iPod mini und seine Rivalen Form, Funktion, Fetisch
Das Geschäft mit MP3-Playern brummt. Apple gelang es nun schon mehrere Quartale, mit Hilfe des iPods die Firmenbilanz auf bis dato unbekannten Hochglanz zu polieren. Die Firma hat aufgehört, ein reiner Computerhersteller zu sein: Allein der Verkauf der kleinen Musik-Player steuert inzwischen ein Drittel des Gesamtumsatzes bei.
MP3-Player: Die Mittelklasse mit Microdrive
Aber auch Billighersteller verdienen mit den Playern gutes Geld. Der Käufer hat die Qual der Wahl: Entweder ein kleines Flashgerät mit relativ wenig Speicher, ein Festplattenplayer mit 20, 40 und mehr Gigabyte oder aber, als Kompromiss zwischen geringer Größe und viel Speicherplatz, ein Gerät mit Minifestplatte (Microdrive), die 5 oder 6 Gigabyte speichert.
Die Entscheidung für einen Microdrive-Player ist durchaus sinnvoll. Für 200 bis 250 Euro bekommt man ein Gerät im Handyformat, das locker 50 bis 100 Alben speichert. Flashplayer mit einem Gigabyte Speicher kosten mindestens die Hälfte, bieten aber nur ein Fünftel des Platzes.
Der iPod mini mit 4 oder 6 Gigabyte gilt als Referenz unter den Mittelklasse-Playern. Das edle, in vier Farben erhältliche Aluminiumgehäuse ist ein echter Handschmeichler. Mit der iPod-Familie ist es Apple gelungen, die eigene Marke wesentlich breiter aufzustellen, als dies mit den Macs je gelungen ist. Alle Nase lang trifft man Leute mit weißen Stöpseln in den Ohren, die so die Zugehörigkeit zur Kaste der Musikästheten dokumentieren.
Kann man sich angesichts dieser iPod-Präsenz überhaupt mit einem Konkurrenzplayer auf die Piste wagen? Ohne als Langweiler und Ignorant zu gelten? SPIEGEL ONLINE hat den Test mit zwei Geräten von iRiver und Creative gemacht. Der H10 von iRiver und Creatives Zen Micro sind Apples Mini in punkto Ausstattung weit überlegen. Beide verfügen beispielsweise über ein UKW-Radio, ein integriertes Mikrofon und eine Aufnahmefunktion. Der iRiver-Player hat zudem ein Farbdisplay und einen Fotobrowser an Bord - ähnlich wie der iPod Foto.
Aber es ist kein iPod!
Über Design lässt sich endlos streiten. Eingefleischte iPodianer werden den Zen Micro wohl als Kinderspielzeug und den H10 vielleicht als Technokraten-Design abtun. Das Creative-Gerät ist tatsächlich verspielter, vor allem, weil es in so vielen Farben angeboten wird. Das iRiver-Gerät wirkt dagegen technisch-geradlinig, vor allem in der grauen und blauen Variante.
Was den Klang betrifft, nehmen sich die drei Player nicht viel. Selbst wenn man die Kopfhörer der Geräte vertauscht, klingt die Musik praktisch überall gleich gut. Abstriche muss man allerdings bei den Bässen machen: Diese kommen bei den kleinen Ohrstöpseln generell etwas zu kurz. Die Tester des Magazins "AVDC" stellten bei Labormessungen am iPod mini im Bassbereich sogar einen unerwartet starken Abfall fest, den die anderen Player nicht hatten. Beim 20-Gigabyte-iPod war den audiophilen Redakteuren von "Stereoplay" ähnliches aufgefallen. Man sollte dies jedoch nicht überbewerten: Der Durchschnittshörer wird den Unterschied kaum bemerken, vor allem, wenn er der Musik in einer lärmenden U-Bahn lauscht.
Frischfutter für die Ohren
MP3s abspielen können sie alle drei. Zum Rippen von Musik-CDs und Überspielen auf den Player nutzt jeder Hersteller seine eigene Software: iTunes (Apple), Media Source Organizer (Creative) beziehungsweise iRiver plus. Der H10 und der Zen Micro können zudem über den Media Player von Microsoft und den Windows-Explorer mit Musik befüllt werden.
Probleme gab es anfangs mit dem iRiver-Gerät, das die in den MP3s hinterlegten Titelinformationen (ID3-Tags) nicht ordentlich auslesen konnte und so die Songs eines Albums alphabetisch sortierte statt in der richtigen CD-Reihenfolge. Ein Firmware-Update beseitigte den Fehler.
Bei Kaufmusik aus dem Netz spaltet sich das Trio in zwei Lager: Der iPod kann ausschließlich mit Songs aus dem iTunes Music Store gefüttert werden. Diese kommen im AAC-Format auf das Microdrive, eine Weiterentwicklung des MP3-Standards, und sind zusätzlich mit einem Digitalen Rechtemanagement (DRM) von Apple verschlüsselt.
Der Zen Micro und der H10 unterstützt neben MP3s auch Titel im WMA-Format von Microsoft. Kaufmusik (WMA mit DRM) bekommt man in einer Vielzahl von Onlineshops, unter anderem bei Musicload.de (vergleichsweise teuer), AOL, Tiscali, MTV.de und MSN Music (ähnlich günstige Preise wie bei iTunes).
Drückst Du hier, hörst du das
Keine Frage, das Bedienkonzept vom iPod ist so einfach, dass selbst Technophobe schnell damit klarkommen. Das Klickrad versteht man intuitiv - nur zum Ausschalten muss man das Handbuch studieren (lange auf die Wiedergabe-Taste drücken).
An das kleinteilige Touchpad beim Zen Micro muss man sich erst gewöhnen, danach klappt das Musikhören aber ähnlich gut wie beim iPod. iRiver kommt mit weniger Tasten auf der Frontseite aus: Eine Auswahltaste, eine Canceltaste und ein Touchpad zum Scrollen. Die kombinierte Play/Pausentaste und die Vor-/Zurück-Buttons befinden sich an der Seite.
Taschenspielerfaktor
Blinde Bedienung ist eine schöne Sache, etwa wenn der Player in der Jackentasche steckt und man gerade mit 40 Sachen auf dem Rennrad den Berg runter rauscht. Den Creative-Player sollte man besser nicht in der Tasche anfassen - man erwischt mit Garantie die falsche Taste, weil es gleich sechs davon gibt. Fast genauso schwierig ist es beim iPod. Einzig der iRiver H10 besteht den Taschenspielertest. Lautstärke ändern oder die Vorlauftaste drücken - mit etwas Übung kein Problem. Wer nicht so gern blind Tasten drückt, kann sich eine Kabelfernbedienung kaufen, die es als Zubehör für alle drei Player gibt.
Apples iPod wird quasi als nackter Player ausgeliefert. Einziges Zubehör sind das USB-Kabel zum Aufladen des Akkus und Übertragen der MP3s sowie ein kleiner Plastikclip zum Einhängen in den Gürtel. Eine Schutzhülle fehlt ebenso wie eine Dockingstation oder ein Ladegerät - derartiges kann man zu fürstlichen Preisen im Apple-Store nachkaufen. Ohne Ladegerät wird ein zweiwöchiger Urlaub zum Stress: Man ist ständig auf der Suche nach Computern, um dem Akku über USB-Kabel wieder Leben einzuhauchen.
Das muten Creative und iRiver ihren Kunden nicht zu. Beide Player werden mit Ladegerät ausgeliefert. iRiver legt zudem eine Silikon-Schutzhülle inklusive Trageclip bei, die das Gerät vor Kratzern und leichten Stößen schützt. Beim Zen Micro bekommt der Käufer eine stabile Plastikhülle, die allerdings nicht die Bedienfront abdeckt. Sie kann mit einem Gürtelclip oder einem Ständer kombiniert werden.
Für den H10 bietet iRiver zusätzlich eine Dockingstation mit Line-in-Eingang an (30 Euro). Damit lassen sich MP3s von beliebigen Quellen aufnehmen. Schade, dass der Player Fotos nicht aus Digitalkameras ausliest - das beherrscht nur der große Bruder des H10-Geräts, der Festplattenplayer H300. Voraussetzung ist allerdings, dass die Kamera den Standard USB On-The-Go unterstützt.
Was denn nun: Design oder Funktion?
Eine klare Entscheidung für einen Player ist kaum möglich, zumal in der Microdrive-Klasse längst nicht nur drei Hersteller mitmischen. Neben iRiver, Creative und Apple verkaufen unter anderem auch Archos, Maxfield, Olympus, Thomson und Rio Geräte mit Minifestplatte. Fest steht allerdings: Bei Creative und iRiver bekommt man für das gleiche Geld einen besser ausgestatteten Player als den iPod mini. Radio, Aufnahme- und Diktierfunktion oder Ladegerät - derartiges fehlt beim iPod. Wer darauf verzichten kann, ist mit dem Apple-Player gut bedient.
Den Zen Micro kann man sich sogar in seiner Lieblingsfarbe ordern. Er ist mit 200 Euro (5 Gigabyte Speicher) auch das günstigste Gerät. Der iPod mit 4 Gigabyte kostet ebenfalls 200 Euro, mit 6 Gigabyte-Platte sind es 250 Euro. iRiver verlangt für die 5-Gigabyte-Version des H10 250 Euro, und mit 6 Gigabyte 300 Euro.
Statt sich für 200 und mehr Euro einen Handy-großen Player zu kaufen, kann man natürlich auch gleich zu einem Handy mit MP3-Funktion greifen. Die Preise für Flashspeicher bewegen sich stetig nach unten - eine große Speicherkarte für das Mobiltelefon kostet nicht mehr die Welt. Wer noch ein, zwei Jahren warten kann, kann sich dann sicher einen viel kleineren Flash-MP3-Player zulegen, der mehrere Gigabyte fasst und die Taschen kaum noch ausbeult.