"Interaktives Wartehäuschen" Hoffentlich kommt der Bus jetzt nicht...
Berlin - Das Ganze klingt wie ein Konzept, Berlins Jugend von der Straße zu holen: Das nach Herstellerangaben weltweit erste "interaktive Wartehäuschen" steht seit Dienstag an einer Bushaltestelle am Potsdamer Platz in Berlin. Es bietet unter anderem ein kostenloses Internet-Terminal mit Telefon.
Der Strom wird von auf dem Dach montierten Solarzellen eingespeist. Insgesamt 500 solcher Wartehäuschen sollen nach den Plänen der Wall AG in den kommenden zwölf Monaten in der Berliner Innenstadt aufgestellt werden. Ein Plan, der Berlins surfwütige Kids aus den Cybercafés vertreiben sollte: Billiger als umsonst geht nicht.
"Jetzt muss nur noch der Senat zustimmen", sagte der Vorstandschef der Wall AG, Hans Wall. Die Kosten von insgesamt rund 20 Millionen Mark trage die Firma. Im Gegenzug dafür vermarkte sie die Werbeflächen an den Häuschen.
Wall beeilte sich, darauf hinzuweisen, dass allein durch die Umstellung aller Wartehäuschen auf Solarstrom im Jahr bis zu einer Million Mark eingespart werden könne. Von wie viel sagte er nicht - denn die Betriebskosten für Wartung, Reparatur, Aufsicht und nicht zuletzt kostenlose Telefonate und Internetverbindungen dürften merklich höher liegen als bei herkömmlichen Wartehäuschen.
Die interaktive Wartehalle wurde von Wall in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin innerhalb von zwei Jahren entwickelt. An dem Internet-Terminal können die Wartenden nicht nur im Web surfen, sondern auch spezielle Touristeninformationen über die Stadt abrufen.
Ebenso wie die Telefongespräche im Ortsnetz ist dieser Service kostenlos. Nur für Ferngespräche soll in Zukunft eine Gebühr erhoben werden, die über eine Geldkarte bezahlt werden kann. Darüber hinaus bietet das interaktive Wartehäuschen ein Display, das die Dauer der Wartezeit anzeigt - oder vielmehr, wie viele Busse man surfend verpasst hat?
An zentralen Standorten will Wall zudem Elektro-Roller für die Weiterfahrt anbieten. Die Gefährte haben eine Reichweite von rund 60 Kilometern und sollen an den Wartehäuschen aufgeladen werden können. Geplant seien vorerst 100 Roller an zehn Wartehäuschen, sagte der Sprecher der Firma, Dierk Zeigert. Wiedersehen macht Freude.