IT-Markt Wächst da wieder was?
So ganz will Cebit-Chef Ernst Raue den Vorzeichen noch nicht trauen. Seit Wochen zeichnet sich ab, dass die IT-Wirtschaft die Sohle des Jammertals durchschritten hat. Die Stimmung, sagt Willi Berchtold, Kopf des Branchenverbandes Bitkom, habe sich "sichtbar aufgehellt". Schon 2003 sei die Zahl der Aufträge wieder gestiegen, und für 2004 wittern die Branchen-Auguren ein Wachstum von stolzen zwei Prozent. Die Branchenbarometer zeigten "steil nach oben", schon 2005 könne man sich fünf Prozent Wachstum und Neuanstellungen vorstellen.
Wer das nach drei Jahren der größten Krise, die die IT-Wirtschaft je erlebt hat, für mutig hält, liest die amerikanische Wirtschaftspresse nicht. Jenseits des Atlantik hyperventilieren die IT-Manager schon wieder in Euphorie.
So fütterten sich Branchenvertreter und Analysten beim jährlichen Stragie-Symposium der Halbleiterausrüster im kalifornischen Pebble Beach gegenseitig mit tollen Prognosen. So soll der Umsatz der Chip-Ausrüster nach Berechnungen der Analysten von VLSI Research in diesem Jahr um satte 40 Prozent steigen. Der gesamte Markt solle um 33 Prozent wachsen, was auf einen ähnlichen Boom wie 1999/2000 hinauslaufe, glaubt VLSI.
Schon warnen die Analysten, auf einen solchen Boom sei die Branche gar nicht vorbereitet. Der Branchendienst SiliconValley.com zitiert VLSI-Analyst Dan Hutcheson mit der steilen Aussage, bei Chip-Produzenten ließen sich derzeit "regelrechte Panikkäufe beobachten".
Das sind Töne, die man wohl auch in Deutschland gerne hört, längst aber noch nicht von sich gibt: Auch Cebit-Chef Ernst Raue hält da lieber die Bälle flach. Noch schrumpfe seine Messe, die seit langem als Indikator für den Zustand der Branche gilt. "Mehr als 6000 Aussteller" erwarte er im März in Hannover, aber im letzten Jahr seien das noch 6600 gewesen. Was heißen könnte, dass es dieses Jahr nochmal abwärts geht, oder auch nicht: Seit Anfang des Jahres gäbe es "vermehrt Anmeldungen". Vielleicht, ja vielleicht sei es doch "noch möglich, den Vorjahreswert zu erreichen".
Tatsache ist jedoch, dass die Ausstellungsfläche weiter rückläufig ist. Sie schrumpft um 50.000 auf 300.000 Quadratmeter - immerhin bleibt die Cebit auch damit die weltweit größte IT-Messe.
Von der verspricht sich auch der Bitkom "große Impulse für Wachstum und Innovation". Wo die derzeit stattfindet, hat auch die Cebit erwittert: Neben den Cebit-typischen Business-Themen findet in diesem Jahr wieder vermehrt Unterhaltungselektronik Einzug in die Messehallen. Raue spricht von einer "zunehmenden Öffnung für den Endverbraucher". Gerade der war der Messe im letzten Jahr massenhaft fern geblieben.