IT-Sicherheit MP3-Trojaner bricht Rekorde
Seit Freitag vergangener Woche, behaupten die Virenjäger von McAfee, verbreite sich über die P2P-Netze von Limewire und eDonkey mit rasender Geschwindigkeit ein Trojaner, der alle bisherigen Rekorde breche. Beim Online-Virenscan des Unternehmens hätten sich satte 27 Prozent der gescannten 436.000 Rechner als infiziert erwiesen. Das ist natürlich nicht repräsentativ, aber trotzdem beeindruckend: Normalerweise bringen es aktuelle Viren bei diesem Scan-Verfahren auf ein bis fünf Prozent Erfolgsquote.
Der Trojaner Downloader-UA.h wird über P2P-Netze vertrieben und dort als MP3- oder Videodatei maskiert angeboten. Er kommt nicht ohne die aktive Mithilfe seiner Opfer aus: Nach dem Download verlangt er die Installation eines angeblichen Player-Programms. Darauf lassen sich anscheinend verblüffend viele Nutzer ein: In den vergangenen zwei Jahren haben sich P2P- und Videoportal-Nutzer daran gewöhnt, dass immer mehr Anbieter das Abspielen ihrer Dateien an solche Plug-ins oder Programme binden.
Nicht nur in diesem aktuellen Fall ist das meist eine Mogelpackung. Oft werden so Adware-Programme verteilt, die den PC-Nutzer - Mac- und Linux-Systeme sind wie so oft nicht betroffen - in der Folge mit lästigen Werbe-Pop-ups nerven. Auch im aktuellen Fall geschieht das und mehr: Der Trojaner lädt gleich mehrere Programme aus dem Netz, darunter die Toolbar-Adware NetNucleus sowie zwei weitere Adware-Programme. Die Installationsmaske verspricht dem Empfänger "Play Free MP3s", was als Anreiz offenbar reicht. Eine Mediendatei enthält der Download nicht - dafür initiiert er ein regelrechtes Werbe-Feuerwerk.
Echte Schäden verursacht der Trojaner zunächst also nur im Nervenkostüm des PC-Besitzers. Bei MacAfee glaubt man jedoch, dass der Trojaner von echten kriminellen in Umlauf gebracht wurde. Prinzipiell lässt er sich nutzen, beliebige weitere Programme auf die verseuchten Rechner nachzuladen. Kriminelle Cracker bieten solche Services gegen Zahlung auf dem Markt an. Geld wird heute mit verseuchten Rechnern verdient, indem man diese als Spam-Versandrechner nutzt, mit ihnen Webseiten attackiert oder Angriffe auf Finanzservices ausführt.
Aufgrund der steigenden Verbreitung von Downloader-UA.h wurde die Einschätzung der Gefährlichkeit des Trojaners mittlerweile bis auf "medium" erhöht. Der Downloader ist die erste als Mediendatei getarnte Schadsoftware, die diese Warnstufe erreicht.
AP/pat