iMode Am Freitag beginnt die Zukunft
Grenzenlos sind die Möglichkeiten des neuen Systems nicht - aber sie gehen weit über alles hinaus, was bisher geboten wird. Gegenüber den Luftschlössern, die UMTS verheißt, "abgespeckt" multimedial feiert iMode seit rund einem Jahr in Japan Triumphe: Marktanalysten bekommen da glänzende Augen, sehen sie darin doch gern ein Zeichen, dass es tatsächlich einen Markt gibt für die Mobilfunkdienste der so genannten dritten Generation".
Technisch möglich macht das Angebot der niederländische Telekommunikationsdienstleister KPN, der iMode in Deutschland an E-Plus lizenziert. Das System macht vieles von dem möglich, was UMTS irgendwann einmal können soll: Telefonie wird dadurch zum Geschäft mit Inhalten.
Das hatte man einst zwar auch vom Mega-Flop Wap gesagt, doch wäre ein direkter Vergleich zwischen beiden Systemen völlig unfair: Wap war und ist langsam, teuer und inhaltlich dürftig - allzu viel erlaubt das starre Gerüst nicht. Da kommt iMode schon anders daher: farbig und bildreich.
Das macht das Handy längst noch nicht zum Fernseher, bietet aber erheblich mehr als Wap: Bilder sind drin, E-Mails, abgespecktes "Surfen". Texte dürfen - anders als bei Wap - auch schon mal 1000 Zeichen haben, und gespielt wird mit iMode sowieso. Musik ist ebenfalls drin.
E-Plus wird nicht müde, zu betonen, dass das alles sogar noch erschwinglich sein soll: "Billig" ist es trotzdem nicht - was allerdings auch ein absolutes Novum auf dem Mobilmarkt wäre. Doch anders als bei Wap-Diensten wird hier nicht mehr der Einzelaufruf einer Information auf die (dann rasant wachsende) Rechnung geschlagen, sondern das Datenvolumen abgerechnet. iMode ist, anders als UMTS, kein eigener Übertragungsstandard, sondern setzt auf GPRS auf - und das ist "always on".
Fällig werden für die neuen Dienste folglich eine Grundgebühr für die Nutzung (derzeit drei Euro im Monat), Gebühren für das Datenvolumen (0,01 Euro pro Kilobyte) und eventuell verschiedene Zahlungen für kostenpflichtige Inhalte. Eine E-Mail per iMode, rechnet E-Plus vor, kostet 19 Cent: Das entspricht dem Preisniveau für eine SMS - kann aber im Gegensatz dazu seitenlange Liebeserklärungen oder packende Situationsberichte aus dem Bus enthalten.
In Japan zielt iMode auf ein jugendliches Publikum, hier wird dies kaum anders sein. Doch auch einer anspruchsvollen Zielgruppe soll so einiges geboten werden: Da kann man Stadtpläne einsehen, die neuesten Börsennachrichten "saugen" oder sich mit News-Angeboten auf dem Laufenden halten. 60 Inhalte-Anbieter sind vom ersten Tag an dabei - und ja, SPIEGEL ONLINE gehört natürlich dazu.
Vorerst konkurrenzlos erprobt E-Plus all die Theorien über "M-Commerce" und neue Mobildienste in der Praxis. Was dann hinten rauskommt, dürfte auch für die Zukunft des Multi-Milliardenprojektes UMTS und den damit verbundenen Diensten alles andere als unwichtig sein. Ein hohes Maß an Aufmerksamkeit ist iMode also sicher: bei denen, die mitmachen, und auch bei denen, die es nicht tun.
Frank Patalong