IBM: Big Blue - Agentur für Webdesign? - DER SPIEGEL
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IBM Big Blue - Agentur für Webdesign?

Wer auf der Cebit nichts zu präsentieren hat, veranstaltet normalerweise zumindest eine gute Show. Nicht so IBM. Eher beiläufig kündigte der ehemalige Computerriese den Einstieg ins Geschäft mit dem Webdesign an.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Erwin Staudt ist kein Mann, der die Massen begeistern kann. Eher ein bodenständiger Manager, ein Schwabe durch und durch. Die Cebit-Pressekonferenzen des Vorsitzenden der Geschäftsführung von IBM Deutschland haben immer ein wenig vom Charme einer mittelprächtigen BWL-Vorlesung.

Besser wird es nur, wenn IBM etwas zu präsentieren hat. Doch solche Zeiten sind vorbei. Vom Computerhersteller zum selbst ernannten E-Business-Vorreiter gewandelt, hat Big Blue keine handfesten Produkte, die vorgestellt werden können.

Und so erzählt Staudt vor versammelter Presse lieber vom Eröffnungsabend der Cebit, von interessanten Gesprächen mit "den Telekom-Leuten" oder vom Standrundgang mit Bundeskanzler Gerhard Schröder. "Haben Sie jemals zuvor so viel Aufbruchsstimmung, so viel Future, so viel Hoffnung auf einem Fleck gesehen?", fragt der Leonberger mit Blick auf die Cebit-Eröffnung.

"Das Internet explodiert", sagt Staudt. "Das ist keine Evolution, sondern eine Revolution." Eine These, die der IBM-Manager mit langen Zahlenreihen zu untermauern versucht. Und dann doch noch eine Überraschung: "Wir möchten in diesem Geschäft der One-Stop-Shop sein."

Was Staudt da - in einer Mischung aus Schwäbisch und Englisch - gelassen ausspricht, präzisiert IBM-Geschäftsführer Ernst Koller sogleich. Noch in diesem Sommer will der Konzern in Hamburg ein "E-Business-Innovation-Center" starten. Zunächst 150 Designer, Autoren und Programmierer sollen dort die Web-Auftritte der Zukunft entwickeln.

"Wir suchen ungewöhnliche Menschen", sagt Koller. "Technikverliebt, konzentriert und querdenkend, profiliert und passioniert." Versprochen wird in der Hamburger Speicherstadt eine Umgebung mit Freiräumen für Experimente und Innovationen.

IBM wäre nicht IBM, wenn der Konzern derartige Experimente nicht konsequent durchplanen würde. Und so habe sich eine "Findungskommission" erst nach einem, so Staudt, "langen intensiven Prozess" auf die Hansestadt als Standort einigen können. "Hamburg ist nun einmal die Stadt der Kreativität und der neuen Medien."

"Klein und kreativ" soll der neue Ableger bleiben. Zumindest für IBM-Verhältnisse. Bei 250 Mitarbeitern ist Schluss, dann würden neue Center in München oder Berlin gegründet. Das klingt so, als ob die Expansion bereits geplant wäre.

Ob IBM mit seinem Vorstoß Multimedia-Agenturen wie Pixelpark Konkurrenz machen wolle? Koller weicht aus: "Es ist so ein toller Markt, der sich da entwickelt, da lassen sich sicher auch tolle Partner finden."

Alexander Stirn