Internettechnik: Schöner Surfen mit dem Licht-Schalter - DER SPIEGEL
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Internettechnik Schöner Surfen mit dem Licht-Schalter

Bereits seit einiger Zeit wurden sie angekündigt und gefeiert: Optische Schalter, die an den Knotenpunkten des Internets für mehr Geschwindigkeit sorgen sollen. In diesem Jahr sollen die mit vielen Vorschusslorbeeren versehenen Bauteile auf den Markt kommen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Santa Clara - Im Datenverkehr über die Glasfaserkabel des Internets sind es vor allem die Schaltstellen der optischen Netze, die den Datenfluss ins Stocken bringen. "Sie fahren von Berlin nach Hannover und weiter nach Dortmund auf der Autobahn", schildert John O'Rourke, beim kalifornischen Hightech- Unternehmen Agilent zuständig für optische Netzwerke, das Problem. "Stellen Sie sich vor, in Hannover sind die Autobahnen nicht direkt verbunden. Stattdessen müssen Sie Ihr Auto von der Ausfahrt bis zur nächsten Einfahrt mühsam durch den dichten Stadtverkehr schleusen."

Die gleiche Situation entsteht an den Knotenpunkten der Datennetze: Die schnellen Lichtsignale, aus denen sich der Liebesbrief im Glasfasernetz zusammensetzt, müssen dort erst wieder in elektronische Signale verwandelt werden und umgekehrt; die Daten kommen - relativ gesehen - nur im Schneckentempo voran. Fieberhaft entwickeln daher weltweit Unternehmen "Lichtschalter", mit deren Hilfe die Geschwindigkeit konstant gehalten werden soll.

Wettrennen um das erste marktfähige Bauteil

Eine dieser Firmen ist Agilent, eine Abspaltung von Hewlett-Packard mit rund 3300 Mitarbeitern allein in Deutschland. Der französische Telekomkonzern Alcatel will den von Agilent entwickelten optischen Schalter - doppelt so groß wie ein Fünf-Pfennig-Stück - nach eigenen Angaben ab Ende des Jahres in optischen Netzen für die Datenübertragung einsetzen. Eine Kapazität von 40 Gigabit pro Sekunde und darüber wird damit zumindest theoretisch möglich - eine Million Mal mehr als bei einem herkömmlichen Modem für den PC zu Hause. Schneller und einfacher heißt auch billiger: Rund 40 Prozent der Kosten können Netzbetreiber auf diese Weise sparen, schätzt Alcatel.

Nicht nur Agilent sieht sich im Wettrennen um die ersten Lichtschalter als Sieger. Die Technologie ist hochkomplex und kommt in unterschiedlichen Varianten auf den Markt. Auch andere Unternehmen beschwören daher vor allem in den USA "Meilensteine" und "Quantensprünge" und buhlen um die Gunst der Telekomfirmen - und der Börse. Die Corvis Corporation mit Sitz im Bundesstaat Maryland hatte bei ihrem Börsengang im Juli 2000 praktisch keine Umsätze vorzuweisen und war allein durch die Ankündigung eines rein optischen Schalters auf einmal mehr wert als der Autoriese General Motors. In den folgenden Monaten entwickelte sich der Kurs allerdings steil nach unten.

"Fragen Sie nicht, genießen Sie einfach."

Agilent verdankt seine Erfindung einem Geistesblitz. Durch Zufall kam die Forscherin Julie Fouquet vor fünf Jahren auf eine an sich simple Idee, die im damaligen Labor von Hewlett-Packard sofort jedem einleuchtete: Sie setzte die kleinen Bläschen, mit denen ein Tintenstrahldrucker die Flüssigkeit auf das Papier spritzt, in ihrem Schalter ein, um damit das Licht in eine bestimmte Richtung abzulenken. Schon hatte das spätere Produkt einen Spitznamen: Champagner. In einem Fernsehspot zeigt Agilent die Bläschen anschaulich als Seifenblasen. Fasziniert verfolgen Passanten die schwebenden "Bubbels". "Wie das funktioniert?", fragt ein Sprecher den Zuschauer. "Fragen Sie nicht, genießen Sie einfach."

Alexander Missal, dpa

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