Iridium Erfolgreicher Neustart?
SPIEGEL ONLINE:
Motorola hat vergangenen Mittwoch angekündigt, erst wieder in Iridium zu investieren, wenn andere Anteilseigner mitziehen. Darauf fiel die Iridium-Aktie. Analysten kommentierten: "Die Aktie sollte sich nicht auf die Aussagen von Motorola hin bewegen, sondern die Zahl der Iridium-Abonnenten als Basis nehmen."
Don Burns: Ich stimme den Analysten zu. Man kann Motorolas Ankündigung von zwei Seiten betrachten. Eine Sicht wäre: Motorola unterstützt uns nicht weiter. Aber man kann es auch positiv sehen: Sie werden uns weiter unterstützen, vorausgesetzt die anderen unterstützen uns ebenfalls. Der 1. Juli war ein echter Neustart für Iridium - wir haben sehr viele Dinge geändert. Wir haben die Preise dramatisch reduziert und die Preisstruktur enorm vereinfacht. Dazu kommen günstigere Hardware-Preise.
SPIEGEL ONLINE: Hat das schon Auswirkungen auf die Zahl der Abonnenten?
Don Burns: Die vergangene Woche war die Beste, die wir in Deutschland jemals hatten. Wir können sagen, daß wir unsere Prognosen für das zweite Quartal signifikant übertreffen - und das mitten in der Urlaubszeit der meisten Entscheider. Diese Zahlen helfen natürlich bei den Verhandlungen mit Banken in Washington über eine Verlängerung der Kredite.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben die Marketing-Strategie radikal geändert.
Don Burns: Ja, die alte Marketing-Message war völlig falsch. Unser neuer internationaler Geschäftsführer John Richardson hat darauf schon während seiner Zeit als CEO eines Iridium-Gateways hingewiesen. Er kennt die Marketingprobleme vor Ort. Wir sind sehr zufrieden mit den neuen Entscheidungen.
SPIEGEL ONLINE: Wieviele Abonnenten brauchen Sie, um den Break even zu erreichen?
Don Burns: Wir haben keine Zweifel daran, daß wir unseren Business Plan für dieses Jahr erfüllen werden. Und bisher haben wir uns nur auf Schiffahrt, Ölindustrie und Militär konzentriert. Es ist sehr schwer, dem globalen Wirtschaftsreisenden ein Gerät zu verkaufen, wenn er vorher noch nie Satelliten-Technik genutzt hat. Dennoch liegt hier der eigentliche große Markt. Bei den meisten potentiellen Nutzern besteht ein großer Nachholbedarf, das System und seine Funktionen zu verstehen. Wir haben dem Markt nicht genug Zeit gegeben, die Technik zu begreifen. GSM und Satelliten-Telefonie sind nicht dasselbe. Daher beginnen wir mit den potentiellen Kunden, die Satelliten, zum Beispiel durch den Gebrauch von Inmarsat, bereits kennen. In der nächsten Anzeigen-Kampagne werden wir Anwender über Iridium berichten lassen.
SPIEGEL ONLINE: Ende des Jahres werden zwei weitere Konkurrenten auf dem Markt kommen: Globalstar und ICO - beide haben wesentlich niedrigere Kosten als Iridium. Wie wollen Sie sich gegen diese Rivalen behaupten?
Don Burns: Beide Dienste bieten nicht den gleichen Service wie Iridium. Sie decken das Meer und die Fluglinien nicht ab. Sie bieten auch kein Pageing. Außerdem ist der Markt groß - Untersuchungen sprechen je nach Anlage von 7 bis 25 Millionen Nutzern weltweit - da bleibt genügend Platz für jeden von uns.
SPIEGEL ONLINE: Der GSM-Markt lehrt: Preise sind für den Anwender ein ausschlaggebendes Kriterium. Gibt es Spielraum für weitere Preissenkungen?
Don Burns: Die Preise sind gerade massiv gesenkt worden. Auf längere Sicht werden die Preise sicher noch weiter fallen, aber nicht sofort. Auch die Telefone werden kleiner werden. Alles, was aus dem GSM-Bereich bekannt ist, kann auf Iridium übertragen werden. Aber: Im Unterschied zum "Nice-to-have"-GSM-Telefon ist das Satelliten-Telefon ein Essential. Ein Beispiel: Ein Unternehmen mit Hauptquartier in Deutschland, Büros in Moskau, Arbeitsstätten in Usbekistan verwendet als Netzwerk ausschließlich Iridium. Der Ingenieur in Usbekistan muß seine Nachricht in die Zentrale bekommen - da ist der Preis zwar relevant, aber er spielt nicht die entscheidende Rolle. So sehen unsere Kunden aus.
SPIEGEL ONLINE: Kommt man mit dem Iridium-Netzwerk sicher ins Jahr 2000?
Don Burns: Iridium ist eines der wenigen Systeme, die auf kein anderes Netz angewiesen sind. Viele Kunden, vor allem Banken, kaufen unsere Telefone aus gerade diesem Grund. Sie wollen verbunden bleiben mit ihren Filialen in Afrika, falls am 1.1.2000 die Festnetz-Rechner zusammenbrechen. Auch einige Regierungen haben sich aus diesem Grund Iridium-Telefone zugelegt, zum Beispiel hat die USA gerade eintausend Iridium-Handys gekauft.