Interview mit Ken Kutaragi: Der Herr der Playstation - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Interview mit Ken Kutaragi Der Herr der Playstation

Seiner PS 2 räumte Sony nur ein Eckchen des eigenen Messestandes ein - bis die Demonstration nach Konkurrenz-Protesten eingestellt wurde. Geht es nach Playstation-Erfinder Ken Kutaragi, braucht die PS 2 ab 2003 sogar noch mehr Platz - bis dahin soll das Videospiel zur Multimedia-Maschine mutieren.
Von Richard Löwenstein
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hannover, der ganz normale Ausnahmezustand auf der Cebit. Tausende begeisterter Computer-Fans drängen auf das Ausstellungsgelände, zwängen sich an blinkenden Hightech-Messebauten vorbei. Mittendrin ein unauffälliger Japaner, vielleicht 1,70 Meter groß, dunkel gekleidet, freundlich lächelnd: "Die Playstation 2 war von vornherein nicht bloß als Videospiel-System geplant", feuert Ken Kutaragi dem verblüfften Reporter entgegen. Wie bitte?

Das Ken-Kutaragi-Interview: "Xbox und Gamecube interessieren mich nicht"

SPIEGEL ONLINE: Sie gelten als Visionär, der seine Pläne in die Tat umsetzt. Woher nehmen Sie Ihre Ideen? Von der Konkurrenz geklaut, wie so oft unterstellt?

Kutaragi: Nein, ich lasse mich eher von Science-Fiction-Filmen inspirieren. Ich sehe bestimmt an die hundert Streifen im Jahr. Vor allem von jungen, unbekannten Regisseuren, die neue Ideen umsetzen. Früher zum Beispiel wollte ich unbedingt den Computer "Hal" aus Kubricks "2001" bauen.
Dagegen interessieren mich Xbox und Gamecube nicht. Ich bin Erfinder, kein Kopierer. Microsoft und Nintendo arbeiten mit Intel und ATI zusammen. Wir nicht. Worin liegt der Sinn, vorhandene Chips zu verlöten? Ich sehe Sony in der Verantwortung: Wir sind Innovationsführer und erschaffen neue Technologien. Deshalb designen wir unsere eigenen Chips.

SPIEGEL ONLINE: Aber kaum Spiele, die speziell den deutschen Geschmack treffen. Eher Allerweltskost.

Kutaragi: Was Videogames betrifft, scheint mir der deutsche Markt weniger entwickelt als in den USA und Japan. Die Umsetzung eigener Konzepte nur für dieses Land lohnt sich nicht. Spielt hier denn niemand?

SPIEGEL ONLINE: Doch, nur tun das viele auf dem PC.

Kutaragi: Es gibt kaum ein Land, wo der PC als Spielsystem so stark etabliert ist wie bei Ihnen. Was für eine Verschwendung von Ressourcen. Woanders wird der PC benutzt als das, was er ist - ein Arbeitspferd. So gesehen können wir auf dem deutschen Markt noch mehr erreichen mit der Playstation 2 als anderswo. Steht sie erst in genügend Haushalten, kommen die Spiele von selbst.

SPIEGEL ONLINE: Sie scheinen sich momentan auf anderes zu konzentrieren: Im Mai startet der "Playstation BB"-Dienst in Ihrem Heimatland. Erklären Sie doch mal, was das ist!

Kutaragi: Eine Online-Dienstleistung, basierend auf der Playstation 2. Um Zugang zu "Playstation BB" zu erhalten, steckt man einfach ein Online-Kit hinten in die Konsole. Das besteht aus Ethernet-Adapter und einer 40 GB-Festplatte. "Playstation BB" ist ausgelegt auf Breitband-Zugang ins Internet [das BB steht für Breitband], also per DSL oder Glasfaser. Bis Ende 2002 werden in Japan etwa neun Millionen Haushalte über DSL verfügen. Denen müssen wir mehr bieten als nur Games, damit sie zu uns kommen: Musik und Filme. Dafür arbeiten wir unter anderem mit NTT, AOL Time Warner und Real Networks zusammen.

SPIEGEL ONLINE: Was Sie da beschreiben, kann jeder PC.

Kutaragi: Ja, aber PCs sind langsam und kompliziert, die Playstation 2 ist es nicht: Einfach das Kabel vom DSL-Modem einstecken, einschalten und loslegen. "Always-on" nennen wir das, man ist sofort drin im Netz. Zusammen mit unserer Benutzeroberfläche "Broadband Navigator" ist Internet so einfach wie Fernsehgucken. Mit der Fernbedienung hat man alle Funktionen im Griff. Man spielt gegeneinander oder guckt Filme, wenn einem danach ist. Wir bauen das System laufend aus. Die Playstation 2 als Festplatten-Videorekorder, das finde ich zum Beispiel toll. Die Playstation 2 wird erwachsen.

SPIEGEL ONLINE: Verraten Sie uns auch, wann "Playstation BB" Europa erobern soll?

Kutaragi: Europa ist komplizierter als Japan und die USA, wir sind hier noch nicht so weit. Es gibt viele Länder, alle mit eigener Politik, eigenen Normen, eigenen Tarifen. Gerade gestern zum Beispiel kam ich in Paris nicht mit meinem Laptop ins Internet. Der Stecker passte, aber ich konnte mich nicht einwählen. Warum? Keine Ahnung. Solche Probleme müssen wir in den Griff kriegen. Wir müssen mit vielen Unternehmen verhandeln. Doch in jedem Land dominieren andere Unternehmen.

SPIEGEL ONLINE: Nehmen wir mal an, Sie hätten alle Ihre Verträge gemacht: Wie wollen Sie Ihren Dienst dann vermarkten?

Kutaragi: Abonnenten unser "So-Net"-Service erhalten Zugriff auf alle Dienste. Für "Networked AV", also Streaming Audio und Video, werden eventuell weitere Gebühren fällig. Meine europäischen Kollegen arbeiten an den Modellen für Europa. Wir wollen die Kosten über die Telefonrechnung abrechnen. Neben Ferngesprächen und 0180-Nummern steht dann halt noch ein Posten "Playstation Broadband" auf der Rechnung. Das ist einfach und übersichtlich für alle.

Mehr lesen über