IT-Sicherheits-Studie Fakeware ist Trend
Unterschleißheim - Online-Kriminelle versuchen immer häufiger, Computer-Nutzer mit gefälschten Sicherheitsprogrammen zu täuschen. Die Zahl der Attacken mit entsprechender Software steige deutlich an, ergab eine internationale Studie, die Microsoft am Mittwoch veröffentlichte.
Gemessen an der Zahl der mit Viren, Trojanern und Würmern attackierten Computer insgesamt schneidet Deutschland aber gut ab. Die Zahl der infizierten PCs sei - Conficker hin oder her - im zweiten Halbjahr 2008 um 5,4 Prozent zurückgegangen, sagte Microsoft-Sicherheitsexperte Thomas Baumgärtner. Hierzulande ermittelte die Studie unter 1000 überprüften PCs 3,6 infizierte Rechner, international waren es 8,6 Computer.
Am stärksten zugenommen hätten seit eineinhalb Jahren Angriffe mit Pseudo-Sicherheitssoftware. Dabei täuschen die Online-Kriminellen ihren Opfern vor, ihre Computer seien angeblich verseucht. Dann versuchen sie die Anwender zu überzeugen, Vollversionen vermeintlicher Sicherheitssoftware zu installieren. Für die wird dann entweder eine Zahlung fällig, oder sie "versorgt" den Nutzer ab Installation mit Werbung oder entführt sogar den Internet-Browser hin zu Seiten, die man selbst gar nicht angewählt hat.
Schad- und Spähsoftware
Im günstigsten Fall ist solche Fakeware also eine ruppige, äußerst fragwürdige Werbeform, im ungünstigsten Fall eine kriminelle Attacke auf den PC, bis hin zum Ziel der Lösegeld-Erpressung für blockierte Rechnerzugänge oder Daten (siehe Kasten: "Fakeware / Ransomware").
Einen Schutz vor irgendwelchen Viren biete die so angebotene Software jedenfalls nicht, sondern schade oft sogar, sagt Microsoft. Zwei dieser Schadprogramme, die im ersten Halbjahr 2008 noch nicht einmal unter den Top 25 von den Experten gelistet waren, seien im zweiten Halbjahr bereits auf mehr als 1,5 Millionen Computern entdeckt worden.
Statt Schwachstellen im Betriebssystem auszunutzen, konzentrierten sich Cyber-Kriminelle inzwischen vermehrt auf Sicherheitslücken in Desktop- und Browser-Programmen, ergab die Studie. Mehr als 90 Prozent der Schwachstellen seien in Anwendungen und Browsern entdeckt worden.
Für die Hälfte aller Sicherheitsprobleme seien allerdings nach wie vor gestohlene oder verlorene Computer verantwortlich. Für die Studie wertete Microsoft anonymisierte Daten von mehreren hundert Millionen Computern weltweit aus. Der US-Softwarekonzern Microsoft hat ein lebendiges Interesse daran, in der Malware-Szene aufzuräumen: Das Gros von Viren und Schadsoftware-Problemen betrifft Windows-Systeme von Microsoft.