Interaktives Fernsehen: Friede den Boxen - DER SPIEGEL
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Interaktives Fernsehen Friede den Boxen

D-Box, Fun-Box oder Zapping-Box - bei Fans des interaktiven TVs stapelten sich die Empfangsgeräte auf dem Fernseher. Mit der Multimedia Home Platform wird auf der Ifa nun ein einheitlicher Standard für alle Zusatzfunktionen des Digital-TVs präsentiert.
Von Ingo Butters
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gegeneinander geht es nicht. Das haben die Anbieter von digitalem Fernsehen mittlerweile erkannt. Ende der neunziger Jahre herrschte noch ein regelrechter Krieg der Boxen. Die KirchGruppe schickte ihre d-Box ins Rennen. Die Kunden konnten neben dem digitalen DF1 (mittlerweile in Premiere World aufgegangen) zwar auch die digitalen Programme von ARD und ZDF empfangen - doch interaktive Zusatzdienste wie die digitalen Programmführer der Öffentlich-Rechtlichen brachte der kleine Kasten nicht auf den Schirm.

Um alle Finessen des digitalen TVs - etwa einen interaktiven "Tatort" der ARD - nutzen zu können, muss zurzeit noch erst ein zweites Gerät angeschafft werden. Dem digitalen Fernsehen verhilft dieses Durcheinander kaum zum Durchbruch.

Einer für alle

Mit der Multimedia Home Platform (MHP) soll jetzt alles anders werden. Der einheitliche Standard soll gewährleisten, dass - egal ob d-, Fun-, oder Zapping-Box - alle Zusatzdienste empfangen werden können. Die Hersteller der Empfangsgeräte arbeiten mit dem Hochdruck daran, den neuen Standard massentauglich zu machen. Fast alle präsentieren zumindest einen Prototypen auf der Ifa.

Doch vor nächstem Jahr, meint Dirk Barz, Sprecher des Softwareunternehmens BetaResearch, wird der Standard wohl kaum den Weg in die Läden finden. Bisher gibt es nämlich noch keine Einrichtung, die MHP zertifiziert. "Niemand kann beweisen, dass er wirklich mit dem MHP-Standard arbeitet", gibt Barz zu bedenken. Deshalb weigerte sich das Digital Video Broadcasting (DVB), ein Konsortium, dass die Spielregeln fürs digitale Fernsehen in Europa festlegt, den Herstellern auf der Ifa das MHP-Logo zur Verfügung zu stellen.

Auf den Spuren von SMS

Doch spätestens 2002 soll der Kunde nicht mehr lange überlegen müssen, welches Gerät zu welchem Sender passt. Dann soll es endlich heiß hergehen auf dem digitalen Fernsehmarkt: Bei Quizshows muss man nicht mehr tatenlos zusehen, wie der Kandidat eine vermeintlich einfache Frage versiebt. Mit der Fernbedienung kann sich der Zuschauer dann mitten zu Jauch ins Studio zappen. Oder einen der zahlreichen Shopping-Sender nutzen, ohne dafür die Fernsehcouch zu verlassen.

Sogar die E-Mails sollen die Nutzer des Digital-TVs rasch zwischen Nachrichten und Wetter abrufen können. "Ich glaube, das wird ähnlich einschlagen wie die SMS-Funktion der Handys", prophezeit Roland Stehle, Sprecher für das MHP-Projekt in Deutschland. "Damals konnte sich auch noch niemand vorstellen, dass es so erfolgreich wird."

Das ZDF jedenfalls will in Sachen MHP auf jeden Fall mit in der ersten Reihe sitzen. Die Mainzer präsentieren auf ihrem Ifa-Stand rund um die Uhr, was beim Digital-TV alles einmal möglich sein wird. Unter anderem können die Messebesucher bei der interaktiven Ausgabe der Kindershow "1,2 oder 3" mitspielen.