Innovationen Suchen durch Summen
Die Wissenschaftler der Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie AEMT aus Ilmenau, Bereich Angewandte Elektronik, beschäftigen sich mit einem System zur Melodieerkennung durch "Query by Humming", Suchen durch Summen. Wer ein bestimmtes Lied finden möchte, trällert einige Takte ins Mikrofon und anschließend sucht eine spezielle Suchsoftware - ähnlich einer Internetsuchmaschine - alle denkbaren Treffer aus der eigenen Datenbank.
Der Titel, der der gesummten oder gesungenen Melodie am ähnlichsten ist, steht an erster Position. Die Trefferauflistung enthält Informationen über Titel, Sänger, Komponisten, Liedtext, Aufnahmejahr und -ort. "Um das gesuchte Lied zu finden, werden die durch die gesungene Melodie hervorgerufenen Schallwellen von einem Computer zu einer Notensequenz resynthetisiert. Die gefundenen Tonhöhen und Zeitinformationen werden quasi wieder in Noten zurückübersetzt", erläutert Dr. Frank Klefenz vom AEMT das Prinzip der Melodieerkennung. Ein Einsatz ist beim Musikvertrieb ebenso denkbar wie bei der Suche nach Musik im Internet, für Online-Shops einschließlich einer Anbindung an ein Bestellsystem für die gefundenen Titel.
Zentrales Interesse: Wahrung des Urheberschutzes
Damit aber nicht genug. Beim Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen haben die Wissenschaftler auch noch das so genannte AudioID-System entwickelt. Kern der technischen Neuentwicklung ist der Bestandteil des neuen MPEG-7-Standards, der gerade auch für das einfache Auffinden von Audio- und Videodaten im Internet gedacht ist. "AudioID entnimmt dem Musikstück eine Art Fingerabdruck", erklärt Jürgen Herre, leitender Wissenschaftler für Audio & Multimedia am Erlanger IIS.
Zurzeit befinden sich in der Datenbank der Wissenschaftler rund 100.000 Musiktitel. Neben dem "Fingerabdruck" für die Wiedererkennung von Musiktiteln können in der Datenbank auch Zusatzinformationen zum Interpreten, Komponisten, Titel und zur Aufnahme gespeichert werden. In der Praxis dürfte sich das System daher vor allem für den weitreichenden Schutz musikalischer Urheberrechte bewähren.
Künftig weniger Textdokumente im Web?
Was mit Musik geht, das funktioniert natürlich auch mit Sprachdaten. Beim Fraunhofer-Institut für Medienkommunikation IMK in Sankt Augustin werden dazu wissenschaftliche Methoden entwickelt, um Wortbeiträge, Nachrichten und sogar politische Debatten automatisch zu zerlegen, nach Themen zu ordnen, mit einem Suchindex zu versehen und dann zum Abruf in einer Suchdatenbank zu speichern.
Auch beim IMK arbeiten die Wissenschaftler mit dem neuen MPEG-7-Standard. "Dazu setzen wir vorhandene Spracherkennungssysteme ein", erläutert Joachim Köhler vom IMK. Die neue Technik eignet sich ideal, um Wortbeiträge zu bestimmten Themen bequem aufsuchen zu können. In Zukunft wird das Auffinden von Audio- und Videodaten wohl so leicht werden wie die Textrecherche.