Intel und Microsoft: Das Ende einer Ehe - DER SPIEGEL
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Intel und Microsoft Das Ende einer Ehe

Bill Gates muss erneut einen herben Schlag hinnehmen: Der Prozessorhersteller Intel will die erfolgreiche Allianz mit dem Software-Giganten beenden und zukünftig eigene Geräte auf den Markt bringen. Diese sollen ohne das Betriebssystem "Windows" auskommen. Setzt Gates zum Gegenschlag an?
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San Francisco - Intel will seine einfachen und preiswerten Geräte für den Internetzugang Telefongesellschaften oder Internet-Providern zum vermarkten anbieten. Die so genannten "Web appliances" (Netz-Geräte) sollen mit dem frei erhältlichen Betriebssystem Linux ausgestattet werden. Online gehen sollen die User mit dem Internet-Browser Mozilla Die Software beruht auf dem Navigator des Microsoft-Konkurrenten Netscape. Als Herz werden Prozessoren der Celeron-Serie in den Produkten schlagen.

Intels neue Marktstrategie sieht eine breite Produktpalette vom Web-Telefon bis zum so genannten "Internet-Tablett" vor, einem Display, dass mit einem speziellen Stift bedient wird. "Wir denken an eine ganze Familie von Produkten", sagte Claude Leglise, Vizepräsident und General Manager der Intel-Gruppe für den Heimbereich. Leglise schätzt den Markt für solche Produkte auf mehr als zwei Millionen Stück pro Jahr im Verlauf der nächsten drei Jahre.

Die ersten Produkte sollen bis Mitte des Jahres auf dem Markt sein und den Internetzugang mit erweiterten Telefon-Funktionen wie etwa Voice-Mail, der akustischen E-Mail, verbinden. Vorgesehen sind der herkömmliche Zugang über die analoge Telefonleitung wie auch der superschnelle Zugang mit der neuen Technologie DSL (Digital Subscriber Line). Die in Europa vermarkteten Modelle könnten nach Intel-Angaben auch Leseeinheiten für Geldkarten oder Ausweise besitzen.

Doch ist Intel mit solchen Plänen nicht allein im Markt: Die Computer-Bauer Acer und Compaq planen mit ihrem so genannten "Web companions" eine ähnliche Produktserie, ebenso arbeiten Dell und Gateway an Konzepten einfachster Zugangsgeräte. Auch Microsoft setzt zum Gegenschlag an und will in Intels neuen Gewässern fischen: Bill Gates wird nicht müde, seine Vision vom "Interaktiven Haus", von miteinander verbundenen Geräten aller Art - gesteuert durch einen PC - darzustellen.

Microsoft wendet sich immer mehr von bisherigen Bemühungen ab, wie etwa dem wenig erfolgreichen Betriebssystem Windows CE für Kleinstcomputer. Stattdessen plant Bill Gates Dienstleistungen für einen breiten Kommunikationskanal. So soll etwa die zentrale Internetseite MSN für den Zugang von interaktiven Fernsehgeräten mit Set-Top-Boxen oder Kleinstcomputern aus fit gemacht werden.

Experten sind sich jedoch unsicher, ob Microsoft auch auf diesem Weg erfolgreich sein wird: "Sie tun nicht gut daran, ihr Kerngeschäft zu verlassen", sagte Rob Enderle, Analyst der Giga Information Group. "Aber sie haben keine andere Wahl, als etwas anderes zu versuchen."

Die Pläne der Computer-Firmen bestätigen die Prophezeiungen, dass der Boom des Internet das Ende der PC-Ära mit ihren aufgeblähten Computern einläutet. Denn die Bedürfnisse der Netzsurfer können nach verbreiteter Meinung auch mit geringer ausgestatteten Maschinen befriedigt werden. Michael Slater, Redakteur der Fachzeitschrift "MicroProcessor Report", bezeichnete das Projekt so auch als Teil des "grundlegenden Wandels" in der Computerwelt. "Vor kurzem noch hat Intel den PC als das Zentrum von allem hingestellt. Jetzt haben sie wohl erkannt, dass der PC nicht so einfach und zuverlässig ist, wie Geräte für Verbraucher sein sollten."