IPTVHD1080PHDMI Verstehen Sie Fernsehen?
Wer in den vergangenen Tagen über die Internationale Funkausstellung (Ifa) lief, wurde wieder einmal mit der ganzen Bandbreite von Fachbegriffen rund um die TV-Technik konfrontiert. Die flachen LCD- und Plasmabildschirme sind dermaßen mit Logos, Aufklebern und Kürzeln bekleistert, dass sie mit Formel-1-Wagen konkurrieren könnten - und den Konsumenten oft ratlos zurücklassen.
Dabei ist der Trend zum modernen Fernseher ungebrochen. Nur jeder 20. verkaufte Bildschirm ist noch ein Röhrenmodell der alten Schule und in 21 Prozent der deutschen Haushalte steht bereits ein Flachbildschirm. Doch was sagen Ihnen Begriffe wie 24p, 100 Hertz oder HDMI? SPIEGEL ONLINE erklärt die sechs wirklich wichtigsten Grundbegriffe, gibt Tipps, wie man den richtigen Fernseher findet und sagt, wann die nächste mediale Zukunft anbricht.
Stichwort Pixel - Wieviel braucht man wirklich?
Wer im Zahlenwust der Pixelwerte nur auf die jeweils höchste Zahl schaut, ist ähnlich wie beim absurden Wettkampf um hohe Pixelzahlen bei Digitalkameras nicht wirklich gut beraten. Dass die Pixel aber eine wichtige Größe sind, ist unbestritten: Ein normales Fernsehbild setzt sicd aus rund 400.000 Bildpunkten zusammen, während ein HDTV-Signal von einer Blu-Ray-Disc, HD-Kamera oder Spielkonsole auf bis zu zwei Millionen Bildpunkte kommt. Es kommt aber nicht nur darauf an, was ein TV-Display darstellen kann - auch das Pixelfutter muss von irgendwoher kommen.
Wer ein analoges TV-Signal, das beim PAL-Standard 720x576 Bildpunkte überträgt, nun auf ein Display mit Full-HD-Auflösung (1920x1080 Pixel) und einer größeren Bildschirmdiagonale als 90 Zentimeter bringt, dürfte erst einmal geschockt sein. Der Effekt ist vergleichbar mit dem großformatigen Ausdruck eines kleinformatigen digitalen Fotos: Es sieht einfach Käse aus. Im Klartext: Nutzer des angeblich "schlechteren" großformatigen Fernsehers bekommen genau wie die einer kleineren Kiste ein subjektiv besseres Bild, wenn dies aus analogen Quellen kommt.
Selbst bessere Exemplare der sogenannten "UpScaler", die die geringe Bilddatenmenge auffüttern, um den Pixel-Mangel auszugleichen, können solche abrupten Zeitreisen in der Technikgeschichte nur bedingt überbrücken. Manche Verfahren funktionieren besser, manche schlechter.
Die Qualität der Bildelektronik jedes einzelnen Herstellers ist also entscheidend. Leider geben sich nahezu alle Firmen für ihre Verfahren und technischen Lösungen eigene Phantasienamen, die erst ein geschulter Verkäufer wirklich erklären, unterscheiden oder vielleicht sogar vergleichen kann. Geschulte Verkäufer stehen übrigens auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten.
Was hilft: der subjektive Eindruck des Bildes im Vergleich zu denen anderer Geräte. Bestehen Sie bei Verkaufsverhandlungen darauf, ein Gerät nicht nur Blu-ray-befüttert vorgeführt zu bekommen, sondern auch einmal mit einem ganz profanen DVBT-Signal zu sehen.
Etwas einfacher ist schon die Unterscheidung zwischen 720p und 1080i respektive 1080p, wobei i für interlaced und Halbbilder und p für progressive gleich Vollbilder steht. Das ist so zu verstehen: Bei den "i"-HD-Bildern wird im Zeilensprung-Verfahren mit jeder Bildwiederholung die Hälfte eines Vollbildes neu aufgebaut, also jeweils jede zweite Zeile aufgefrischt. Das geschieht 50 Mal pro Sekunde, woraus sich 25 frische Vollbilder pro Sekunde ergeben. Beim "p"-Standard wird das volle Bild gewechselt, 24 Mal pro Sekunde, der Standard gilt als überlegen. Darüber kann man allerdings streiten: Bei normalem TV- und Filmmaterial mögen Unterschiede messbar sein, aber wohl kaum sichtbar.
Das alles mag Techniker interessieren, muss wie bereits erklärt aber noch nichts über die Qualität des Bildes aussagen.
Vor lauter Rechenaufgaben im Kopf rund um Pixel und Hertzzahlen vergessen viele Käufer eines Displays auch ganz banal die eigentlichen Ausmaße des neuen Lieblings. Als einfacher Tipp hilft es, vorab einen Karton mit entsprechenden Maßen auszuschneiden und an gewünschter Stelle bereits vor Kauf Maß zu nehmen. Hier spart eine Schere manch unnötigen Transport. Übrigens: Je kürzer der Abstand zum Gerät, desto besser sind Sie mit einem kleineren bedient. Sie setzen sich im Kino ja auch nicht freiwillig in die erste Reihe.
Stichwort 100 Hertz - bleib ruhig, Bild!
Die Bilder alter Fernsehübertragungen rufen immer wieder in Erinnerung, warum man früher noch vom Flimmerkasten sprach. Der Effekt ergab sich aus der niedrigen Bildwiederholungsfrequenz - je höher die ausfällt, desto fließender stellt sich das dem Auge dar.
Seit geraumer Zeit werben Hersteller nun mit dem Prädikat "100 Hertz" und neueste Geräte sollen demnächst sogar mit 200 Hertz arbeiten. Zählt also nur höher, schneller, weiter?
Die Angabe allein ist noch längst keine Qualitätsaussage, denn kein Fernseher über 70 Hertz flackert sichtbar. Eigentlich stammt der Begriff noch aus der Zeit der Röhrenfernseher, bei denen die Verdopplung der Bildwiederholungsrate eben dieses Bildflimmern reduzierte. Bei modernen Flachbildschirmen wird damit aber ein ganz anderes Problem angegangen. Schnelle Schwenks, Actionszenen, Börsenticker und vor allem Sportübertragungen stellen die Fernseher sowie auch das menschliche Auge bei der Bewegtbilddarstellung vor enorme Herausforderungen.
So können unangenehme Wisch-Effekte entstehen, die von den Herstellern mit jeweils patentierten Zwischenbildberechnungen aufgefangen werden. Das Bild erscheint dadurch ruhiger, das "Nachziehen" vor allem bei horizontalen Bildbewegungen wird reduziert.
Welche dieser Verfahren jeweils besser funktionieren, muss das eigene Sehgefühl entscheiden. Für die richtige Bewertung des Bildes ist sonst noch eine Faustformel hilfreich: Der Mindestabstand des Sofas zum entsprechenden Bildschirm sollte mindestens das drei- bis vierfache der Bilddiagonalen betragen.
Stichwort Kontrastwert - was düster ist, soll auch so aussehen
Wer im Elektronikhandel vor einer ganzen Wand von Flachdisplays verschiedener Hersteller steht und überall das scheinbar gleiche Bild sieht, kann mit einem einfachen Sehtest auf Qualitätssuche gehen. Allein ein Blick auf Szenen mit schwarzen Hintergründen offenbart feine und doch eben deutliche Unterschiede. Den Kontrastwerten aus den Werbeprospekten sollte man dagegen nur bedingt trauen, denn auch bei diesen Angaben gibt es keinen Standard, wie er gemessen werden muss.
Aufgrund der völlig unterschiedlichen Funktionsweise bieten auch die reinen Zahlenwerte zwischen LCD- und Plasmabildschirmen keine wirklich faire Vergleichsgröße. Fachleute unterscheiden generell zwischen dem dynamischen, dem Ansi- und dem Hellraumkontrast. Bei älteren Geräten waren diese Unterschiede zwischen LCD- und Plasmabildschirmen auch noch wesentlich deutlicher auszumachen. Diese Lücke wurde durch verschiedene technische Modifikationen sehr gut verringert und auch der früher so bekannte Einbrenneffekt taucht bei neueren Geräten kaum noch auf. Gleiches gilt für Faktoren wie möglicher Blickwinkel oder Reaktionszeit, die in den vergangenen zwei Jahren durch entsprechend bessere Werte immer mehr in den Hintergrund traten.
Stichwort HDMI - Expressweg für digitale Daten
Das "High Definition Multimedia Interface" ist so etwas wie der Universalstecker der HD-Ära und überträgt Bild und Tondaten gleichzeitig. Ältere LCD- und Plasmabildschirme besaßen meistens nur ein oder höchstens zwei HDMI-Anschlüsse, zeitgemäße Geräte bieten heute mehr. Man braucht sie ja auch: Ein Digital-Receiver, ein Blu-ray-Player, eine Spielkonsole sowie eine HD-Kamera und schon hat man schnell die vorhandenen Möglichkeiten ausgereizt.
Ähnlich wie bei Computersoftware werden auch HDMI-Stecker in ihren Versionen durchnummeriert und lassen so erkennen, welche Fähigkeiten im Kabel stecken. Aktuellster Standard ist "HDMI 1.3". HDMI erlaubt bei entsprechenden Anlagen und Boxensystemen auch die Übertragung von Rundumklang.
Generell brauchen Geräte, die eine große Pixelzahl darstellen können, auch eine entsprechend schnelle Schnittstelle: Der klassische Scart-Stecker kommt hier einfach nicht mit und führt tatsächlich zu schlechteren Bildqualitäten bei gleichem Ausgangsmaterial. HDMI ist also keine Spielerei, sondern eine Grundvoraussetzung für HDTV.
Bei den Preisen von HDMI-Kabeln sollte man sich nicht wundern, wenn bei Längen über zwei Metern schnell Preise in dreistelligen Regionen aufgerufen werden. Auf der Ifa stellte Panasonic zum Thema HDMI noch eine einfache, aber doch sehr nützliche Neuerung vor: Die kippbaren und damit weniger tiefen HDMI-Stecker sind vor allem für die neuen und extrem flachen Bildschirme mit Wandmontage hilfreich. Einen Blick in die nahe Zukunft von HDMI wird das Kabel dann bald ganz überflüssig machen - viele Hersteller arbeiten an kabellosen HDMI-Sendern, bei dem momentan noch an Reichweite und Signalstärke gefeilt wird.
Stichwort 24p - fit for cinema
Bei nahezu allen modernen Displays taucht der Begriff "24p" auf und erinnert in umständlicher Art daran, das Kinofilme seit je her mit 24 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden - im Gegensatz zu europäischen TV-Filmen, die mit 25 Bildern pro Sekunde wiedergegeben werden. Daraus ergibt sich eine Diskrepanz und darum die Notwendigkeit, diese auszugleichen. Mit "24p" wird also schlicht auf die Befähigung des Fernsehers hingewiesen, Filme mit der Koni-üblichen Bildfrequenz von 24 Bildern pro Sekunde korrekt wiederzugeben.
All diese Angaben und Features eines HD-Fernsehers entscheiden über die Qualität der Bildwiedergabe - aber nicht allein. Um generell Verluste bei der Bildqualität zu vermeiden, sollte darüber hinaus jede Art von Wandlung zwischen digitalem und analogem Signal vermieden werden. Sofern man im Empfangsgebiet von digitalen Fernsehen (DVB-T) ist, sollte man beim Kauf immer gleich ein Gerät mit eingebautem Tuner anschaffen. Ein deutlich besseres Bild erhält man bei digitalem Kabelfernsehen zum Beispiel über einen DVB-C-Empfänger oder bei einer Satellitenschüssel über ein DVB-S-Empfangsteil.
Stichwort OLED und 3D - die Zukunft wird sichtbar
Das neue Schlagwort am Fernsehhimmel taucht nun auch in Europa immer öfter auf und man könnte sich fragen, ob die Anschaffung eines LCD- oder Plasmabildschirms in diesem Jahr sich überhaupt noch lohnt. Die Vorteile der OLED-Displays (Organic Light Emitting Diodes) klingen tatsächlich verlockend: deutlich weniger Stromverbrauch, ein sofort erkennbar kontrastreicheres Bild und eine noch dünnere Bauweise des Displays.
Während OLED-Bildschirme in Handys und anderen kleineren Elektronikgeräten bereits in Massen eingebaut werden, sind größere Displays noch eine technische und finanzielle Herausforderung, die selbst große Hersteller wie Samsung oder Panasonic nur in regionalen Testmärkten angehen.
Sony stellte auf der Ifa den bisher für 2500 bis 3000 Dollar erhältlichen XEL-1 im Stil eines Laptopbildschirm nun auch in Europa vor und zeigte einen deutlich größeren Prototypen mit einem knapp 70 Zentimeter breiten Bildschirm, der mit einer Bauweise von gerade mal drei Millimeter Tiefe beeindrucken konnte.
Ein weiteres Innovationsfeld in der Zukunft des Fernsehens dürften 3D-Fernseher sein, für die man keine spezielle Brille mehr aufsetzen muss. Philips will Ende des Jahres ein erstes Display mit der sogenannten WOWex-Technologie auf den europäischen Markt bringen. Auch Samsung verkauft in den USA bereits Fernseher mit der Fähigkeit zur 3D-Darstellung, doch alle Geräte kennen ein gemeinsames Problem: Entsprechendes Bildmaterial muss auf 3D aufgearbeitet sein. Bisher gibt es gerade mal rund zwei Dutzend Filme und Dokumentationen, die man so genießen könnte.
Bis Tagesschau und Co. in dreidimensionalem Format ins Wohnzimmer gesendet werden, vergehen definitiv noch einige Jahre: Die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland werden erst 2010 den HDTV-Regelbetrieb aufnehmen, die Privaten dürften dann folgen. Erst dann wird man selbst die Möglichkeiten der in den vergangenen Jahren verkauften Flachbildfernseher wirklich nutzen können.