Hubert Lange Mr. Cebit macht Schluss
Nächstes Jahr ist Schluss. Dann gibt Hubert Lange seinen Posten an der Spitze der größten Messe der Welt aus Altersgründen ab. Doch bis dahin ist noch einmal Hochdruck und "Anspannung von morgens bis abends" angesagt. Zehn Stunden pro Tag arbeitet Lange, im Vorstand der Deutschen Messe AG für die Cebit verantwortlich, momentan für die Vorbereitung der Messe. "Während der Cebit sind die Nächte noch kürzer. Da arbeite ich schnell mal 13 oder 14 Stunden am Tag", sagt er und klingt dabei eigentlich ziemlich gelassen.
Kein Wunder, denn "Mr. Cebit", kennt zwar seine E-Mail-Adresse nicht unbedingt aus dem Kopf, aber eines hat er ganz gewiss, und zwar Routine. Seit 1970, dem Geburtsjahr der Cebit, arbeitet Hubert Lange für die Deutsche Messe AG. Chef der mittlerweile weltgrößten Computerschau ist er seit ihrem Start. Und doch, trotz aller Erfahrung, spätestens zehn Tage vor der Messe befalle ihn "eine Art Fieber", sagt der studierte Wirtschaftswissenschaftler. Dann gingen ihm in schlafarmen Nächten auch schon mal Gedanken wie "Mein Gott, was ist das für eine Verantwortung" durch den Kopf. Und auch seine Familie, Frau und Söhne, hätten sich bereits an den Stress vor der Cebit gewöhnt, sagt der Messechef, der normalerweise beim Schwimmen oder Tischtennisspielen Entspannung sucht. "Nur im Moment ist für Entspannung überhaupt keine Zeit."
Turbulenzen durch die Dot.com-Krise
Denn obwohl in der Hannoveraner Messezentrale bereits über den Plänen für die Cebit 2002 gebrütet wird, ist vor dem Start der diesjährigen Ausstellung noch eine Menge zu tun. Die Dot.com-Krise beschert den Cebit-Machern einige Turbulenzen im Ausstellungsplan. "Es mussten im Vorfeld der Messe mehr Umplanungen vorgenommen werden als in den anderen Jahren. Wenn wir eine Halle fertig geplant hatten, dann kamen schon mal zehn oder zwanzig Absagen, und wir mussten wieder neu anfangen." Auf diese Weise kämen nun aber auch viele Unternehmen auf die Messe, die ansonsten wegen Überfüllung auf der Warteliste geblieben wären.
Auch die Verkehrsregelung sei im Moment einer der Schwerpunkte in der Ausstellungsvorbereitung, sagt Lange - und lobt die Expo-Hinterlassenschaften wie den neuen Messebahnhof, die ihm die Arbeit dabei sehr erleichterten. Doch neuer Bahnhof hin oder her - der Messechef selbst fährt nicht mit der S-Bahn zur Arbeit.
"Optimismus, Aufbruchstimmung und Selbstbewusstsein", so hatte der Superlativ-verwöhnte Hubert Lange die Cebit 2000 bilanziert. In diesem Jahr sei aber trotz neuer Rekordzahlen bei Ausstellern und Fläche "etwas mehr Nüchternheit" im Markt eingekehrt, sagt er nun. Dass die Grundstimmung trotzdem "gut" ist, daran glaubt der Cebit-Chef: "Langfristig ist das Marktwachstum da."
Ziel: China und Australien
Am 31. Dezember wird der 1938 geborene Lange altershalber den - wie er sagt - "Staffelstab" an seinen Kollegen Ernst Raue abgeben, der ab dem nächsten Jahr die dann wieder achttägigen Cebit leiten soll. Der jetzige Messechef könnte zu diesem Zeitpunkt gerade im Urlaub sein. Denn im Ruhestand will Hubert Lange, der ursprünglich Studienrat werden wollte, vor allem eins: reisen. "Ich will alle die Länder ausgiebig besuchen, von denen ich bisher nur die Flughäfen und Hotels gesehen habe. China und Australien zum Beispiel."