Jobbörse Cebit: Markt für Menschen - DER SPIEGEL
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Jobbörse Cebit Markt für Menschen

Beim Wort "Cebit" denken die meisten an superschnelle Hochleistungs-Computer, winzig kleine Hightech-Handys, virtuelle 3D-Welten oder innovative Internet-Software. Doch die Hannoveraner Messe ist mehr als nur der weltgrößte Marktplatz für Informations- und Kommunikationstechnik. Sie ist längst auch zu einem der größten Personalmärkte der Branche geworden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Aussteller nutzen die Cebit, um Bewerber einzuladen, erste Gespräche zu führen und manchmal sogar um einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Die Cebit 2000 bietet Jobsuchenden und Unternehmen erstmals eine zentrale Anlaufstelle: den "Cebit Job Market" . Vom 24. Februar bis zum 1. März können sich Messebesucher in Halle 10 bei Agenturen, Personaldienstleistern und Verlagen über neue Jobs in der Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche (kurz IuK-Branche) informieren. "Dadurch wollen wir das riesige Jobangebot, das es ohnehin Jahr für Jahr auf der Cebit gibt, stärker konzentrieren", sagt Gabriele Dörries, Pressesprecherin der Messe Hannover.

Die Aussichten für Jobsuchende sind in der Technologie-Branche nach wie vor rosig. Auf jeden Arbeitssuchenden kommen etwa zwei bis drei freie Stellen. Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung schätzt, dass auf dem inländischen Markt rund 180.000 Fachleute fehlen. Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht, die Zahl wird in den nächsten Jahren eher steigen. Kein Wunder also, dass viele Unternehmen nach Alternativen zu Stellenanzeigen in Zeitungen und Zeitschriften suchen, um auf freie Schreibtische aufmerksam zu machen.

Messen wie die Cebit, aber auch die Münchner Systems bieten eine willkommene Gelegenheit zum Flirt vor der Job-Ehe. Das hat auch der Kölner Personaldienstleister Career Company  bemerkt, der sogenannte "High Potentials" - besonders viel versprechende Bewerber - an Unternehmen aus der IuK-Branche vermittelt.

Auf dem 400 Quadratmeter großen Stand in Halle 10 können sich interessierte Messebesucher über freie Jobs bei den Career-Company-Kunden informieren. Die Auswahl ist groß: Zu den Auftraggebern der Kölner gehören mehr als 80 IuK-Firmen, darunter auch die ganz Großen wie SAP, Siemens oder Hewlett Packard. Wer zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden will, kann sich vor Ort in eine Datenbank eintragen. Stimmen Lebenslauf, Qualifikation und berufliche Vorstellungen mit dem Suchprofil eines Unternehmens überein, darf der Bewerber zur hauseigenen Rekrutierungs-Veranstaltung Career Days IT nach Berlin reisen.

Aber auch jenseits von Halle 10, an den Ständen von Computer- und Software-Herstellern, sondieren Personalverantwortliche und potentielle Bewerber die Lage. "Der klare Vorteil der Cebit ist, dass hier alle versammelt sind, die einen Bezug zur Branche haben", sagt Walter Moretti, Geschäftsführer der Züricher Softwareschmiede Novavox . Der Schweizer Hersteller von so genannten Unified Messaging Systemen und Kommunikations-Lösungen für Call Center sucht in diesem Jahr vor allem neue Mitarbeiter für die Unternehmensbereiche Vertrieb, Marketing und Produktmanagement. "Wir wollen unsere Position auf dem deutschen Markt noch weiter stärken und suchen deshalb gezielt nach jungem Blut für unsere Zweibrückener Niederlassung", erklärt Moretti. "Die Cebit ist dafür ideal."

Etwas skeptischer ist Dr. Stefan Glänzer, Vorstand von Deutschlands bekanntesten Internet-Auktionshaus ricardo.de: "Für uns ist die Cebit nur eine Möglichkeit unter vielen, Nachwuchs zu finden." Weil Online-Versteigerungen noch ein recht neues Geschäft seien, suche ricardo.de neben Fachleuten auch nach Quereinsteigern. "Wir brauchen Leute, die flexibel sind und Lust haben, sich in ein junges Business einzuarbeiten", sagt Glänzer. "Die findet man woanders genauso gut wie auf der Cebit." Trotzdem werde er selbstverständlich die Augen offen halten, denn "das heißt nicht, dass man in Hannover keine pfiffigen Mitarbeiter finden kann."

Der Andrang von Stellensuchenden ist auf vielen Messe-Ständen kaum noch zu bewältigen: "Wir registrieren Jahr für Jahr ein riesiges Interesse an Jobs bei uns im Haus", sagt Christian Nicolai vom Teltower Faxkarten-Hersteller Ferrari electronic . "Vor allem frischgebackene Absolventen scheinen sich auf Messen nach einem Job umzuschauen." Oliver Schäffer, Marketing Director bei der Cybernet  Gruppe, ergänzt: "Das Gute an Veranstaltungen wie der Cebit ist, dass sich dort sowohl junge Nachwuchskräfte als auch erfahrene Branchenprofis tummeln."

Als schnell expandierendes Unternehmen suche Cybernet Mitarbeiter aus beiden Bereichen. "Deshalb gehört die Cebit für uns zu den absoluten Highlights bei der Personalsuche." Die Cybernet Gruppe sucht im Moment vor allem Nachwuchs für das neue Berufsbild Data Center Manager. Data Center sind High-End-Rechenzentren mit Anbindung an Breitbandnetze, in die Unternehmen ihre Web-Server auslagern können. "Der Data Center Manager muss gewährleisten, dass unsere Häuser ein ideales Umfeld in puncto Sicherheit und Zuverlässigkeit für die Systeme unserer Kunden bieten."

Cybernet betreibt solche Zentren in Deutschland, Italien und der Schweiz. Für Jobsuchende, die schon vor der Cebit genau wissen, für welches Unternehmen sie gerne arbeiten würden, hat er noch einen Tipp parat: "Es hat sich bewährt, bereits ein paar Wochen vor der Cebit Termine mit den Personalverantwortlichen auszumachen." So könnten die Bewerber einen zielstrebigen Eindruck hinterlassen und sicher sein, die Chance Cebit auch wirklich nutzen zu können.