Hoaxes "Sulfi" ist ein Witz
Die Nachricht klingt, wie alle Hoax-Mails, ernst: "Keine Nur-So-Warnung, ich hatte das Virus selbst." Und: "Es verteilt sich über das E-Mail-Adressbuch". Eine neue Episode im alten Spiel: Ernst kann es nur dann werden, wenn man die Datei tatsächlich entfernt, die angeblich die ganze Festplatte löschen soll.
"Sulfnbk.exe" ist eine Systemdatei, die natürlich jeder Windows-User auf der Platte hat. Sie kann einem ein bisschen Leid tun, diese Datei. Erst wird sie von Microsoft mit einem hässlichen Icon versehen und dann auch noch durch die Hoax-Maschinerie gequält. Schließlich hat sie in dem ganzen Windows-System kaum Arbeit. Bei so viel Tristesse, die das Leben der "Sulfnbk.exe" begleitet, hat sie eigentlich einen mitleidsvollen Namen verdient - nennen wir sie also "Sulfi".
Ignorieren oder reparieren?
Da "Sulfi" so gut wie arbeitslos ist, werden es die meisten User kaum merken, wenn sie sie löschen, denn das kleine Ding tritt nur in Aktion, wenn Windows deinstalliert wird. Auch wenn man das System am liebsten manchmal ins digitale Jenseits jagen würde - deinstallieren tun es die wenigsten. Wer zu spät merkt, dass er nur auf einen dummen Gag reingefallen ist, braucht nicht zu verzweifeln. Reparieren ist effektiver: Die TU Berlin sammelt regelmäßig die neuesten Nachrichten über Hoaxes und veröffentlicht die zugehörigen Reparaturanleitungen.
Dort findet sich eine Liste der alten, neuen, seltenen und häufigen Hoaxes. Von "An Internet Flower for you" über "Microsoft/AOL E-Mail Beta Test" bis hin zu "Vorsicht, ihr PC ist infiziert!" werden die elektronischen Scherze entlarvt. Nicht immer sind die Dinger aber so harmlos wie die arme "Sulfi". Legenden, Schneeballmails oder solche, die dazu auffordern, richtig wichtige Dateien zu löschen, sind weitaus gefährlicher. Wenn sie keinen Schaden auf dem Rechner anrichten, so verstopfen sie durch ihre massenhafte Verbreitung zumindest das Internet. Der Phantasie von Scherzbolden oder gefährlicheren Zeitgenossen sind kaum Grenzen gesetzt.
Die TU-Seite ist direkt mit Reparaturanleitungen verlinkt, so dass man den Schaden wieder beheben kann, bevor er richtig aufgetreten ist. Wer nicht reparieren will, sondern Hoax-Mails sofort und siegesgewiss in die Trash-Tonne weiterleiten möchte, recherchiert natürlich noch vor dem ersten Schweißausbruch.
Wenn eine elektronische Übeltat in die Postbox flattert, muss das Motto also heißen: "Erst suchen, dann löschen."
Urs Zietan