IFA-Rundgang: Hautunreinheit in HDTV - DER SPIEGEL
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IFA-Rundgang Hautunreinheit in HDTV

Noch bis zum 7. September bietet die IFA in Berlin den Überblick über alles, was in Sachen Unterhaltungselektronik heute machbar ist oder bald sein wird. Die Firmen greifen ganz tief in die Trickkiste, um ihre potentiellen Kunden zu beeindrucken.
Von Helmut Merschmann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Hauch von gesottenem Asia-Gemüse weht durch Halle 5.1. Hier und in den angrenzenden Messehallen sind die vielen kleinen, asiatischen Stände untergebracht. An ihnen ist jeder Besucher einmal vorbeigelaufen, ohne sie vermutlich wirklich wahrgenommen zu haben. Es sei denn, man interessiert sich für Zeitschaltuhren, Platinen, Laptop-Taschen oder tausend Meter Kupferkabel.

So weit man blicken kann liegen in schlichten Glasvitrinen und auf Resopalregalen Lautsprecher-Sets für iPods, elektronische Spieltische und weiterer technischer Schickschnack aus. Dies ist nicht das Reich der Innovationselektronik, sondern die Welt der Plagiate und des namenlosen Zubehörs. Von Herstellern wie Shenzhen Oriental Digital Technology, foryou Group oder China Electronics hat niemand je gehört.

Doch Asien ist eindeutig im kommen. Der Eindruck drängt sich dem IFA-Besucher an jeder Ecke auf. Schon personell ist der ferne Osten in Form einer offenkundig stark angestiegenen Zahl von Händlern und Fachbesuchern gut vertreten. Technologisch hat der vierte Kontinent ja seit langem die Nase vorn. Wo Asien nicht drauf steht, steckt es garantiert drin.

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IFA: Die bunte Welt des Fernsehens

Foto: AP

In Europa wird man sich daher schnell an neue Markennamen gewöhnen müssen, die bei Spitzentechnologie wie HDTV den Markt dominieren. Shov, DM Tech, Vestel, Kobra und dergleichen steht auf großformatigen Plasma- und LCD-Displays in Halle 26 zu lesen. Hier dreht sich alles um das neue hoch auflösende Fernsehen, das diesjährige Messethema schlechthin.

Gut lässt sich hier auch die Macht der Marken studieren. Weder Design noch innewohnende Technik rechtfertigen die Skepsis, die einen angesichts der vielen neuen Hersteller befällt, mit denen man nichts verbinden kann. Woran soll man sich als Konsument beim Kauf von Consumer Electronics bloß orientieren?

An den Werbeslogans beispielsweise. Die wollen einen ansprechen und berühren. "Imagine" heißt es bei Samsung kurz und viel sagend. "Wish and share" vom holländischen Label Vestel lässt ebenso vieles offen. Philips verspricht "sense and simplicity", und Sony diktiert einfach "like.no.other".

Traditionell legen Markenhersteller einen besonders starken Messeauftritt in Berlin hin.

Samsung hat gleich eine ganze Halle angemietet, um seinen Anspruch auf das höhere Preissegment zu untermauern. Flauschig beiger Teppichboden in Schlingwarenqualität und sechs komplett eingerichtete Wohnzimmer mit Sofas, Couchtischen, Blumenvasen und Schrankwänden erinnern an das eigene Zuhause und daran, was dort alles - imagine! noch fehlt. Unterhaltungselektronik bekommt so einen sehr anschaulichen Charakter. Wie allerdings der "weltgrößte LCD-Display" mit einer Bildschirmdiagonale von 102 Zoll (etwa 2,60 Meter) in das Wohnzimmer einer einfachen Mietwohnung passt, bleibt Samsung dem Besucher zu erklären schuldig.

HDTV-Demonstrationen: Alles aus der Dose

Ansprechendes Design ist die eine Seite, geschickte Beleuchtung die andere. Sony lässt den Besucher durch ein Meer schwarz wehender Vorhänge irren, bevor er in die erhabene Düsternis einzelner Kammern gelangt, wo nichts mehr von den ausgestellten Fernsehgeräten, DVD-Rekordern und Kameras ablenkt als das hell illuminierte Markenlabel. Ist es auf der IFA mit ihren vielen, auf mehreren Ebenen verschachtelten Messehallen ohnehin unmöglich, sich zu orientieren, wird in diesem Labyrinth die Konfusion perfekt.

Ein wenig Trost mögen die bunten Fernsehbilder in hoch auflösender Qualität spenden, die wie in Wahlwerbespots von konservativen Parteien viel Natur, klaren, blauen Himmel, possierliche Tierchen, Sonnenaufgänge und fröhliche Menschen zeigen. Manchmal läuft auch ein Science-Fiction-Film, weil die voller Zukunftstechnologie stecken.

Was dagegen kaum zu sehen ist, ist Sport. Das muss umso mehr erstaunen, als die Markteinführung von HDTV und die damit angekündigte "Revolution des Fernsehens" sich doch mit der Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr verbinden. Auf den Bildschirmen der Hersteller jedoch Fehlanzeige! Kein Fußball, kein Schumi, nicht einmal ein Boule-Turnier.

Es scheint, als würden die Hersteller den Vergleich scheuen. HDTV wirkt zwar auf den ersten Blick wesentlich schärfer als das gewöhnliche PAL-Bild, was selbst aus größerer Entfernung noch zu erkennen ist. Bloß Szenen, an denen das "Scharffernsehen" sich wahrhaft bewähren könnte, gibt es kaum zu sehen. Das Ausgangsmaterial auf den Bildschirmen der Messestände stammt zumeist von DVDs.

Der Satellitenbetreiber Astra, über den beispielsweise das HDTV-Angebot vom Pay-TV-Sender Premiere ab Mitte November ausgestrahlt wird, zeigt auf einer für Demozwecke mit HDTV-Signalen befütterten Frequenz immerhin eine Endlosschleife, die über Satellit ausgestrahlt wird und auch frei empfangen werden kann. Dyamische Bilder beispielsweise aus der Sportberichterstattung würden im Hinblick auf die WM 2006 auch die Aussteller gerne zeigen, können das aber nicht, wie ein Sprecher von Astra klarmacht: "Das hat natürlich lizenzrechtliche Gründe."

Auf ihrem "Pressekolloquium Rundfunktechnik" bemängelte die ARD an der HDTV-Technik, dass ein "Motion Blur"-Effekt, ein Verwischen bei schneller Bewegung, deutlich wahrzunehmen sei und will mit DVB-T weiter auf ihre "Qualitätsoffensive digitales Fernsehen" setzen. Ob der Vorwurf zutrifft oder nur Eigen-PR ist, bleibt indes ungeklärt.

Herbert Tillmann, Vorsitzender der Produktions- und Technik-Kommission in der ARD, wies auf eine weitere Spezialität hin: Für ein Interview, das in HD-Qualität aufgenommen wurde, musste er sich eine halbe Stunde lang in die Maske begeben. Zumindest Hautunreinheiten kommen bei HDTV offenbar gut raus.