IFA-Novitäten: Alles, nur kein HDTV - DER SPIEGEL
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IFA-Novitäten Alles, nur kein HDTV

Die IFA 2005 könnte man ohne Probleme in "HDTV-Messe" umbenennen. Während wir noch überlegen, ob wir zur Fußball-WM 2006 wirklich jeden Schweißtropfen von Oliver Kahn im Detail sehen möchten, schauen wir uns an, was es sonst noch gibt. Und das ist eine Menge.
Von Gregor Wildermann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer sich als Hobbycineast für die neuen großformatigen LCD- und Plasma-Bildschirme nicht vollends verschulden will, kann wenigstens mit der neuen Generation von Videobeamern ein echtes Kinoerlebnis nach Hause bringen.

Dabei mag es überraschen, dass es so lange gedauert hat, bis eine Firma auf die Idee kam, für den Beamer auch gleich einen neuen Stell-, respektive Hängeplatz zu finden. Die Firma LG (Halle 11.2) zeigt den ersten an der Wand montierbaren Beamer AN110, der gerade mal neun Zentimeter Tiefe aufweist. Das unscheinbare Gerät im schlichten Design bedient sich der DLP-Technik (Digital Light Processing) und ist auch auf die Ausgabe von HD-Signalen mit 1280 x 768 Bildpunkten ausgelegt.

Wer einen besonders kompakten Beamer sucht, sollte sich bei Firmen wie Mitsubishi und Toshiba die neuen LED-Projektoren anschauen. Als Lichtquelle werden von den Herstellern kleine LED's verwendet und so wiegt das handgroße PT-10-Modell von Mitsubishi gerade mal 450 Gramm, bewegt sich allerdings im stolzen Preisfeld von rund 1000 Euro. Als Stromquelle reicht dem Winzling dafür auch eine Batterieladung, mit der zwei Stunden Laufzeit garantiert sind.

Top-Sound fürs "Wohn-Klo"

Gerade in Ballungsräumen mit extrem hohen Mietpreisen dürfte es zum Regelfall geworden sein, dass die Wohnzimmergröße erst einmal wieder an frühe Kinderzimmertage erinnert (im Studentenjargon heißt so etwas "Wohn-Klo").

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Jenseits von HDTV: Auch das gab's auf der IFA

Für Bewohner dieser neuen Wohnungsbescheidenheit zeigt die Firma Yamaha (Halle 17) die Gnade einer neuen Erfindung: Ihre digitalen Sound-Projektoren YSP-1000 vereinen in einem schmalen Quergehäuse 40 kleine und zwei mittelgroße Boxen. Damit lässt sich ohne aufwendige Satellitenboxen und eigener Subwoofer-Box echter 5.1-Heimkinoklang mit einem einzigen Gerät erzeugen. Die Richtstrahltechnik der unterschiedlich ausgerichteten Boxen nutzt dabei gezielt die Reflexionseigenschaften der Zimmerwände. So kann selbst in der kleinsten Stube der Helikopter aus dem Film von links nach rechts über das Sofa donnern.

Völlig gegenteilige Sorgen nimmt ab Dezember für rund 800 Euro das "Wireless Music Center WACS700" aus der Streamium-Reihe von Philips (Halle 22). Diese Musikanlage speichert auf ihrer 80 Gigabyte-Festplatte rund 1500 CDs und kann die Musik dann kabellos und über mehrere Kanäle an fünf weitere Satelliten-Stationen übertragen. Klassische Klänge im zweiten Schlafzimmer oder Techno im Badezimmer können so über eine Anlage gesteuert werden.

DVB-T: Kommt langsam, aber gewaltig

Die schnurlose Medienversorgung hat sich auf alle möglichen Endgeräte ausgeweitet. Für gerade mal 80 Euro verwandelt der "Quickstick" von der Firma Yakumo (Halle 1.2) jedes Notebook in einen DVB-T-Fernseher. Für rund 500 Euro zeigt die Firma Xoro (Halle 3.2) ein DVB-T Kombigerät, das LCD-Fernseher und DVD-Player vereint. Mit dem 25 cm großen 16:9-Bildschirm könnte man an diesen letzten Sommertagen den Balkon in ein Open-Air-Kino oder Wahlstudio verwandeln.

Während UMTS-Handys immer noch ein Schattendasein führen, könnte wie auch bei den HD-Fernsehern die Fußball-WM ein passender Köder für mobile Inhalte sein. Auf dem Stand "Projekt Zukunft" (Halle 4.2a) von der Senatsverwaltung Berlin für Wirtschaft, Arbeit und Frauen wird demonstriert, wie Handy-Fernsehen nach dem europäischen Standard DVB-H (Digital Video Broadcasting: Handhelds) aussehen könnte.

Zur IFA hat das Land Berlin zwei Sendefrequenzen bereitgestellt und bis Ende 2006 ist geplant, 22 TV- und 20 Radiostationen sowie sieben Mediendienste zu Demonstrationszwecken auszustrahlen. Erste Geräte für Fernsehen auf dem Handy zeigen auf der Messe die Firmen Samsung und Nokia. Noch nicht geklärt ist allerdings, welcher Standard für die Übertragung sich wirklich durchsetzt. Neben DVB-H existiert noch DMB (Digital Media Broadcasting) sowie ein Nachfolgestandarf namens DXB (Digital Extended Multimedia Broadcasting).

Quizfrage: Welche Technik wird floppen?

Bis zum Beginn der IFA gab es auch im Format-Streit der zukünftigen Speichermedien zwischen den zwei großen Firmenallianzen leider immer noch keine Klärung. Toshiba, NEC, Sanyo und Onkyo sind die Verfechter der HD-DVD, auf der jeweils 15, 30 oder auf drei Schichten 45 Gigabyte Platz finden. Philips, Sony, Pioneer, Samsung und Sharp wollen jedoch das BluRay-Format mit je 25 und 50 Gigabyte Speicherkapazität durchsetzen. Wer jetzt schon einen Blick auf die Bildqualität werfen will, die vielleicht gerade nicht das Rennen macht, kann sich Prototypen der jeweiligen Gerätemodelle bei allen Herstellern auf den jeweiligen Messeständen anschauen.

Ihr Kissen ist noch nicht beleuchtet und schickt Ihnen keine Nachrichten? Das kann Philips schnell ändern: Mehr nützliche, schicke und seltsame Novitäten im zweiten Teil. Weiter...

Das einstige Lieblingsthema der Elektronikindustrie, der mobile MP3-Player, hat sich längst seinen festen Platz im Angebot aller großen Hersteller gesichert. Während Apple auf der Messe keinen eigenen Stand hat, ist jedoch der Einfluss ihrer iPod-Modelle deutlich zu spüren. Oder ist es reiner Zufall, dass Samsungs (Halle 20) YP-U1-Modell im Kaugummipackungsformat des iPod-Shuffle daherkommt?

Eine wirklich praktische Designlösung gelang Samsung im eigenen Haus allerdings mit dem YP-F1, der einen Metallclip fest in das ovale Gehäusedesign integriert hat. Der gerade mal 32 Gramm leichte MP3-Player mit maximal 1 Gigabyte Speicherkapazität ist deswegen gerade für den Sport ein praktischer Musikbegleiter, ohne das zusätzliche Halterungen angeschafft werden müssen.

Apple: Indirekt irgendwie doch da

Auf den ersten Blick wirkt auch as U-10 Modell von iRiver (Halle 1.1) wie eine Anlehnung an die Designästhetik des iPod. Das kleine Gerät in der Größe einer Streichholzschachtel geht aber in der Bedienung und im Leistungsumfang neue Wege. Über das "Direct Klick"-Konzept erfolgt die Musikauswahl über das Farbdisplay, auf dem auch Bilder und Videos angezeigt werden können. Zu dem kleinen Taschenkino gesellt sich auch noch ein Radiotuner inklusive Aufnahme und Weckfunktion. Die kompakte Größe diktiert bisher noch die Speicherkapazität, jedoch füllt das 2 Gigabyte-Modell eine Marktlücke, mit der selbst ambitionierte Musikfreunde auskommen sollten.

Zur Integration des iPod ins Auto zeigt die amerikanische Firma Harman Kardon (Halle 12) ein neues Bedienkonzept namens "Drive + Play", dass ab November erhältlich sein soll. Zur Sicherheit des Fahrers setzten die Designer auf vertraute Handgriffe und so erinnert die Steuerung an einen kleinen Schaltknüppel. Ein LCD-Display zur Montage auf dem Armaturenbrett stellt sicher, dass während der Bedienung der Blick nicht von der Straße gerichtet wird. Wer sein Handy vorzugsweise als Träger der eigenen Lieblingsmusik betrachtet, könnte die Lösung von Samsung interessant finden. Mit dem Handymodell SGH-D 600 ist es möglich, per Bluetooth Musikdateien kabellos auf ein entsprechendes Autoradio zu übertragen.

(Alb-)Traumhaft: Kommunizierende Kissen

Einen Blick auf die Zukunft mobiler Endgeräte und neuer Mittel zur Kommunikation gewährt Philips in einer Sonderabteilung des Messestandes. Ausgestellt ist zum Beispiel ein Kissen, das Nachrichten und Symbole anzeigen kann, dabei jedoch wie ein normales Kissen belastbar ist. Abseits solcher spezieller Designkonzepte ist auch ein Handheldprototyp der Firma Polymer-Vision zu sehen, der ein rollbares Display aus elektronischem Papier enthält.

Grundlage dieser flachen Revolution ist eine spezielle Folie aus Massachusetts. In diesem elektronischen Papier der Firma "E-Ink" liegt eine Schicht aus extrem kleinen Kapseln, in denen schwarze und weiße Pigmente durch unterschiedliche Aufladung einen hellen oder dunklen Punkt erzeugen und damit Schrift darstellen. Neben ihrer geringen Dichte verbrauchen diese Displays extrem wenig Strom und könnten so Grundlage für völlig neue Handykonzepte sein.