IPTV Jetzt streamt auch BitTorrent
Die Zeit, in der live über das Internet gestreamte Videoinhalte qualitativ deutlich schlechter waren als heruntergeladene Filme, geht ihrem Ende entgegen: Bereits Ende August implementierte Adobe , Anbieter des weltweit führenden Standards für Web-Videoauslieferung Flash, den sogenannten H.264-Codec der Aachener Firma MainConcept in eine Betaversion des Flash-9-Players. Seitdem ist die Auslieferung von Web-Videos in nahezu HD-Qualität über DSL-Leitungen ab zwei MBit möglich - der Codec sorgt für eine besonders hohe Komprimierung der Videodateien, macht sie also bei hoher Qualität deutlich schlanker.
Bisher gab es allerdings keine Videoportal-Anbieter, die dies auch nutzten: Zum einen ist HD-Material für den Web-Einsatz noch rar, zum anderen ist und bleibt die Auslieferung solcher umfänglicher Dateien trotz alledem ein teurer Spaß. Inhalteanbieter, Videoportale wie IPTV-Anbieter hoffen da auf Spareffekte durch den Einsatz von P2P-Techniken zumindest im Bereich von Live-Ausstrahlungen.
Die weltweit führende P2P-Technik BitTorrent kommt solchen Anbietern nun ein großes Stück entgegen. Bisher war über BitTorrent nur der Download kompletter Dateipakete möglich. Jetzt implementierte das Unternehmen eine Technik, die es Delivery Network Accelerator oder kurz DNA nennt. BitTorrent ermöglicht damit den sogenannten progressiven Download, eine Technik, die die meisten Videoseiten dem echten Stream vorziehen.
Denn Streamserver-Lizenzen sind teuer. Beim progressiven Download wird eine herkömmliche Mediendatei angeladen und nach Erreichen einer bestimmten Vorpufferung gezeigt: Der Rest des Downloads geschieht im Hintergrund. Reichen die Bandbreiten, erscheint das dem Nutzer als Stream, der nur eben mit leichter Verzögerung einsetzt. Das aber war bisher mit BitTorrent nicht möglich.
Als erstes Unternehmen nutzt nun das Videoportal Brightcove das neue DNA-Feature von BitTorrent und verspricht so eine effiziente, kostengünstige Auslieferung qualitativ hochwertigen Videomaterials. "Brightcove Show" ist nicht als Community-Videoangebot gedacht, sondern als Service für professionelle Inhalte-Anbieter. Brightcove versucht damit, sich als Kanal zur Verbreitung von TV-Inhalten über das Web zu etablieren. Statt mit YouTube und Co konkurriert Brightcove hier also mit Services wie Joost oder Zattoo.
Abzuwarten bleibt nun, ob sich genügend Programmanbieter mit attraktiven Inhalten darauf einlassen. Die Technik für eine Verbreitung von Videoinhalten in TV-Qualität und besser steht nun bereit. Services wie Joost, im letzten Jahr noch als Kandidat für das nächste heiße Thema im Internet gehandelt, tun sich bisher schwer: Vor allem lizenzrechtliche Probleme verhindern, dass Sender ihre Angebote international machen können.
Viele TV-Produzenten arbeiten auch an eigenen Lösungen, in den kommenden IPTV-Markt einzusteigen. Aus Perspektive vieler Sender und Produzenten erscheinen echte IPTV-Lösungen attraktiver als Web-Video, weil hier Pay-TV-Lösungen denkbar sind. Zugleich hat die Web-TV-Szene aber längst die Nase vorn - die Zahl der Web-TV-Nutzer dürfte weltweit ein Vielfaches über der Zahl von IPTV-Kunden liegen.
Zu den Kunden von BitTorrent gehören neben Brightcove längst auch große Produktionsfirmen und Sender. So setzen unter anderem Warner Brothers, Paramount, 20th Century Fox und MTV auf die technischen Lösungen der einst als Piraten berüchtigten Entwickler.
pat