungsweise 100 bis 200 Auktionshäuser in Deutschland ihre Waren übers Internet an.