In letzter Minute Windows-XP-Update erneut verschoben
Am Donnerstag morgen meldete Reuters noch treulich, die Produktion des Windows-XP-Updates "Service Pack 2" (SP2) habe nun begonnen - ganz so, wie die Mitarbeiter der Nachrichtenagentur das wohl von Microsoft erfahren hatten. Dass jemand in buchstäblich letzter Sekunde die Notbremse zog und die Auslieferung an die CD-Brennwerke erneut verhinderte, hatte man der Agentur dagegen offenbar nicht mitgeteilt.
So kann das gehen, wenn man es mit sensiblen Themen zu tun hat. Und welches Thema in der Welt der IT könnte zurzeit sensibler sein als das fortdauernde Hickhack um SP2? Das tatsächlich heiß erwartete Update zu Windows XP ist überfällig und wurde nun bereits zum zweiten Mal innerhalb von nur vier Wochen verschoben.
Microsoft sagt nicht viel dazu: Es gehe darum, die Qualität des Produktes sicher zu stellen, bevor man es in Umlauf bringe.
Klar, darum sollte es immer gehen - und darum geht es bei SP2 seit Monaten. Als SP2 - ursprünglich einmal für Juni geplant - in seinen ersten "fertigen" Versionen vorlag, machten Gerüchte über Inkompatibilitäten von SP2 mit zahlreichen Programmen die Runde. Microsoft entschied sich, nachzubessern.
Viren wie "Sasser" machten die Öffentlichkeit derweil deutlich darauf aufmerksam, wie nötig ihr Betriebssystem ein paar ganz, ganz große Flicken hatte. Hunderttausende von XP-Rechnern fingen sich den Schädling und gaben den Geist auf.
Im letzten Monat dann schienen die Probleme gelöst, das neuerdings auf "Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit und immer an den Kunden denken" eingeschworene Unternehmen versprach den SP2 für Anfang August.
Nahezu wasserdicht sollen XP-Rechner werden, die in den Genuss des Updates kommen: Das soll die Grundkonfiguration des XP-Systems auf sehr konservative Sicherheitseinstellungen umstellen, diverse nutzlos offene Ports schließen und den User mit einer weit besser funktionierenden Firewall beglücken. Das alles, jubelten da schon einige Kommentatoren, sei schon kein normales Update mehr, sondern ein kleiner Zwischenschritt hin zum nächsten Betriebssystem.
Jetzt also die erneute Verschiebung der Wunderdroge, kommentiert nur mit dem so schön positiv formulierten Satz, Microsoft ginge es um Qualität. Da SP2, so wie es heute in die Produktion gehen sollte, die offenbar nicht hatte, könnte man die Sache auch lakonisch formulieren: Qualitätsprobleme, Microsoft?
Wenn es so wäre, dann zumindest angeblich keine großen: Microsoft in München versichert nach Rücksprache mit der Firmenzentrale in Redmond, dass es sich nur um eine kurzfristige Verschiebung der Veröffentlichung handele. Versprochen worden sei der August, und dabei bleibe es auch vorerst. Schaun 'mer mal, wie man in Bayern so sagt.
Frank Patalong