IT-Sicherheit: Vertrauen macht schludrig - DER SPIEGEL
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IT-Sicherheit Vertrauen macht schludrig

Wir haben es geahnt, jetzt wurde es überprüft: Je größer das Vertrauen in die IT-Abteilung einer Firma sei, desto mehr Mist bauen ihre Angestellten, sagen die IT-Experten von Trend Micro - und wissen noch mehr: Demnach steigt das IT-Risiko auch von Ost nach West.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Albtraum eines jeden Büroarbeiters ist der Vollkollaps seines Rechners: Weil so was angeblich ja fast grundsätzlich am Nutzer liegt, steht man sofort unter Generalverdacht. Hat sich Meyer wieder was aus dem Web geladen? Hat Müller mit seinen Kumpels bei der Konkurrenz wieder fleißig E-Mail-Anhänge getauscht? Hat Schneider wieder gezockt, statt zu arbeiten?

"War ich nicht!" bringt da gar nichts. Spätestens, wenn der PC-Support anrückt, findet der prompt wieder 19 Viren, 12 Trojaner und 32 Spy- und Adware-Programme auf dem Arbeitsrechner. Wobei die Zahl dieser Schädlinge angeblich in direkter Korrelation entweder zur Größe der Firma (kleine haben ein größeres Risiko) oder aber zur Qualität des IT-Supports in der betroffenen Firma steht, wie Trend Micro herausgefunden haben will. Zu Deutsch: Gibt es keinen IT-Support, passiert viel Käse. Je besser aber der IT-Support arbeitet, desto mehr Mist machen die anderen Angestellten.

Ist ja eigentlich auch klar: Wer weiß, dass der Datenretter Gewehr bei Fuß in seinem Büro auf den nächsten Einsatz wartet, macht sich weniger Sorgen um die Konsequenzen seiner kleinen Missetaten. Messen lasse sich das, sagt Trend Micro, unter anderem an der Zahl der Spy- und Adwareprogramme auf den Rechnern der Angestellten.

Viele der Befragten machten auch gar keinen Hehl daraus: Sie gaben zu, im Büro eher schon einmal einen verdächtigen Dateianhang zu öffnen, schneller auf einen seltsamen Link zu klicken als am heimischen Rechner.

Zum Teil, berichtet Trend Micro, geschehe das in gutem Treu und Glauben: 39 Prozent der Befragten gehen beispielsweise davon aus, dass die IT-Abteilung sie grundsätzlich vor Spyware oder Phishing-Programmen bewahrt. 63 Prozent fühlen sich dabei durch bessere Schutzsoftware als zuhause hinreichend geschützt. Und 40 Prozent sehen die Sache ganz pragmatisch: Wenn irgendetwas virtuell über die Wupper gehe, werde der IT-Support das Problem schon wieder lösen.

Angestellten-Denken: Nach mir die Sintflut

So richtig deftig zugemüllte Computer sind also einerseits ein Vertrauensbeweis für den PC-Support, andererseits aber ein betriebswirtschaftliches Problem - und zwar ein wachsendes. Spyware, argumentiert Trend Micro, ziele ja nun mal fast ausschließlich auf das Sammeln von Informationen, die der Versender der Spionageprogramme zum eigenen finanziellen Nutzen einsetzen wolle - ganz zu Schweigen von dem finanziellen Aufwand für die PC-Reparaturen.

Rund 87 Prozent der 1200 befragten Angestellten in Firmen in Japan, Deutschland und den USA seien sich darüber im Klaren, dass es ein Spyware-Risiko gibt - auch wenn die meisten zugeben, längst nicht genug darüber zu wissen.

Auch aus erster Hand haben viele Befragte Erfahrungen mit Spyware - wobei es anscheinend ein echtes West-Ost-Gefälle gibt: Angestellte in den USA tappen rund fünfmal häufiger in die Spyware-Falle als ihre Kollegen in Deutschland oder Japan. Zudem gibt es offenbar in allen Firmen Angestellte, bei denen die Wahrscheinlichkeit höher ist als beim Rest der Belegschaft. Rund 40 Prozent der befragten Amerikaner kennen Spyware demnach aus eigener Anschauung, aber nur 14 Prozent der Japaner. Hierzulande stolperten demnach 23 Prozent der befragten Büroarbeiter schon einmal in die Spyware-Falle. Ob das die Prozentsätze der "Missetäter" sind oder nur die derjenigen, die Spyware auch bemerken?