Interview mit Mathe-Professor Gerritzen: Das kleine Einmal-Giga-Gaga - DER SPIEGEL
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Interview mit Mathe-Professor Gerritzen Das kleine Einmal-Giga-Gaga

Der Mathematik-Professur Lothar Gerritzen hat mit seinen Forderungen, die deutsche Zahlenbenennung zu reformieren, eine Menge Aufmerksamkeit erregt. Erregen kann er sich auch über die im IT-Bereich üblichen Mega-, Giga-, Peta-Zahlen - denn die bedeuten längst nicht für jeden dasselbe.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr Gerritzen, Rechner und Netze werden immer leistungsfähiger. Die Festplatten zum Beispiel werden immer größer, wodurch Worte wie Gigabyte, Terabyte und Petabyte Einzug in die Alltagssprache halten. Aber mal ehrlich: Wissen Sie, welche Bezeichnung auf die Vorsilbe "Peta" folgt?

Lothar Gerritzen: Keine Ahnung.

SPIEGEL ONLINE: Auf Peta folgt Exa, Zetta, Yotta. Letzteres entspricht einer Quadrillion. Müssen deutsche Schüler in Zukunft das kleine Ein-Mal-Giga pauken, um mitreden zu können?

Gerritzen: Kaum. Diese Vorsilben kommen aus der Ingenieurswissenschaft. Wir Mathematiker sagen statt einer Quadrillion lieber zehn hoch 18. Das wird sich bei den Ingenieuren auch irgendwann durchsetzen.

SPIEGEL ONLINE: Sie würden also die Gigabyte-Festplatte lieber als Zehn-hoch-neun-Platte bezeichnen?

Gerritzen: Irgendetwas in dieser Richtung wäre sinnvoll, und das aus mehreren Gründen. Zum einen steht Giga bei uns meist für "eine Milliarde", was jedoch in englischsprachigen Ländern wiederum als "one billion" übersetzt wird. Aus diesem sprachlichen Durcheinander entstehen unendliche viele Missverständnisse.

SPIEGEL ONLINE: Aber zumindest innerhalb Deutschland scheint sich diese Begrifflichkeit durchgesetzt zu haben bis hinein in die das umgangssprachliche "gigageil".

Gerritzen: Das macht die Sache auch nicht besser. Denn selbst unter Ingenieuren führen die griechischen Vorsilben zu Missverständnissen. Für die einen bedeutet "Mega" einfach eine Million, also zehn hoch sechs. Für viele Informatiker dagegen, die im Binärsystem rechnen, entspricht "Mega" der Zahl 1.048.576, also zwei hoch zwanzig. Diese Ungenauigkeit im Prozentbereich sorgt für erhebliche Verwirrung.

SPIEGEL ONLINE: Und wieso wird trotzdem an diesem Giga-Gaga festgehalten?

Gerritzen: Weil viele Menschen nicht ganz verstehen, wie das Rechnen mit Zehnerpotenzen geht. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Um weitere mathematische Verwirrung zu verhindern, müsste erst einmal der Mathe-Unterricht in dieser Hinsicht besser werden.

Die Fragen stellte Hilmar Schmundt

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