Katastrophenmanagement Fluteinsatz per PDA
Der Mobilfunk habe sich bei der Bewältigung der Hochwasserkatastrophe bewährt, findet man beim Informationszentrum Mobilfunk e. V. in Berlin. Tatsächlich haben Anbieter von Kommunikationssystemen es sich nicht nehmen lassen, die Leistungsfähigkeit ihrer Technik unter Beweis zu stellen.
Die Betreiber der Mobiltelefonnetze gaben kurzerhand kostenlose Leihhandys für die Hilfskräfte aus, geladen mit SIM-Karten, die sich auf einer Netzwerkreserve einbuchen konnten, die normalen Handynutzern nicht zur Verfügung steht. Alleine 1.000 Handys mit 30-Euro-Prepaid-Karten wurden von O2 für Helfer in Dresden, Magdeburg, Freital und Dessau ausgegeben. Ferner sicherte O2 durch mobile Sendestationen und Notstromversorgungen die Funktion ihres Netzes. Eine weitere Visitenkarte in Richtung Bund und Länder reichte T-Systems zusammen mit Motorola ein: Ganz kurzfristig wurde ein Tetra-Funknetz im Raum Dessau und Mulde aufgebaut, um 100 Einsatzkräfte mit nagelneuen Digitalhandfunkgeräten zu beglücken. Digitale Tetra-Funknetze sollen schließlich den bisherigen analogen Funk von Polizei und Feuerwehr ablösen.
Das Internet, so erfahren wir aus dem brandenburgischen Innenministerium hat ebenfalls gegen die Fluten gekämpft. Am 2.Oktober trafen sich Verantwortliche des zentralen Katastrophenschutz-Stabes aus Brandenburg mit Vertretern der öffentlichen Verwaltung aus Österreich und der Schweiz zu einem Erfahrungsaustausch über die Nutzung des Internets zur Bewältigung des Elb-Hochwassers. Die Polizei stellte während der Katastrophentage ständig aktualisierte Hochwasserinformationen auf einer Webseite zusammen.
Alpines Alternativmodell
Und doch gab es ein Manko beim Hightech-Einsatz gegen die Jahrhundertflut: In Deutschland fehlten Konzepte, die verschiedenen Ansätze befriedigend zusammen zu führen. Österreich scheint da einen Schritt weiter.
Denn die österreichischen Teilnehmer des Arbeitskreises "Meine Behörde entdeckt die Kommunikationstechnologie" könnten die deutschen Gastgeber glatt düpieren und auf ein System verweisen, das Internet, Mobilfunk und Katastrophenmanagement zusammenbringt. Die Firma Igisa hat ihren Vorschlag für die Bereitstellung aktueller Einsatz-Informationen nämlich bereits präsentiert. Das in der Wiener Neustadt beheimatete Unternehmen beschäftigt sich mit Softwareanwendungen zur Erfassung von Geodaten und zeigt ein weitgehend plattformunabhängiges Lösungspaket, bestehend aus einem Mediamap-Server und einem Mediamap-Client für den PDA.
Die Leitstelle kann damit Objekt- und Einsatzpläne ebenso wie aktuelle Luft- oder Satellitenbilder mobil zur Verfügung stellen. Die Daten werden im Mediamap-Server zusammengeführt und schließlich PDA-gerecht zum Download angeboten. Die Einsatzkräfte können so nicht nur Pläne und Bilder herunterladen, sondern auch Schäden oder Verletzte einzeichnen und diese modifizierten Pläne auf den Server zurückspielen.
Von ständig aktualisierten Luftbildern des betreuten Deichabschnitts konnten die Helfer der Elbflut nur träumen. Das Bildmaterial der Bundeswehr stand in erster Linie den Krisenstäben zur Verfügung. Die Bundesregierung selbst hatte noch mehr Bildmaterial in petto: Ein im November 2000 in Kraft getretenes internationales Informationsabkommen bündelt Daten von europäischen, kanadischen, indischen und amerikanischen Erdbeobachtungssatelliten und stellt hilfesuchenden Regierungen einen Online-Zugang zur Verfügung, um brandaktuelle Bilder aus der Katastrophenregion zu erhalten.
Im August lief erstmals ein Anruf der deutschen Regierung im "Disasters-Charter-Operator" ein. Mit dem Igisa-System hätten sich die Einsatzkräfte direkt vor Ort buchstäblich ein Bild machen können. Denn Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte und genau um diese Worte wären die Sprechfunkkanäle entlastet worden.
Bei der Wahl des Funkweges ist die Igisa-Lösung nicht weiter wählerisch. Ob GSM, GPRS oder Tetra; die aktuellen Einsatzinformationen bahnen sich jeden funktionstüchtigen Weg zu den Einsatzmannschaften. Das ist wichtig, denn gerade in Katastrophenfällen sind die Mobilfunknetze nicht selten gänzlich überlastet.
Igisa-Geschäftsführer Gernot Wurzer glaubt, dass kein neues Hochwasser erforderlich ist, um der Mediamap-Technik zum Start zu verhelfen. Es müssen auch nicht immer Naturkatastrophen wie Waldbrand, Sturm oder Überflutung sein. Als Hilfe für die Forstwirtschaft oder zur Übertragung von Rohrnetz- oder Schaltungsplänen an mobile Notfalltechniker lässt sich die Technik ebenfalls sinnvoll einsetzen.